Ent-Täuschung

Ent-Täuschung

Gibt es Ereignisse — in deinem Leben, die du nicht in Ordnung findest und die dich ordentlich durcheinander bringen? Hast du solche außerordentlichen Situationen vielleicht auch schon mit deinem Schöpfer erlebt? Und kannst du sein Handeln eventuell bis heute gar nicht einordnen? Um es mit einem Wort auszudrücken: Empfindest du eine Ent-Täuschung?

Ich kenne das Gefühl nur zu gut. Wie oft habe ich schon gehofft und gebangt — und am Ende doch verloren. So manche Träume sind in meinem Leben zerplatzt wie Seifenblasen. Und eine Menge Erwartungen und Sehnsüchte, die ich gehabt habe, sind gar nicht erst erfüllt worden.

Um nur wenige Beispiele zu nennen:

  • Gott gab mir Eltern, die sich und mich in keiner Weise lieben konnten. Durch sie wurden mir von klein auf eine Menge Steine in den Weg gelegt.
  • So sehr ich Gott auch anflehte — er heilte mich bis heute nicht. Seit über 30 Jahren sitze ich im Rollstuhl und habe täglich Schmerzen. 
  • Durch meine Erkrankung kann ich den Beruf nicht mehr ausüben, für den mein Herz so sehr brennt.
  • Meine große Liebe ist schon sehr früh von mir gegangen.

Wenn der Schöpfer nicht so handelt, wie ich mir das vorstelle, besteht die Gefahr, dass ich mich — in der Hilflosigkeit, im Groll, in der Traurigkeit, in der Ent-Täuschung — von ihm zurückziehe. Durch die Tränen in meinen Augen werde ich vielleicht blind für sein Wohlwollen. Eventuell schlägt mein Herz eine Weile nicht mehr für ihn, und meine Beine begeben sich womöglich auf alte Pfade, die mir viel vertrauter sind als die Wege Gottes …

So erging es jedenfalls Kleopas und seinem Freund, als sie von Jesus Christus enttäuscht waren. Sie gingen nämlich davon aus, dass er sein Volk von der Diktatur der Römer erlösen würde, dass er — in seiner Macht — ihr Leben erleichtern wollte. So viele Wunder hatte er schließlich vollbracht. Aber dann ließ er sich wehrlos ans Kreuz schlagen … und er starb. Das konnten sie nicht verstehen; dafür hatten sie auch keinerlei Verständnis! 

Wie gut, dass beide nicht unbeweglich blieben — in ihrer Traurigkeit und Ent-Täuschung. Sie gingen zusammen nach Emmaus und sprachen miteinander,  was Bewegung in ihr Gefühlsleben brachte. „Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.” (Lukas 24,15-16) Erst als der Unbekannte augenscheinlich das Leben mit ihnen teilte, bekamen sie den Durchblick: Jesus war auferstanden; Jesus war bei ihnen — die ganze Zeit! Und das bewegte sie so sehr, dass sie aufstanden, wieder zurück nach Jerusalem gingen und den Menschen verkündeten, dass er der Erlöser von aller Entzweiung war; Jesus Christus wurde zum Retter für die ganze Welt!

Diese Begebenheit macht mir immer wieder Mut, wenn meine kleine Welt ordentlich ins Wanken gerät, wenn ich nicht zuordnen kann, warum mein Schöpfer anders handelt, als ich mir das wünsche: Er sieht weiter als ich; er hat den Überblick; er möchte augenscheinlich das Beste für mich. Und noch eins: Auch wenn ich mich in meiner Ent-Täuschung allein fühle und ich mich vielleicht auf anderen Wegen befinde — Jesus Christus begleitet mich längst;  er lässt mich nicht im Stich. Zur rechten Zeit werde ich das erkennen und außerordentlich darüber staunen. Und dann bringt er meine Gedanken- und Gefühlswelt wieder in Ordnung! 

In dieser Hinsicht wünsche ich dir, dass sich manche Dinge auch in deinem Herzen neu ordnen lassen … während du solch eine Ent-Täuschung erlebst!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!