Geschafft!

Geschafft!

Geschafft! Wir haben es geschafft; meine Freunde und ich waren stärker als die Corona-Viren. Nach fast drei Wochen Quarantäne dürfen wir wieder das Haus verlassen und unter das Volk gehen. Wir sind so froh und dankbar! Denn jetzt ist nur noch unser Lachen ansteckend!

Allerdings sind wir auch noch sehr geschafft. Aus eigenem Erleben kann ich jetzt sagen, dass Corona noch viel mehr Begleiterscheinungen mit sich bringt als eine Grippe – auch nach der Isolation. Aber wir haben, ich habe das Schlimmste geschafft!

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Sich wochenlang nur in den eigenen Wänden aufhalten zu können, war schon eine Herausforderung – für mich. Denn eigentlich liebe ich meine Freiheiten. Aber nun hatte Gott mich angehalten. Ich durfte – im doppelten Sinne – für eine gewisse Zeit „aufhören“. Zum einen konnte ich aufhören, etwas für meine Mitmenschen zu tun. Und zum anderen durfte ich aufhören … lauschen auf das, was Gott – das Leben – mir zu sagen hatte. Deshalb wollte ich gern innehalten. Gott schenkte mir – durch die zusätzliche Erkrankung – quasi die nötige Ruhe, um mich wieder einmal ganz intensiv bei mir selbst aufzuhalten. Denn eins hatte ich im Laufe der Zeit begriffen: Wenn ich mich nicht liebe, kann ich auch keinen Mitmenschen lieben; wenn ich mich selbst verliere, verliere ich den anderen.

Demzufolge wollte ich meine Gedanken und Gefühle aushalten, die mich in diesen dunklen Tagen bewegten: die Angst, an Corona eventuell sterben zu können … die Scham, dass ich überhaupt betroffen war … die Ohnmacht, nichts tun zu können, um den Krankheitsverlauf zu verbessern … die Enttäuschung, dass ich mich infiziert hatte, obwohl ich stets vorsichtig war. Ich wollte diese Emotionen ganz bewusst nicht zurückhalten. Denn wenn ich sie zuließ, ließ ich sie letztendlich los. Und so kam es auch – zumal es allmählich gesundheitlich bei mir wieder aufwärts ging. 

Irgendwann fühlte ich, dass Gott noch mehr auf dieser Erde für mich bereithalten wollte. Wie erleichtert ich doch war! Aber da ich mich von meiner Außenwelt immer noch fernhalten musste, überlegte ich mir stillschweigend, wie ich mich künftig verhalten wollte. Denn eins war mir innerhalb meines Krankheitsprozesses sehr deutlich geworden: „Das Leben mit Corona“ zeigte nur, wie wir „das Leben ohne Corona“ bislang oft gestaltet hatten. Schon bevor der kleine Virus unsere große Welt auf den Kopf stellte, trugen wir immer wieder einmal Masken – natürlich unsichtbar. Der eine hat seine unangenehmen Gefühle zurückgehalten, wenn man ihn fragte: „Wie geht es dir?“ Und der andere hat permanent seine Meinung für sich behalten. Der eine wollte mehr darstellen, als er in Wirklichkeit war. Und der andere versuchte in seinem Bereich durchzuhalten, obwohl ihm längst die Kraft dazu fehlte.

Überdies suchten wir Menschen schon immer den Abstand, wenn wir die Art oder die Ansicht unseres Gegenübers nicht teilten. Anstatt sich miteinander auseinanderzusetzen, setzten sich viele lieber auseinander und saßen dann notgedrungen zwischen den Stühlen. „Das Leben nach Corona“ bietet uns die einmalige Chance, wieder zusammenzurücken, uns ungeschminkt und ohne Masken zu begegnen und nicht weiterhin nach dem Motto zu handeln: „höher … schneller … weiter“, sondern uns ganz allmählich auf „tiefer … langsamer … näher“ einzustellen. 

Es kommt immer darauf an, welche Einstellung, welche Haltung wir einnehmen wollen. Ich – für meinen Teil – möchte jetzt schon mehr und mehr versuchen, mein Verhalten zu überdenken und meine Verhältnisse zu ändern, weil Gott mein ganzer Halt ist. Er ist die Liebe in Person, und er wünscht sich nichts sehnlicher von mir, als dass ich die Liebe, die er mir schenkt, an andere Menschen weitergebe. 

Aus lauter Liebe und Dankbarkeit, weil ich mit Gottes Hilfe schon so vieles geschafft habe, möchte ich diejenigen unter uns gern weiterhin ganz ehrlich und hautnah ermutigen – auf die Art und Weise, mit der ich das am besten kann: mit Worten, die zu Taten werden! 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!