Mutentbrannt

Mutentbrannt

Es war im zweiten sogenannten „Lockdown“ der Corona-Pandemie. Vielleicht sollte auch ich eher „Flockdown“ sagen, wie er sarkastisch oder scherzhaft bezeichnet wurde. Genauer gesagt: Als ich am Morgen des 16. Februar 2021 auf den Beinen beziehungsweise auf den Rädern war, fuhr ich zu unserem Wohnzimmerfenster und beäugte argwöhnisch die vielen Schneeflocken, die vom Himmel fielen. Und – ich war dabei keineswegs  „mutentbrannt“.

Ehrlich gesagt: Die ersten beiden Monate im neuen Jahr waren mir schon immer suspekt. Es lag mir stets schwer auf dem Herzen, dass die Natur ihre vielschichtige Farbenpracht auf das eintönige Grau reduzierte. Und nun war auch noch das Weiß dazugekommen. Für meinen Geschmack gab es diesmal viel zu viel davon, denn der Schnee begrenzte mich – zusätzlich zu meinem Rollstuhl – in meiner Möglichkeit, mich im Freien bewegen zu können. Außerdem mochten meine Knochen und Muskeln die Kälte nicht. Mehr als sonst trübten sowohl Krämpfe und Schmerzen mein eigentlich recht sonniges Gemüt. Wie bereits erwähnt: Ich war in keiner Weise „mutentbrannt“ … jedenfalls noch nicht! 

Die Schneeflocken tanzten weiter fröhlich vom Himmel auf die Erde. Leise legten sie sich auf den Bäumen und Sträuchern im Vorgarten, auf den parkenden Autos und auf den Straßen nieder, um sich auszuruhen und die Welt in eine Winterlandschaft zu verwandeln. 

Als ich am späten Vormittag noch einmal bedächtig nach draußen sah, fiel mir etwas ganz Anmutiges ins Auge: Auf einem unserer Balkonkästen, der nun von einem kleinen Schneeberg bedeckt war, hatten sich zwei kleine Pflänzchen an das Licht gekämpft und kündigten mit ihrem Grün der Hoffnung neues Leben an. „Wie ‚mutentbrannt‘ die beiden doch sind!“, staunte es tief in mir. „Das sind Hoffnungsträger!“

Bei diesem Anblick kam mir sogleich der Zuspruch Gottes in den Sinn: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ Zum ersten Mal wurde mir daraufhin so richtig bewusst, dass dieses Versprechen so ziemlich genau zentral in der Bibel stand – nämlich in Jesaja 43,18-19. Und so erkannte ich, was Gott mir in jener Situation sagen wollte: „In der Mitte des Winters, inmitten von Krisen, in der Mitte des Lebens und damit auch in deinem Zentrum – im Herzen – kann ich neues schaffen. Ich bin der Schöpfer, der auch am Anfang alles aus dem Nichts hervorgebracht hat. Und ich bleibe der Schöpfer, der am Ende des Zeitalters eine neue Welt aus dem Nichts erschaffen wird. Darum: Sei offen und sieh genau hin, was ich jetzt tun werde!“

Das Eis, welches sich auf mein Herz gelegt hatte, begann zu schmelzen. Meine Seele taute langsam auf. Und so begann ich, hoffnungsvoll nach vorn und auch zurückzuschauen. „Was hatte Gott in meinem Leben nicht schon alles getan, was mich ‚mutentbrannt‘ werden ließ!“, überlegte ich. 

Mir fielen wieder eine Menge Geschichten ein, von denen ich euch im Folgenden erzählen möchte – Geschichten, die nicht die Überschrift tragen: wutentbrannt, sondern mutentbrannt!

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!