You are currently viewing Die Janalyse

Die Janalyse

Vor einigen Wochen baten mich liebe Schwestern aus der Gemeinde, bei uns das nächste Treffen für Frauen zu referieren. Spontan sagte ich zu und überlegte erst hinterher, was die Teilnehmerinnen interessieren könnte. Bald ging ich mit dem Thema schwanger: „Mensch, wer bist du?“ Aber nun merke ich: Die Geburt gestaltet sich ziemlich schwierig. Denn — wer bin ich? Gibt es überhaupt „die Janalyse“ — eine abschließende Analyse über Jana … über den Menschen? 

Wie komme ich auf das Thema: „Mensch, wer bist du?“ Nun, wenn du dich schon durch einige meiner Beiträge gelesen hast, weißt du inzwischen, dass mir meine Familie zum Beispiel nie verraten hat, wann ich geboren worden bin. Immer wieder habe ich zu hören bekommen, dass sie mich nicht haben wollte. Viele Jahre habe ich mich ziemlich verloren gefühlt — wie ein Blatt im Wind, ohne Wurzeln und festen Halt. Ich bin also ganz lange auf der Suche nach meiner wahren Identität gewesen.

Wer ich bin, könnte ich ja nun an meinem Personalausweis festmachen: Ich bin ein Oktober-Kind, bin blond und blauäugig. Aber — bin ich nicht mehr? „Die Janalyse“ heißt doch eher: Ich habe — seit über 50 Jahren — im Oktober Geburtstag (übrigens zweimal!). Ich habe blonde Haare und blaue Augen.

Wer ich bin, könnte ich auch mit meinem Beruf erklären. Ich bin Finanzbearbeiterin und studierte Psychologie. Aber — bin ich nicht mehr? „Die Janalyse“ lautet doch eher: Ich bin ein Mensch, der sich mit Zahlen und Statistiken auskennt und ein wenig psychologisch bewandert ist.

Wer ich bin, könnte ich genau so gut an meiner Leidenschaft beschreiben. Ich bin Autorin. Aber — bin ich nicht mehr? „Die Janalyse“ besagt doch eher: Ich bin ein Mensch, der gern mit Buchstaben spielt und schreibt. 

Auch meine körperliche Behinderung spielt in meinem Leben eine wesentliche Rolle. Aber um das Spiel abzukürzen: Ich bin nicht behindert, sondern ein Mensch, der spastisch gelähmt ist.

Ich bin mehr als das, was Menschen von mir wissen, behaupten oder denken. Ich bin sogar mehr als das, was ich selbst fühle. „Die Janalyse“, die Analyse über mich — Jana Schumacher — lautet ganz simpel: Ich bin! Und — ich bin ich! 

Auf diese Tatsache habe ich mir einmal den folgenden Reim gemacht: 

Der eine sieht in dir den Könner 

oder auch den großen Gönner.

Der nächste hält dich für die Niete 

und nennt dich manchmal Knalltüte.

 

Für einen bist du dann der Spinner

der andre nennt dich auch Gewinner.

Dein Partner kost dich Schnuckelhase; 

der Ex-Freund schimpft nur: Trübe Tasse. 

 

Menschlich wirst du dem erscheinen, 

der mit sich selber ist im Reinen, 

der seine Gaben, Grenzen kennt, 

sich selten „Lehrer“, „Loser“ nennt.     

 

Wer ins Spiegelbild gesehen, 

kann den Nächsten gut verstehen, 

der durch Leid und manchen Schmerz 

noch wachsen darf im eignen Herz.

 

Und so kannst du in jeder Seele 

— womit sie sich auch heute quäle — 

den großen Schatz in ihr auch sehen, 

den Menschen als ein Mensch verstehen!

Wie jeder Mensch habe ich Stärken und Schwächen, Gaben und Begrenzungen, Hoch-Zeiten und Tiefschläge zu verzeichnen. Aber in dem allen habe ich das Glück, Menschen an meiner Seite zu wissen, die mich annehmen, wie ich bin. Und ich durfte meinem Hersteller begegnen, der über mir sein bedingungsloses Ja ausspricht. Und deshalb kann ich frech, fröhlich, fromm und frei sagen: Ich bin geliebt! 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!