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Nüsse knacken

Kennst du das? Manchmal schafft es das Leben, dass wir abends todmüde sind! Mir ging es gestern zumindest so. Und deshalb ging ich gegen 21:00 Uhr zu Bett, um mich auszuruhen, um zu schlafen und neue Kraft zu schöpfen. Aber kaum hatte ich mich hingelegt, da hörte ich im Nebenzimmer ein permanentes leises Geräusch, das mir keine Ruhe gönnte. Knack, knack, knack — machte es in regelmäßigen Abständen. Ich erforschte näher, was das sein könnte. Und bald erkannte ich, dass meine Mitbewohner beim gemütlichen Zusammensitzen am Nüsse knacken waren. 

 

Da ich nicht allein aufstehen konnte, hatte ich jetzt eine harte Nuss zu knacken: Ich musste es hinnehmen, dass ich wohl noch eine ganze Weile wach liegen sollte, obwohl ich so entsetzlich erschöpft war.

 

Es dauerte nicht lange, bis ich gereizt und sauer war. „Können sie keine Rücksicht auf mich nehmen!“, brodelte es in mir. „Sie müssten doch wissen, dass ich das hören kann und dass mich das stört!“ Mein Ärger ließ mich hellwach werden. 

 

Rasch wurde mir klar, dass ich an der Situation gerade nichts ändern konnte. Also überdachte ich meine Einstellung und machte aus meiner Not eine Tugend. Ich drehte mich auf den Rücken, verschränkte die Arme hinter den Kopf und fing an, darüber nachzudenken, was ich an diesem Tag an Gutem erfahren hatte und wofür ich dankbar sein konnte. Aus meiner Aneinanderreihung wurde bald ein Gebet. Und während ich mit Gott im Gespräch war, erinnerte er mich an ein Zitat, das Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben wird: „Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie nicht.“

 

Diese Worte weckten in mir ganz andere Gedanken. Der Schöpfer traut uns nicht nur viel an; er traut uns auch viel zu. Er gibt uns Herausforderungen mit auf unsere Lebensreise, damit wir uns ausprobieren und daran wachsen können; er lässt uns Nüsse knacken. 

 

Übertragen hieß das für mich:

  • Gott gibt mir den Verstand, aber entscheiden darf ich selbst!
  • Gott gibt mir das Herz, aber fühlen darf ich selbst!
  • Gott gibt mir die Füße, aber bewegen darf ich mich selbst!
  • Gott gibt mir die Hände, aber anpacken darf ich selbst!
  • Gott gibt mir die Schöpfung, aber verantwortlich umgehen darf ich damit selbst!
  • Gott gibt mir die Gaben, aber verschenken darf ich sie selbst!
  • Gott gibt mir die Freunde, aber lieben darf ich sie selbst!

Ich wäre eine dumme Nuss gewesen, wenn ich am nächsten Morgen nicht danach gehandelt hätte. Bereits beim Frühstück sprach ich meine Freunde rücksichtsvoll darauf an, dass sie mich am Vorabend — durch das Nüsse knacken — um den Schlaf gebracht hatten. „Könnt ihr das künftig nicht machen, bevor ich im Bett bin?!“, fragte ich sie.

 

Beide zeigten ihren weichen Kern: „Natürlich!“, erwiderte Thomas. „Nicht im Traum haben wir daran gedacht, dass dich das stören könnte. Wie gut, dass du uns daraufhin ansprichst!“

 

Ich finde, dass uns der gute, alte Goethe keinen beknackten Satz hinterlassen hat …

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!