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Eine fruchtbare Zeit

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: Im Herbst 1996 fragte mich „unser damalige neuer Pastor“, ob ich — zusammen mit ihm — Glaubensgrundkurse für suchende und fragende Menschen durchführen wollte. Damals war ich gerade von der Bibelschule in Berlin Wannsee zurückgekehrt. Ich hatte eine Menge neue Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt und so sagte ich euphorisch zu. In der Geschichte „Kaum zu glauben“ erwähnte ich schon einmal, dass am Ende satte 14 Jahre daraus wurden, in denen ich miterleben durfte, wie viele junge und ältere Leute währenddessen lebhaft zu glauben und glaubhaft zu leben begannen. Es war eine fruchtbare Zeit, in der ich mich selbst regelrecht entfalten konnte. 

Zwei bis drei Kurse boten wir pro Jahr an. Pastor Volkmar Glöckner und ich machten es uns zur Gewohnheit, dass wir uns nach Abschluss eines achtwöchigen Seminars oder vor dem Beginn des nächsten gemütlich zusammensetzten, um Dinge auszuwerten oder neue Inhalte zu besprechen. Es muss um die Jahrtausendwende gewesen sein: Wir saßen bei Kuchen, Kaffee und Kerzenschein in meinem Wohnzimmer, während er mich schmunzelnd ansah und meinte: „Weißt du eigentlich, dass du mehr Kinder hast als die meisten Frauen, die ich kenne? Durch die Kurse haben Menschen Gott ihren Glauben geschenkt, sich taufen lassen und in unserer Kirche eine Heimat gefunden. Das ist auch dein Werk; das sind auch deine Babys. Du hast dazu beigetragen, dass ungefähr 30 Personen — buchstäblich — das Licht der Welt erblickt haben, das Licht der himmlischen Welt!“

Diese Worte bewegten mein Herz. So hatte ich meine Tätigkeit noch niemals betrachtet. Es war wahrhaftig eine fruchtbare Zeit! Denn Volkmar Glöckner blieb noch bis Ende des Jahres 2009 der Pastor in der Gemeinde. Und auch danach habe ich noch drei Glaubenskurse ohne ihn geleitet. Das bedeutet: Ich bin heute eine „kinderreiche“ Frau!

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„Meine Kinder“ sind heute schon alle aus den Glaubens-Kinderschuhen herausgewachsen. Aber seinerzeit war es natürlich unvermeidlich, dass wir ihnen beibrachten, wie sie keineswegs „im alten Stiefel weitermachten“, wie sie sich nicht „jeden Schuh anzogen“, wie sie ganz langsam „in die Puschen kamen“. Oft war es während der Glaubenskurse und auch noch danach notwendig, dass sie zu uns kommen konnten, damit wir ihnen ganz individuell rieten, „welcher Schuh zu ihnen passte“. Oder wir entdeckten gemeinsam mit ihnen, wo manchmal „der Schuh drückte“. Auch das war eine fruchtbare Zeit …

Doch ganz allmählich nabelten sich „meine Kinder“ von mir ab. Sie lernten laufen und  gingen — im Vertrauen — eigene Wege. Aus einer anfänglichen „Erziehung“ wurden lockere oder feste „Beziehungen“. Insofern höre ich inzwischen zwar seltener etwas von ihnen, aber im Herzen und im Glauben bleibe ich mit ihnen auf ewig verbunden. Es ist fast mit normalen Mutter-Kind-Beziehungen zu vergleichen! 

Aus den damaligen Kindern sind Erwachsene geworden. Aus „Schülern“ wurden „Lehrer“, die heute zum Teil anderen Menschen etwas beibringen und erzählen, was sie mit ihrem himmlischen Vater erleben. Ich finde es wunder-voll, dass diejenigen, die damals im Glauben „gezeugt“ und „geboren“ worden sind, heute als echte Zeuginnen und Zeugen auftreten und jeweils als „Licht der Welt“ überall (er)-scheinen! 

Macht weiter so, Kinder! Ich bin mächtig stolz auf euch!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Als Autorin wohne ich in Rostock und lasse mich hier oft vom Meer inspirieren - und vom Mehr, das "das Leben" mir schenkt! Ich schreibe für mein Leben gern. Geschichten, Andachten, Gebete, Rätsel und Bücher habe ich im Angebot. Doch am liebsten verfasse ich Gedichte!