Das Akku ist leer

Das Akku ist leer

Das Akku ist leer! 

„Das Akku ist nicht nur leer, sondern auch kaputt!“, teilte mir die Sekretärin meiner Reha-Firma letzte Woche am Telefon mit, nachdem mein elektrischer Rollstuhl zur Durchsicht abgeholt worden war. „Unser Mitarbeiter baut jetzt zwei neue Batterien ein und bringt Ihnen das gute Stück wieder vorbei!“

Ich war dankbar und erwartete sehnsuchtsvoll meinen fahrbaren Untersatz für draußen. Wie viele Male hatte er mir bereits gute Dienste geleistet. Durch ihn konnte ich mich mit Freunden in Cafés treffen, Theaterbesuche wahrnehmen, einkaufen oder einfach nur spazieren fahren, um nach anstrengenden Terminen Luft zu holen und selbst in der schönen Natur aufzutanken. 

Als der Fachmann aus dem Service-Center bei mir eintraf und für meine Beweglichkeit im Freien sorgte, erklärte er mir eine interessante Tatsache. Er sagte: „Die Batterien sind langlebiger, lädt man sie nicht erst dann auf, wenn sie leer sind … Sie mögen es, Saft zu bekommen, sobald sie ungefähr zehn Prozent herunter haben. Denn so regenerieren sie sich viel schneller!“ 

Sofort dachte ich: „Ich glaube, das ist nicht nur bei Batterien so, sondern auch bei uns Menschen! Meistens sind wir dann schon richtig ‚kaputt‘, wenn wir zugeben: ‚Das Akku ist leer!‘ Denn wie oft schieben wir das Leben auf; wir verschieben „unser Heute“ auf „das Morgen“. 

  • Wenn die Krise vorbei ist, dann denke ich an mich.
  • Wenn ich endlich Feierabend habe, dann atme ich durch.
  • Wenn das Wochenende kommt, dann verschnaufe ich kurz. 
  • Wenn ich erst einmal Urlaub habe, dann halte ich inne.
  • Wenn ich irgendwann Rentner bin, dann begebe ich mich zur Rast.

Dabei vergessen wir so leicht: Die Zukunft beginnt in der Gegenwart! 

„Das Akku ist leer!“ So oder ähnlich dachte und fühlte ich persönlich schon oft. Aber — Gott sei Dank: Es ging niemals kaputt, weil ich es immer wieder schaffte, es rechtzeitig aufzuladen. Gerade wenn ich eine längere Zeit am Schreibtisch saß, um ein Buch zu entwerfen, eine Geschichte auszuformulieren oder an einem Gedicht zu basteln, musste ich zwischendurch zum Beispiel öfter einen Punkt setzen. Manchmal bekam ich eben nicht viel auf die Reihe … Aber ausgerechnet in den schöpferischen Pausen begegnete ich meinem Schöpfer. Durch ihn strömten dann göttliche Impulse in mein Hirn und in mein Herz, sodass ich — wie aus heiterem Himmel — wusste, wie ich das Angefangene beenden sollte…

Durch den Rat meines Reha-Technikers möchte ich mich jeden Tag für die vielen Bereiche des Lebens fragen:

  • Was nährt mich?
  • Was mehrt mich?
  • Was leert mich?
  • Was zehrt mich aus? 

Und dementsprechend nehme ich mir nicht nur vor, Konsequenzen zu ziehen, sondern mich auch noch viel häufiger mit meinen Stromquellen zu verbinden als bisher. Ich möchte im Genuss der Natur … bei den Gesprächen mit Gott oder guten Freunden … beim Lesen eines guten Buches … beim Lauschen meines Lieblingsliedes auftanken. Meine Batterien sollen weitgehend voll sein, damit ich im Leben vorankomme — ob in meinen Gedankengängen, im Lauf meiner Gefühle oder eben auf der Fahrt in meinem Rollstuhl durch diese schöne Welt … 

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir mehr und mehr schenkt!