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Ausgesetzt

Über zwei Jahre leben wir nun schon mit der Corona-Pandemie. Und immer noch sind wir dem kleinen Virus, der große Brüche, Einbrüche und Umbrüche anrichtet, ausgesetzt. Viele unter uns leiden nicht nur in körperlicher Hinsicht, sondern auch psychisch, wirtschaftlich und sozial. Keiner von uns dachte im Jahr 2019, dass wir uns wochen- und monatelang isolieren mussten. Wir waren und sind gezwungen, andere und uns zu schützen, damit wir uns nicht gegenseitig anstecken. 

Irgendwie erinnert mich das an die zehn aussätzigen Männer. Auch ihre Krankheit ist ansteckend. Und deshalb werden sie regelrecht ausgesetzt — in ein Dorf am Rande der Stadt. Ich wüsste so gerne, wie lange sie schon dort verbannt sind? Ob sie Frauen haben, die sie schmerzlich vermissen? Wie lange haben sie dann ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Freunde und Bekannten schon nicht mehr gesehen? Was haben sie wohl gedacht und gefühlt? Womit haben sie sich den lieben langen Tag beschäftigt? 

Aus der Bibel erfahren wir nur, dass die an Lepra erkrankten Männer zerrissene Kleider tragen, das Haar frei und offen hängen lassen, den Bart verhüllen müssen. Damit sind sie gezwungen, jeden Menschen zu warnen, der in die Nähe kommt. Schließlich gilt die Erkrankung als unrein. 

Was für ein Leben!

Gott sei Dank geht unser Hersteller ganz individuell auf uns ein; er hat ein Herz für uns. Und das erfahren auch die zehn Männer. Nachdem sie Jesus Christus nämlich angefleht haben, Erbarmen mit ihnen zu haben, sagt er: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ (Lukas 17,14) 

Für mich ist es ein Wunder, dass die Männer schnurstracks losgehen und Jesus glauben. Denn wenn sie eine gewisse Zeit an einen Ort festgesessen haben und solch einer Herausforderung ausgesetzt sind, hätte sich bei ihnen auch eine gewisse Lethargie entwickeln können. Die Angst, wieder unter Menschen zu gehen oder neue Wege zu beschreiten oder wieder ein uneingeschränktes Leben führen zu können, hätte sie lähmen können. Wut könnte sie blind machen; die Enttäuschung könnte sie taub werden lassen. Doch stattdessen ziehen sie los und werden — auf dem Weg — gesund.

Die zehn Männer sind Vorbilder für mich. Sie wollen mir und uns allen Mut machen, dasselbe zu tun. Denn nach dieser langen Pandemie sind wir alle anders als vorher.  Viele von uns sind — aus lauter Vorsicht — Einzelgänger geworden, andere Draufgänger. Und dabei brauchen wir doch „Aufeinanderzugänger“. „Geht hin und zeigt euch …“, so lautet vielleicht auch heute noch die himmlische Devise. „Zeigt, wer ihr seid! Zeigt, was ihr habt; zeigt, was ihr drauf habt! Denn ihr könnt euch sehen lassen, weil ihr mein Ansehen genießt!“

Ich glaube, Gott wünscht sich, dass wir wieder herausgehen, dass wir aus uns herausgehen, damit wir seine wunder-vollen Wege entdecken. Dann können uns das Heil und die Heilung auch entgegenkommen!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!