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Auf eine Wellenlänge

Seit beinahe 40 Jahren begleiten mich treue Wegbegleiter durch das Leben: meine Schmerzen. In der gleichnamigen Geschichte habe ich ja bereits angedeutet, dass es natürlich mein größter Wunsch ist, dass sie mich — zumindest zeitweise — verlassen. Und deshalb habe ich mich vor vier Monaten entschlossen, mich einer Schmerztherapie zu unterziehen. Heute möchte ich dir — auf eine Wellenlänge — erzählen, was mich unterdessen bewegt …

Vielleicht kommt dir ja auch der Gedanke, warum ich fast vierzig Jahre gewartet habe? Ganz ehrlich: Ich hatte Angst davor, den sicheren Boden unter den Füßen zu verlieren … ins Schwimmen zu geraten … stürmische Zeiten zu erleben. Denn ich wusste, dass ich etliche Medikamente ausprobieren muss, um eins zu finden, das ich tatsächlich vertrage und das den gewünschten Zweck erfüllt. Aber bis dahin bedeutet das auch, dass ich viele Nebenwirkungen von Schmerzmitteln ertragen muss, die mir ein Stück meiner Lebenszeit, meiner Lebenskraft und meiner Lebensqualität rauben würden.

Doch — wie heißt ein Sprichwort so treffend: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“

Irgendwann machte mir die Geschichte Mut, in der Jesus seine Jünger auf die offene See hinausschickt. Und dabei nimmt er ihnen den Wind aus den Segeln, dass im Leben immer alles glatt gehen muss. Denn kaum haben sie vom Ufer abgelegt — da fängt ein raues Lüftchen an zu wehen. Es gießt wie aus Eimern. Sie sind am Rudern und sitzen alle in einem Boot — mit ihrer Angst, dass sie bald untergehen. Doch Jesus kommt ihnen auf eine Wellenlänge entgegen; sein Entgegenkommen ist wunder-voll. Nachdem er sich der Crew zu erkennen gibt, vertraut sich Petrus ihm nämlich mit Haut und Haaren an: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“ (Matthäus 14,28) Als einziger Jünger hat er erkannt: „Das wahre Leben bietet keine Sicherheiten. Fortschritt und Weiterkommen erlebe ich nur, wenn ich etwas wage … mich auf neues Terrain begebe — selbst auf die Gefahr, dabei zu scheitern!“ 

Der Herr der Lage sagt daraufhin nur zwei Worte: „Komm her!“ Und das lässt Petrus sich nicht zweimal sagen, obwohl Wind und Wellen um ihn toben. Flugs steigt er aus dem Boot und wird — nach Jesus — der einzige Wasserläufer, den es in der Weltgeschichte gegeben hat. Er erlebt das Wunder-volle: Sein Horizont wird auf eine Wellenlänge erweitert. 

Solch ein Wasserläufer bin ich — im übertragenen Sinne — auch geworden, indem ich aus meinem Boot der Gewohnheiten gestiegen bin und mich den Wellen des Unbequemen stelle. Über zehn Präparate habe ich inzwischen bereits einnehmen müssen, aber leider hat kein einziges den gewünschten Erfolg gebracht. Überdies hat meine Ärztin einen Antrag auf Cannabis gestellt. Doch jener ist von der Krankenkasse abgelehnt worden. Anfangs habe ich gedacht, dass das mein Untergang ist und dass ich in den Wellen der Ohnmacht und des Scheiterns baden gehe. Doch nach und nach merke ich, dass ich gerade dadurch schwimmen lerne! Ich achte jetzt noch graziler darauf, was meinen müden Knochen gut tut und was nicht. Ich verinnerliche, wann ich meine Grenzen ziehen muss. Und ich entdecke, wo ich trotzdem über mich hinausgewachsen darf.

Ja, die Schmerztherapie ist vergebens gewesen, aber keineswegs kostenlos und auch nicht umsonst. Denn ich habe eines verstanden: 

Mit Gott kann ich auf Wellen gehen, 

auch wenn starke Winde wehen! 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!