Die Treffen mit ihr

Die Treffen mit ihr

Seit ungefähr einem Jahr verabrede ich mich täglich mit ihr: der innigsten Bekannten, mit der ich zeit meines Lebens verbunden bin. Je nach dem, wie es das Wetter erlaubt, suchen wir uns am Meer — für ungefähr eine halbe Stunde — ein ruhiges Plätzchen. Wir machen im Park einen Spaziergang oder setzen uns zusammen auf mein Sofa. Die Treffen mit ihr sind für mich etwas ganz Besonderes geworden! 

Wenn wir uns — ganz bewusst — begegnen, fragen wir uns stets: 

  • Wo bist du heute am Rudern? 
  • An welcher Stelle hast du Schiffbruch erlitten? 
  • Was gibt dir Rückenwind?
  • Wo liegt dein sicherer Hafen?
  • Zu welchen neuen Ufern möchtest du noch aufbrechen?
  • Wo oder bei wem willst du vor Anker gehen?

Die Treffen mit ihr sind für uns beide immer eine intensive Zeit, weil wir uns ganz offen und ehrlich über unsere Gedanken und Gefühle austauschen. Wenn dabei einmal das Herz schwer wird oder sogar Tränen fließen, sagen wir nicht die alten Sätze: „Nun reiße dich zusammen!“ Oder: „Der Indianer kennt keinen Schmerz!“ Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, dass wir alles ansprechen dürfen, was uns bewegt. Es gibt keine Tabuthemen, keine guten oder schlechten Gefühle, keine verrückten Denkweisen. Alles, was wir zulassen, können wir irgendwo, irgendwie, irgendwann auch loslassen! 

Häufig fällt während unserer Gespräche auch der Spruch: „Weißt du noch — damals?“ Dann lachen wir meistens erst einmal, obwohl die dementsprechende Erinnerung gar nicht so sehr zum Lachen ist. Sie ruft uns nämlich Erlebnisse von früher ins Gedächtnis, unter denen wir manchmal bis heute noch leiden. Aber jetzt können wir ja — wie gesagt — ganz anders damit umgehen. 

Die Treffen mit ihr verändern uns beide. Ich habe den Eindruck, dass sie dadurch wachsen kann. Sie ist nicht mehr ganz so still wie am Anfang — und auf eine geheimnisvolle Art lebendiger. Manchmal möchte sie auch gar nicht mehr an meiner Hand gehen und stattdessen lieber auf eigenen Beinen stehen. Tja, und ich: Meine Schritte fühlen sich fester an. Ich werde bemerkenswert freier in meinem Handeln, im Hirn und im Herzen. Irgendwie nähern wir uns immer mehr an; wir werden eins miteinander. Ich lerne sie von Tag zu Tag besser kennen und auch noch viel mehr lieben: die kleine Jana in mir!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!