Lehrreich

Ich habe unheimlich viel auf der Bibelschule lernen dürfen. Die drei LeiterInnen Thomas Bloedorn, Christiane Geisser und Andrea Bogdan prägten meine acht „MitschülerInnen“ und mich sehr. Doch – darüberhinaus werde ich den Unterricht bei dem bekannten Gastreferenten (Pastor, Autor, Songwriter, Journalisten…) Andreas Malessa niemals wieder vergessen. Er kam extra nach Berlin Wannsee, um uns eine Menge über „Richtiges Schreiben – Richtiges Reden“ beizubringen.

   Während wir unter „seiner Regie“ eine Geschichte schreiben mussten, in der wir – mitunter – einen spannenden „Aufmacher“ sowie einen „Abschlusssatz“ für unser gewähltes Thema entwickeln sollten, der „den Leser berührt“, erfuhren wir eine Menge aus seinem großen Erfahrungsschatz. Dann sollten wir mit ihm auch noch eine Radio-Andacht aufzeichnen. Aber ich wehrte mich dagegen. „Für kein Geld der Welt gehe ich in ein Aufnahmestudio!“, sagte ich vehement, wobei ich mich mit meiner Sprechbehinderung herausredete.

   „Jana, ich kaufe dir ab, dass du Angst hast – und Schamgefühle!“, entgegnete Andreas Malessa einfühlsam. „Aber wenn du dich den Herausforderungen nicht stellst, wirst du irgendwann einen hohen Preis dafür bezahlen: Du lässt deine Talente verkümmern und wirst unglücklich!“ Noch konnte er mich nicht überzeugen; ich traute mich einfach nicht, in ein Mikrofon zu sprechen.

   Unser Gastlehrer akzeptierte meine Entscheidung und gab mir stattdessen eine andere Aufgabe. Ich sollte mir die Geschichte des blinden Bettlers Bartimäus vornehmen und in Worte fassen, wie er sich vor der Begebenheit in Markus 10 wohl gefühlt haben musste und wie sein Leben vielleicht verlief, nachdem er von Jesus Christus geheilt worden war. „Textverfremdung nennt man das…“, erklärte er mir. 

   In fünf langen Seiten ließ ich meiner Fantasie freien Lauf. Es machte mir Freude, mich in die Person hineinzuversetzen und sie lebendig werden zu lassen, indem ich ihr Umfeld beleuchtete, ihr eine Stimme verlieh… Auf einmal bekam Bartimäus ein Gesicht, und ich sah die Welt mit seinen Augen. Mein eigener Horizont erweiterte sich. Und ich bemerkte wieder einmal, dass das Schreiben für mich so manche dunkle Wolke am Himmel vertrieb.

   Während Andreas Malessa hinterher meine Ausarbeitung las, schmunzelte er. „Nicht schlecht…“ Und dann sagte er Folgendes zu mir: „Du solltest das Schreiben ausbauen. Versuche dabei, Worte in Bilder zu malen, damit beim Leser Kino im Kopf entsteht. Und – schaffe dir mit einen Wiedererkennungswert. Ich möchte künftig mehr von dir sehen…“

  Die Einschätzung des bekannten Wortakrobaten bewegte mich dazu, mit seinen Hinweisen meine Gabe auszudehnen… 

Jana Schumacher

Ich bin Baujahr 1970 und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!

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