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Eine Schwester fürs Leben

„Schon immer wünschte ich mir eine kleine Schwester!“, gestand mir Katrin neulich, während sie mich mit großen Augen ansah. „Ich hatte zwar einen älteren Bruder: Karl, der ständig Karl der Große genannt werden wollte, aber tief in meinem Herzen sehnte ich mich nach einem Menschen, mit dem ich so eine enge Verbindung haben könnte, dass kein Blatt zwischen uns passen würde … Ich wünschte mir eben eine Schwester fürs Leben!“, ergänzte sie, wobei sie grinste.

„Jedes Mal, wenn ich Geburtstag hatte oder wenn Weihnachten nahte, machte ich meinen Eltern klar, was sie mir schenken könnten!“, erzählte Katrin weiter. „Aber — Pustekuchen … Je mehr Kerzen ich Jahr für Jahr ausblies, desto mehr verwehte mein Traum von einer Schwester fürs Leben!

Freundinnen kamen und Freundinnen gingen. Das war auch in Ordnung, doch meiner Seele fehlte die bessere Hälfte, bis wir uns im Jahr 2003 begegneten. Weißt du noch …?“, erinnerte sie mich.

„Und ob …“, sagte ich. „Damals hast du dich bei mir vorgestellt, um als meine Assistentin zu arbeiten. Die ersten Wochen und Monate waren für uns beide nicht leicht. Zwei Welten prallten aufeinander und nicht selten knallte es zwischen uns. Für mich war aufgeben allerdings keine Option, weil du das gewisse Etwas hattest. Schon damals merkte ich, dass du ein ganz besonderer Mensch warst — anders als viele andere vor dir …“

„Auch ich mochte dich vom ersten Augenblick. Du warst an mir interessiert  und nicht nur an meiner Arbeitskraft … Nie machtest du außerdem einen Hehl daraus, dass du schon lange Christ warst, aber du sprachst nicht viel darüber!“, meinte Katrin.

„Stimmt! Meine Devise war schon immer: Wenn mein Leben nicht lauter spricht als meine Worte, dann ist mein Glaube nicht der Rede wert!“

„Aber mich hat interessiert, woher du deine Kraft ziehst und was dich aufrichtet, obwohl dich so vieles herunterziehen will. Ganz langsam hast du mir von dem Himmel in deinem Herzen erzählt. Und ich war offen …“

„Dann kam deine schwere Zeit!“, schlussfolgerte ich. 

Nachdenklich erinnerte sich Katrin. „Im April 2005 war ich bei meiner Frauenärztin. Und ich kam mit der erschreckenden Nachricht zu dir, dass sie ‚etwas entdeckt‘ hatte. Ich fiel aus allen Wolken, aber du fingst mich irgendwie auf. Du fragtest mich zum ersten Mal, ob du für mich beten durftest. Und danach hattest du dein Andachtsbuch aufgeschlagen und den Vers entdeckt: ‚Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.’ (Matthäus 9,22) Der Zuspruch Gottes machte uns beiden Mut und Hoffnung, und doch blieb ein Rest Zweifel in uns, dass ich doch schwerkrank war …“

„O Gott, die Tage zwischen der ersten Untersuchung und dem endgültigen Ergebnis wollten kaum vergehen!“, bekräftigte ich. „Wie erleichtert waren wir darum, als sich alles als ‚harmlos‘ herausstellte und du tatsächlich gesund warst — wie es uns vorausgesagt wurde!“

„Ja, diese Zeit hat uns zusammengeschweißt als Freundinnen. Und ich fing auch an zu glauben — an deinen und meinen Schöpfer. Ein Jahr später hatte ich mich taufen lassen. Und dadurch fand ich nicht nur meinen himmlischen Vater, sondern du wurdest auch wirklich meine Schwester, die ich mir zeitlebens gewünscht hatte!“, grinste Katrin.

„Ich kann kaum glauben, dass das jetzt schon 15 Jahre zurückliegt. Und seitdem haben wir eine Menge miteinander erlebt: Schönes und Trauriges, Wunder und Katastrophen, Heilsames und Krankes. Aber alles hat uns noch enger zusammengebracht. Du bist ein echtes Geschenk — eine Schwester fürs Leben … eben!“, staunte auch ich im Rückblick.

Und wie sehr wurden unsere beiden Herzen wieder einmal mit Dank erfüllt, dass wir uns in den Armen liegen durften … 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Als Autorin wohne ich in Rostock und lasse mich hier oft vom Meer inspirieren - und vom Mehr, das "das Leben" mir schenkt! Ich schreibe für mein Leben gern. Geschichten, Andachten, Gebete, Rätsel und Bücher habe ich im Angebot. Doch am liebsten verfasse ich Gedichte!