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Der Trick für den Tick

Der Trick für den Tick:

Wenn du schon mehrere Beiträge auf meiner Website bereits gelesen hast, dann ist dir vielleicht aufgefallen, dass ich mit der deutschen Sprache recht gut umgehen kann. Das Schreiben ist meine große Leidenschaft. Umso mehr habe ich viele Jahre darunter gelitten, dass ich eine Sprechbehinderung habe. Das äußert sich dadurch, dass ich Wörter mit dem Buchstaben „s“ wahrscheinlich anders ausspreche als du. Außerdem zucke ich — durch meine spastische Lähmung — oft, was auf den ersten Blick merk-würdig aussieht … vor allem für fremde Menschen. Wie oft habe ich in meinem Leben schon erlebt, dass sie mich deshalb verkennen und mir aus Unsicherheit oder Ablehnung gar keine Chance geben, ihnen diese Phänomene zu erklären.

Einmal sah ich im Schaufenster eines Modegeschäfts zum Beispiel einen Pullover hängen, der mir total gefiel. Es war quasi Liebe auf dem ersten Blick. Eine Weile überlegte ich, ob ich ihn anprobieren und eventuell kaufen sollte. Nachdem ich tatsächlich in den Laden gefahren war, suchte ich das gute Stück in meiner Größe. Eine Verkäuferin kam auf mich zu. „Kann ich Ihnen behilflich sein?“, erkundigte sie sich mit einer freundlichen, ruhigen Stimme. Tief in Gedanken versunken sagte ich bloß: „Der hat schöne Farben — gefällt mir! Ich bin mir noch nicht schlüssig, ob ich ihn …“ Nachdem sie gehört hatte, wie ich sprach, wurde ihre Stimmlage sehr hoch. Ganz, ganz langsam und laut meinte mir die Dame erklären zu müssen: „Das ist rot! Das ist gelb. Das ist grün!“ Dabei tippte sie mit dem Zeigefinger auf die jeweilige Farbe! Da andere Kundinnen und Kunden im Geschäft zwangsläufig die Unterredung mithörten, sah ich schwarz. Die Situation war mir so peinlich, dass ich unverrichteter Dinge den Laden verließ — und traurig meiner Wege zog.

Vor 30 Jahren war er mir noch nicht bekannt: der Trick für den Tick! Denn ich haderte mit meinen Einschränkungen und speziell mit der Sprechbehinderung. Ich schämte mich dafür und wäre am liebsten für immer sprachlos geblieben. Aber dann kam der Himmel in mein Herz. Mein Hersteller machte mir deutlich, dass ich nicht perfekt sein musste. Er nahm mich vollkommen an.

Das ist der Trick für den Tick! Wenn der allmächtige Gott mich liebt, wie ich bin — dann darf ich das auch. Ich kann ich sein … mit all meinen Stärken und Schwächen. Niemals muss ich mich verstecken und mich wegen meines Schönheitsfehlers hässlich finden. Ich darf zu mir stehen, weil der Höchste hinter mir steht.

Um meinem Spleen sogar einen Sinn zu geben, habe ich zum Beispiel vor einiger Zeit einmal ein Gedicht darüber geschrieben und es auf Facebook hochgeladen. Natürlich hatte ich Angst davor, dass ich abwertende, entwürdigende Kommentare bekomme. Aber das Gegenteil war der Fall. Alle Zuschauer, die sich dazu äußerten, fühlten sich dadurch ermutigt und konnte mich auch verstehen. Das wiederum bestärkte mich … 

Mir wurde deutlich, dass Gottes Kraft in der Schwachheit zur Vollendung kommt und dass es nicht allein um eine gute Aussprache geht, sondern viel mehr um eine gute Ansprache! Ja, und das möchte ich auch in Zukunft verkünden — oder sogar verkündigen! Denn selbst das durfte ist in christlichen Gemeinden bereits tun. Ich konnte Verträge halten und Kurse leiten, weil ich wohl — trotz und mit meiner Sprechbehinderung — etwas zu sagen habe … 

Und hier kommt das erwähnte Video mit dem selbst zitierten Gedicht von mir. Darunter habe ich den Text geschrieben, falls du mich nicht verstehen solltest!

Wisst ihr, was? Ich bin ganz ehrlich!

Und vielleicht ist das gefährlich,

weil ich mich verletzlich mache,

wenn ich hier — mit meiner Sprache —

zur Sprache bring‘, was mich bewegt

und was mich schon seit Jahren prägt!

 

Ich schämte mich für meine Schwächen —

vor allem aber für mein Sprechen.

Ich glaubte, nicht genug zu sein.

Und so schloss ich mich selber ein,

indem ich mich vor euch versteckte

und dabei überhaupt nicht checkte,

dass ich mich jahrelang nur irrte,

weil ich diese Beschämung spürte.

Nun gut: Ich bin nicht schuld daran!

Und Gott hat mit mir einen Plan.

In seinen Augen hat das Sinn; 

so bin ich, wie ich eben bin.

 

Und das ist offensichtlich richtig, 

für diese Welt auch scheinbar wichtig.

Das will ich jetzt nicht mehr verschweigen, 

will mich ab heute öfters zeigen.

Ich weiß: Das kostet mich viel Mut, 

doch dieser Weg ist wahrhaft gut!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Als Autorin wohne ich in Rostock und lasse mich hier oft vom Meer inspirieren - und vom Mehr, das "das Leben" mir schenkt! Ich schreibe für mein Leben gern. Geschichten, Andachten, Gebete, Rätsel und Bücher habe ich im Angebot. Doch am liebsten verfasse ich Gedichte!