Einfach auf „Replay“ drücken

Einfach auf „Replay“ drücken

Wenn ich Lust und Laune habe, vertiefe ich mich an meinem Tablet in das Kartenspiel „FreeCell“. Dabei muss ich eigentlich nur abwechselnd rote oder schwarze Spielkarten der Reihenfolge nach sortieren und so anfangen, dass die vier Asse zuerst freigelegt werden, damit ich nach und nach an die Könige, an die Damen, an die Buben … und so weiter herankomme. Es gibt vier Hilfsflächen, in die ich bei Bedarf Karten vorübergehend ablegen kann, um sie dann an die richtige Stelle auf dem eigentlichen Spielfeld zu platzieren. Dabei muss ich bekennen: Ich habe noch kein einziges Mal verloren. Aber ich möchte auch gestehen, warum das so ist … Immer wenn das Spiel fast aussichtslos erscheint oder wenn ich mich verzocke, kann ich einfach auf „Replay“ drücken. Und dann fange ich einfach noch einmal von vorn an, bis ich den erfolgreichen Lösungsweg gefunden habe …

Wie oft denke ich währenddessen: „Warum ist das im echten Leben nicht genau so leicht? Wieso kann ich die Karten ab und an nicht einfach neu mischen? Weshalb kann ich nicht bei null anfangen?“ Denn es gibt Erfahrungen, auf die ich gern verzichtet hätte, weil ich kein gutes Blatt auf der Hand gehabt habe. Ich sitze zum Beispiel im Rollstuhl — aufgrund eines Unfalls … Viel zu früh habe ich Lieblingsmenschen verloren … Jeden Tag machen mir Schmerzen zu schaffen … Oder ich bin selbst in Situationen gekommen, in denen ich mir Wege verbaut habe! Ja, im Spiel des Lebens habe ich schon oft die falsche Karte gezogen. Und dann ist es mir nicht möglich gewesen, dass ich einfach auf „Replay“ drücken kann! 

Allerdings denke ich auch: „So wie ‚FreeCell‘ ohne die roten und die schwarzen Karten kein Spiel wäre, so gehören die Sonnen- und Schattenseiten zu meinem Leben. Schließlich habe ich ja nicht nur gehofft, gekämpft und verloren; häufig kam, sah und siegte ich auch! Alles zusammen macht mich zu dem Menschen, der ich heute bin.“ Und darauf habe ich mir einmal den folgenden Reim gemacht: 

Es gibt zwei Seiten, 

die mich begleiten — 

durch dieses Leben … 

auf allen Wegen.

Ich will sie vereinen 

und nicht verneinen.

Sie gehören zu mir; 

das bekenne ich hier …

Ich bin 

dunkel und hell, 

langsam und schnell, 

hungrig und satt, 

lebhaft und matt, 

ärmlich und reich, 

standhaft und weich, 

müde und wach, 

kraftvoll und schwach, 

aufrecht und krumm, 

lauthals und stumm, 

riesig und klein, 

schuldig und rein …

 Das Heile, die Schrammen 

bringt Einer zusammen —

der bei mir verweilt, 

mit mir alles teilt —

ohne Wenn und Aber: 

mein Lebensliebhaber!

Ich danke ihm jetzt, 

dass er mich so schätzt!

Während ich beim Spiel „FreeCell“ die Asse zuerst suchen und ablegen muss, habe ich im wahren Leben allerdings „ein Ass im Ärmel“. Es ist der Lebensliebhaber — der Eine, der mir immer treu zur Seite steht. Ob ich Berge erklommen habe oder im Tal sitze, ob ich ehrlich bin oder mich selbst betrüge, ob ich gewinne oder verliere — er hält mich nicht nur aus; er hält mich. Auch wenn er in meinem Leben nicht einfach auf „Replay“ drücken wird, schenkt er mir nach jeder Nacht einen neuen Morgen … einen einzigartigen Tag mit neuen Möglichkeiten, Vergangenes aufzuarbeiten, Träume zu wagen, das Heute zu gestalten … Im großen Spiel des Lebens schenkt mir „der Kreuzkönig“ sein Herz … Insofern kann ich auch im Verlust siegen. Und nur durch manchen anfänglichen Rück-Schritt komme ich vorwärts! 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!