Merk-würdig

Merk-würdig

Ich war spät dran — an jenem frühen Tag. Geschwind setzte ich mich in meinen elektrischen Rollstuhl, um es noch rechtzeitig zu meinem Termin zu schaffen … Draußen war es ungemütlich. Es war windig — kalt und die dunklen Wolken am Himmel prophezeiten, dass es bald regnen wollte. Und dennoch: Die Menschen, die mir an diesem Morgen entgegenkamen, sahen so freundlich aus. Ihre Stimmung schien heiter zu sein — trotz des Wetters. Viele lächelten mich an; einige grüßten mich sogar. Ich fand das nicht nur bemerkenswert, sondern irgendwann auch merk-würdig. 

Je weiter ich fuhr, desto mehr fror ich. Aber die herzerwärmenden Blicke und Gesten meines Umfeldes ließen mich nicht kalt. Im Gegenteil: Irgendwann schaute ich an mir herunter. Ich fragte mich, was heute so merk-würdig an mir war. Ich hatte keinen Clown gefrühstückt; daran. Zwei verschiedene Socken trug ich nicht. Und meine rosarote Brille hatte ich auch nicht auf. 

Was war also anders an diesem Tag?

Noch bevor ich mein Ziel erreicht hatte, ging mir ein Licht auf. Mir fiel wieder ein, dass mich ein Freund angerufen hatte, kurz bevor ich mich auf den Weg gemacht hatte. Während unseres Gesprächs erzählte er mir eine Begebenheit, mit der er mich lauthals zum Lachen gebracht hatte. Nachhaltig beschäftigte ich mich die ganze Zeit über mit der Pointe. Und deshalb war ich diejenige gewesen, die ihre Mitmenschen ganz unbewusst angestrahlt hatte.

Hinterher dachte ich nur: „Diese Welt gleicht doch einem Spiegel. Wenn ich in ihn sehe und lache, lacht er zurück. Aber wenn ich ein böses Gesicht mache, begegnet mir auch ein böses Gesicht. Ich projiziere mein Inneres irgendwie immer nach außen. Und dabei kommt zum Vorschein, welche Einstellungen mein Leben erhellen oder verdunkeln.“

An diesem Morgen war ich meinen Mitmenschen mit einem breiten Grinsen  entgegengekommen — ganz latent. Aber in Zukunft wollte ich noch mehr darauf achten, dass ich meine Gedanken und Gefühle an das Gute, an dem Guten ausrichtete, damit sich das auch positiv auf meinem Gesicht abfärbte. Denn das deutsche Sprichwort erinnerte mich daran: „Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen.“ Und diese Verbundenheit kostete mich nichts, aber sie ist merk-würdig kostbar.

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!