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Alle Jahre wieder

„Alle Jahre wieder…“, stöhnte Josef. „Alle Jahre wieder — dieselbe Prozedur. Es dauert nicht mehr lange… Bald stellen sie uns wieder zur Schau!“   

„Von wegen — alle Jahre wieder … Vorletztes Jahr haben sie uns vergessen    und vor fünf Jahren auch… Aber – du hast recht: Es wird kühler. Obwohl ich dieses Kleid trage, friere ich ein bisschen!“, bemerkte seine Frau. „Hoffentlich erkältet sich das Kleine nicht. Es wurde zwar mit Stroh bedeckt … doch es trägt ja nur Windeln.“

An dem Heu, auf dem das Baby lag, knabberte gerade ein Schaf. „Hey, bring’ mir ein bisschen mit. Ich habe auch Hunger!“, rief der Ochse. „Ich komme dahinten nicht an…“ 

„Denen sollten wir vielleicht einmal eine Eselsbrücke bauen!“, schlug der Esel vor. „Dann holen sie uns auch öfters hier raus!“

„Ruhe im Karton!“, schimpfte einer der drei Weisen. „Ich will schlafen!“

„Schlafen…“, empörte sich sein Freund, der seinen Turban zurechtrückte. „Du solltest mit uns lieber in die Sterne gucken, ob sich noch ein Ereignis ankündigt…“

„Du bist ja witzig! Oder glaubst du etwa, dass unsere Lage hier unter einem guten Stern steht?“

Plötzlich wurde es mucksmäuschenstill. 

Alle hörten leise, dumpfe Schritte. „Jetzt ist es wieder höchste Zeit…“, sang Maria leise, aber ihre Stimme zitterte. Und dann erlebten die Insassen wieder ein Erdbeben sondergleichen. Sie wurden durchgeschüttelt, während sie vom Dachboden ins Erdgeschoss getragen wurden. „Hilfe!“, schrie ein Schäfchen voller Panik, bevor es sich am Turban eines Weisen festbiss. Das Baby begann, zu weinen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen. Ein Deckel wurde abgehoben. Die Hirten und Weisen, Maria und Josef hielten sich die Hände vor das Gesicht, weil sich ihre Augen erst einmal wieder an das Tageslicht gewöhnen mussten. Doch dann atmeten sie tief durch…

Große Finger stellten den Ochsen und den Esel in den beleuchteten Stall. Auch die Schafe gesellten sich dazu. Das Neugeborene, das sich wieder beruhigt hatte, wurde vorsichtig in seine Krippe gelegt. Seine Eltern bekamen jeweils links und rechts ihren Platz. Dazwischen wurden Stroh und Heu drapiert.

Da standen nun die Krippenfiguren und hörten zu, wie die Menschen sangen: „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all, zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall…“ Ein paarmal wurden sie von kleinen Kindern und großen Menschen bestaunt, bevor sie nach 14 Tagen wieder in den Karton gelegt und auf den Dachboden getragen wurden. 

„Stille Nacht…“, begann Josef noch einmal traurig anzustimmen. „Denn für den Rest des Jahres haben wir diese ab jetzt wieder!“

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht: Aber — seitdem ich erfahren habe, wie sich Krippenfiguren fühlen könnten, möchte ich dafür beten, dass viele Menschen ihre Herzenstür öffnen, wenn sie sich das Krippenspiel in der Kirche ansehen. Denn das Christkind wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es in unseren Herzen geboren wird, uns seine Liebe schenken und uns zeigen darf, wie er unser Leben mit Leben erfüllt — und das nicht nur alle Jahre wieder, sondern Tag für Tag!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!