Das Weizenkorn

Das Weizenkorn

Ein kleines, junges Weizenkorn 

beginnt vor Angst zu zittern; 

es ist enttäuscht und voller Zorn

und will nun schier verbittern.

Der Gärtner hat ihm kundgetan: 

„Du sollst vergraben werden! 

Damit mehr Leben wachsen kann, 

musst du nun einmal sterben!“

 

Das Weizenkorn versteht das nicht; 

es fühlt sich wie beschrieben. 

Es liebt sein Dasein, liebt das Licht, 

will nicht im Dunkeln liegen.

Der Gärtner nimmt es in die Hand 

und streichelt es bewogen.

Dann setzt er es ganz eklatant, 

behutsam in den Boden.

 

  Da ist es nun — das starke Korn 

bereit, sich hinzugeben. 

Und daraufhin wächst es enorm 

dem neuen Sein entgegen.  

Der Gärtner hat das kommen sehn;

so geht es einem jeden …

Wenn ich verlier’, kann ich noch säen:

Ich sterbe mich zum Leben!

 

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir mehr und mehr schenkt!