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Eine wüste Zeit

Hast du auch schon einmal erlebt, dass eine Wüstenzeit eine wüste Zeit ist? Ich auch! Da kommt mir gleich wieder ein Tag im Februar des Jahres 1995  in den Sinn. Eigentlich saß ich gerade in einer großen, schönen Oase; ich war auf der Bibelschule in Berlin Wannsee. Mit acht Kursteilnehmern erlebte ich wohl eine der intensivsten Monate meines Lebens, weil ich unheimlich viel über mein Lieblingsbuch und den Herrn der Geschichte lernen durfte. Und außerdem war die Umgebung so herrlich, dass ich das schöne Fleckchen Erde nicht mit einer Wüste vergleichen möchte. 

Trotz allem erlebte ich jedoch wüste Zeiten. Schließlich machte ich mir Sorgen um meine Zukunft. 

Die Hälfte der Zeit auf der Bibelschule war jetzt vorbei, und ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Denn meine Eltern hatten mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie mich nicht mehr bei sich aufnehmen würden, wenn ich bei ihnen auszog und als Christ leben wollte. Es gab also kein Zurück mehr. Und da ich auch keine anderen Verwandten hatte, bei denen ich Zuflucht finden konnte, hatte ich keinen blassen Schimmer, wo ich nach der theologischen Ausbildung leben sollte. 

Damals — im Februar 1995 — hatten wir einen so genannten „Stillen Tag“. Ich liebte diese Unterrichtseinheit sehr, da ich dann bislang immer ganz intensive Begegnungen mit meinem Hersteller hatte.

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit den Lehrern bekamen wir von ihnen immer einen Umschlag. Und meistens befanden sich darin ein Gedicht, ein Zitat oder Worte aus der Bibel. Danach konnten wir bis zum Abendessen machen, was wir wollten. Wir mussten eben nur ruhig sein und uns der Stille hingeben. 

Meistens räumte ich erst einmal mein Zimmer auf. „Wenn ich mit Gott und mir ins Reine kommen will, muss ich auch äußerlich Ordnung schaffen!“, war meine Devise. Ich weiß noch, dass es ein wunderschöner, sonniger, klarer, aber kalter Wintertag war. Demnach setzte ich mich nach dem Saubermachen — warm eingepackt — in meinen elektrischen Rollstuhl, um zum Großen Wannsee zu fahren. Das Wasser war so aufgewühlt wie meine Seele selbst. Der Wind blies mir kräftig ins Gesicht. Während ich am Bootssteg stand, dachte ich nur: „Das ist nicht nur eine wüste Zeit, sondern auch eine Eiszeit.“

Unweigerlich machte sich die Angst vor der Zukunft in mir breit. Ich fing an, meinem Schöpfer alles anzuvertrauen, was mein Herz bewegte. Als das Meer in mir durch die Offenheit ein wenig zur Ruhe gekommen war, öffnete ich den Kuvert, den meine Lehrer mir gegeben hatten. Dort entdeckte ich eine Ermutigung Gottes, die meine Seele ganz tief berührte: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ (Jesaja 43,18-19). 

Ich war verblüfft, wie deutlich der Schöpfer von Himmel und Erde in mein Leben sprach. Und nun war ich mir gewiss, dass er mir ganz nahe war und meine Wüstenzeit in fruchtbares Land verwandeln wollte. 

Gleich am darauffolgenden Tag bekam ich den Impuls, mich in Rostock mit einer ganz bestimmten Behörde in Verbindung zu setzen. Die Sachbearbeiterin hatte am anderen Ende der Leitung ganz viel Verständnis für meine Lage. „Wir planen im Sommer ein Pilotprojekt!“, verriet sie mir. „Wir wollen eine große Wohnung barrierefrei einrichten und zum ersten Mal fünf Menschen mit körperlichen Behinderungen anbieten, dort gemeinsam zu leben. Sie wären die erste Interessentin und könnten sich noch das beste Zimmer aussuchen!“

Die Information verschlug mir beinahe die Sprache. Aber ich sagte zu und fuhr gleich am nächsten Tag nach Rostock, um mir die Wohnung und auch mein Zimmer anzuschauen. Im Juli zog ich dann für anderthalb Jahre dort ein, bevor mir mein Opapa und meine Omama eine eigene Wohnung kauften.

Im Nachhinein staune ich heute noch, wie konkret der Schöpfer von Himmel und Erde sein Versprechen manchmal wahr machte und dass er so eine wüste Zeit nutzte, um mich ganz ordentlich mit seiner Liebe zu erfrischen!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!