Chance

Chance

Vielleicht wartet hinter manchem Ende ein Anfang.

Mein lieber Vater,

so viele Jahre gehe ich dir nun schon nach. Und ich folge dir wirklich gern, weil ich immer wieder erfahre, dass du die Liebe in Person bist. Manches, was du vorlebst, habe ich auch umsetzen können. Doch — es gibt so unendlich viele Situationen, in denen ich versage. Ich werde dir untreu. Oder ich verletze meine Mitmenschen. Das tut mir aufrichtig leid. Und du weißt ja auch, dass ich mich stets dafür entschuldige. Ich arbeite so hart an mir und habe mich trotzdem manchmal nicht im Griff. Das macht mich so traurig. Wann hört das denn auf? Warum hilfst du mir nicht? Wie werde ich endlich gerecht?

Mein liebes Kind,

sei gewiss: Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich dich sehe. Mein Herz macht Freudensprünge! Du bist mir wirklich gut gelungen. Ein Meisterwerk bist du in deiner Einzigartigkeit — ohne Wenn und Aber.

Sei gewiss: Ich bin der Allwissende, dem nichts verborgen bleibt. Doch in einer Hinsicht bin ich vollkommen vergesslich. Die Vergehen, die du ehrlich bereut und vor mir bekannt hast, verschwinden sofort aus meinem Gedächtnis. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, was du meinst, wenn du über Vergehen von gestern sprichst.

Sei gewiss: In meinen Augen bist du längst gerecht. Ich habe mich selbst darum gekümmert. Und deshalb wünsche ich mir so sehr, dass du künftig erhobenen Hauptes in den Spiegel schaust und dich selbst anlachen kannst. Staune über die Würde, die ich dir verleihe.

Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dir nicht mit Güte und Liebe begegnen würde? Tauche ein in das Mehr meiner Barmherzigkeit. Komm und bade täglich in meiner Gnade. So fällt allmählich die Last ab, die du mit dir herumträgst, nicht zu genügen. Du wandelst dich. Und aus deiner Verzweiflung wird Freude, weil du erkennst, dass du selbst die reine Freude bist.

Identität

T-räume

Du sagst zu mir: „Träum‘ weiter,

 

ist dein Traum auch zerplatzt.

 

Sei offen, bleibe heiter,

 

mach‘ dich darauf gefasst,

 

dass ich dir Hoffnung schenke

 

und selbst die Zukunft bin,

 

dass ich dein Leben lenke.

 

Der Schluss ist mein Beginn!

 

So schließe deine Augen

 

und stelle dir jetzt vor:

 

Ich öffne dir im Glauben

 

ganz langsam Tür und Tor.

 

Dann wirst du vor dir sehen,

 

was dich erwarten wird.

 

Es sind mehr als Ideen;

 

du hast dich nicht geirrt!

 

Erkennst du nun die Weite;

 

entdeckst du neues Land?

 

Ich bin an deiner Seite 

 

und reiche dir die Hand!

 

Es dauert nicht mehr lange,

 

dann sind wir endlich da.

 

Du wirst so viel empfangen,

 

dein Traum ist endlich wahr!“

Ich sitze am Tisch, und mein Blick fällt auf die Kerze. „Wie hell sie leuchtet – in der dunklen Jahreszeit…“, staune ich strahlend.

„Danke, dass du das für mich tust, kleine Kerze!“, sage ich leise zu ihr.

„Gern geschehen…“, höre ich sie plötzlich sagen. „Was soll ich denn sonst machen? Ich bin doch geschaffen, um Licht zu spenden. Du sollst dich freuen können – an mir, an meiner Helligkeit, an der Wärme…“

„Ja, aber – hast du keine Angst? Das Feuer verzehrt dich doch. Und irgendwann bist du völlig abgebrannt — ausgebrannt…“, wollte ich von ihr wissen.   

„Na ja, ganz ehrlich: Am Anfang ist mir das ziemlich auf den Docht gegangen. Aber ich habe ja die Wahl gehabt: Ich hätte dich bitten können, mich einfach nur zur Zierde auf das Regal oder auch in den Schrank zu stellen, doch dann würde ich dich im Dunkeln sitzen lassen; es wäre kalt in diesem Zimmer. Und – dafür bin ich einfach nicht gemacht! Mein Leben bekommt erst dadurch Sinn, dass ich brenne – für dich … hier. Insofern gebe ich mich selbst hin. Ich tue das wirklich gern; das ist meine Bestimmung.“   

Bis dahin war ich geistlich umnachtet, aber nun leuchtete mir ein: Auch ich kann mich mich aufsparen und zurückziehen. Dann bleibt es jedoch kalt und dunkel in meiner kleinen Welt. Oder ich gehe auf Menschen zu und verbreite Wärme und Liebe. 

In Matthäus 5 steht: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Verse 14 – 16) Mein Leben bekommt dadurch Sinn, dass ist brenne. Doch — dafür muss ich etwas von mir selbst geben – etwas von meiner Freude, von meiner Herzlichkeit, von meinem Strahlen.   

Das Leben der Kerze ist mir zum Bild, zum Vorbild geworden. Mir ging ein Licht auf – durch ihren hellen, wahren Schein!

Chancen beginnen oft dort, wo die Sehnsucht größer und die Angst kleiner wird.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.

Das Geschenk der Hingabe