Die Zahnarztpraxis als heilige Stätte

Die Zahnarztpraxis als heilige Stätte

Ist dir schon einmal der Gedanke gekommen, dass die Zahnarztpraxis als heilige Stätte dienen kann? Wenn du jetzt den Kopf schüttelst oder die Stirn runzelst, kann ich das gut nachvollziehen. Ich konnte es auch lange nicht glauben. Aber lass mich dir von meinen Erfahrungen erzählen …

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Gestern war es nun soweit: Nach meiner Corona-Erkrankung musste ich Zähne zeigen — bei meiner Ärztin. Sie hatte die verantwortungsvolle Aufgabe zu untersuchen, ob die wochenlange Therapie angeschlagen hatte oder nicht. Natürlich war ich aufgeregt. Mein Herz klopfte regelrecht bis zum Hals. Ich hatte Angst davor, dass mir in den nächsten Stunden ein Zahn nach dem anderen gezogen wurde.

Der Weg in die Praxis war kurz und weit zugleich. Denn unterwegs ging mir eine Menge durch den Kopf. „Wie lange ich heute wohl wieder auf dem Zahnarztstuhl verbringen werde …? Ob alles gut geht? Werde ich große Schmerzen haben?“, fragte ich mich. Keine Spur war zu entdecken, dass die Zahnarztpraxis als heilige Stätte fungieren konnte …

Als ich das Ziel erreicht hatte, musste ich glücklicherweise nicht warten. Sofort wurde ich in das Behandlungszimmer geführt. Meine Zahnärztin machte sich ein Bild von der Lage. Und nachdem sie mir lange genug auf den Zahn gefühlt hatte, meinte sie: „Also, ich kann zwar noch keine Entwarnung geben, aber noch besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir die meisten Ihrer Zähne erhalten können! Ich schlage vor: Ich verarzte sie jetzt weitläufig. Und dann warten wir noch zwei Wochen ab, ob sich Ihr Gesamtzustand verbessert!“ 

„Weiterhin hoffen und bangen …“, stöhnte ich innerlich. „Dabei wollte ich heute doch einfach nur erlöst werden!“ Die Zahnärztin tat, was sie konnte und verwies mich dann an die Schwester, die mir an der Garderobe einen Zettel mit dem nächsten Termin in die Hand drückte. 

Plötzlich kamen aus der hintersten Ecke des Wartezimmers meine besten Freunde hervor. Überrascht und erfreut fragte ich sie: „Was macht ihr denn hier?“

„Na, meinst du, wir lassen dich in diesen schweren Stunden allein?“, sagte Katrin. „Wir saßen schon da, bevor du kamst und dachten die ganze Zeit über an dich, während du behandelt wurdest!“

Ich bekam Gänsehaut, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Das waren himmlische Worte; das waren gute Freunde! Ich war so gerührt, so bewegt. Später musste ich an das denken, was der Erzvater Jakob auf seiner Reise nach Haran erlebte und wie er über Nacht Gott begegnete, der ihm den Segen zusprach. Jakob staunte daraufhin: „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! … Wie heilig ist diese Stätte!“ (1. Mose 28,16-17)

Nicht nur meine Freunde waren also für mich da. Auch Gott war in diesem bohrenden Lebensabschnitt bei mir; er war mit mir. Das wusste ich jetzt wieder! Er liebte mich; er wollte mich segnen; er hatte das Beste mit mir vor. Daran wurde ich wieder erinnert. Und dadurch erlebte ich sogar die Zahnarztpraxis als heilige Stätte …

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!