Reichtum

Reichtum 

Reichtum

Wer das Gute im Kleinen entdeckt, lebt oft reicher als gedacht.

„Ich hab genug!“, das sagt er laut,

 

als seine Faust auf den Tisch haut.

 

„Ich geb mich hin — mit viel Elan!

 

Seit Jahren steh ich meinen Mann.

 

Doch keiner würdigt, was ich leiste,

 

und dabei bin ich hier der treuste, 

 

beste, freundlichste Kollege …

 

stets bescheiden und integer.

 

Mein Verdienst ist doch ein Hohn.

 

Der Chef erhöht heut nicht den Lohn —

 

wie stets und ständig halbjährlich.

 

Was er macht, ist jetzt doch spärlich.

 

Hat dieser Mensch wirklich Courage?

 

Das Handeln bringt mich so in Rage!“

 

„Ich hab genug!“, das sagt sie still 

 

mit einem dankbaren Gefühl.

 

Seit Jahren ist sie chronisch krank;

 

das äußert sich an ihrem Gang.

 

Mit Schmerzen kommt sie nur voran.

 

Und dennoch steht sie „ihren Mann“.

 

Sie hat die Kinder großgezogen.

 

Und als die beiden ausgeflogen,

 

da geht ihr Göttergatte fremd.

 

Wie hat sie sich dafür geschämt!

 

Trotz der Not und allem Leiden 

 

ist diese Greisin sehr bescheiden.

 

Sie sucht ihr Glück in kleinen Dingen;

 

so kann Zufriedenheit entspringen!

 

Und die Moral aus dem Gedicht:

 

Genügsamkeit bringt Zuversicht!

Reichtum

Seit Jahren lebte eine alte Dame in einem Heim. Sie konnte sich nicht allein versorgen und war auf die ständige Hilfe anderer Menschen angewiesen. Doch nun wurde ein Platz in dem Seniorenstift frei, dass ganz in der Nähe ihrer Kinder lag. 

Noch bevor die Frau dort einzog, wollte die eigene Tochter ihr Prospekte von dem neuen Domizil zeigen. Doch die Mutter hatte kein Interesse daran und sagte mit Gewissheit in der Stimme: „Kind, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt – so wird es mir auch dort gefallen!“

Die Tochter war verblüfft. „Wie kannst du dir da so sicher sein? Klar, wir sind in der Nähe… Und wir werden dich so oft wie möglich besuchen kommen; das ist ein Pluspunkt. Aber – wieso bist du so überzeugt davon, dass das neue Heim schön ist?“, wollte sie neugierig von ihr wissen.

Die alte Frau ergriff zärtlich die Hand ihrer Tochter. Sie holte tief Luft und erklärte ihr dann: „Weißt du, mein Kind, ob mir mein Zuhause gefällt, hängt doch nicht von der Lage oder der Innenausstattung ab, sondern von meiner Einstellung, von meiner Sichtweise. Schon vor langer Zeit habe ich die Entscheidung getroffen, glücklich zu sein. Und das habe ich niemals bereut!“

Die Tochter horchte auf. „Geht das denn? Kann man immer glücklich und zufrieden sein?“ Sie schaute auf den Rollstuhl ihrer Mutter und runzelte die Stirn.

Die alte Frau erklärte nun: „Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufmache, habe ich die Wahl, positiv oder negativ auf die Umstände zu sehen. Ich kann motzen, meckern, mosern, dass ich dies und jenes nicht mehr allein schaffe. Aber damit würde ich mir das Leben nur selber schwermachen. Oder – ich kann wiederum meine Aufmerksamkeit auf das richten, was mir noch möglich ist, was ich an Gutem erlebe, wofür ich dankbar sein kann.“ 

Nachdem die Dame das gesagt hatte, löste sie die Bremsen ihres Rollstuhls und fuhr zu ihrem Nachtschrank, um aus der obersten Schublade einen großen, dicken Wälzer herauszuholen und ihn ihrer Tochter zu zeigen. „Das ist mein Buch der Dankbarkeit…“, vertraute sie ihr an. „Seit vielen Jahren schreibe ich hier alles hinein, was mich glücklich macht. Die schönsten Erlebnisse habe ich hier festgehalten … alles, was mir Freude gebracht hat. Schau mal…“, forderte sie sie heraus, während sie den Schatz behutsam durchblätterte. „Hier sind so viele wunderbare Kapitel meines Lebens vermerkt: Wie ich deinen Vater kennengelernt habe … der erste Kuss … sein Heiratsantrag… Und hier – diesen Seiten habe ich den Titel ‚Meine geliebten Kinder‘ gegeben. Oh, ihr habt mich so oft zum Schmunzeln gebracht – mit eurer niedlichen Art… Was ich mit Freunden erlebt habe – darüber hätte ich Bände schreiben können… Erfolge auf der Arbeit, stehen … da … auf einem anderen Blatt. Die vielen großen Kleinigkeiten des Alltags, die überhaupt nicht selbstverständlich waren – ich habe ganz viel notiert … für schlechte Zeiten. Diese Zeilen haben mir so oft Kraft gegeben, wenn irgendetwas passierte…“ 

Die Frau schloss das Buch der Dankbarkeit und schlussfolgerte: „Ich durfte immer wieder erfahren, wie glücklich es mich macht, wenn ich das Gute im Blick behalte. Auch in dem anderen Heim werde ich bestimmt so manches entdecken, was ich schwarz auf weiß zu Papier bringen kann. Darum bin ich schon gespannt, wer und was mich dort erwartet…“, sagte sie mit leuchtenden Augen.

Wenige Wochen später war es dann soweit: Der Umzug stand ins Haus, bei dem die Töchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder kräftig anpackten. Und das erste, was „die Sicht-Weise“ in der neuen Heimat in ihrem Buch der Dankbarkeit schriftlich festhielt, war: „Ich bin reicher als jemals zuvor!“

Reichtum

Mein neues „Mehr“ heißt weniger,

 

denn das hält mich lebendiger 

 

und macht mich frei vom Haben-Müssen.

 

Ich kann mein Dasein frei genießen

 

und gebe dankbar darauf acht,

 

was mich jetzt gerade glücklich macht.

 

Mein neues „Mehr“ heißt weniger,

 

denn so werde ich ruhiger.

 

Ich muss nicht mehr in meinem Leben 

 

nach „höher“ — weiter — schneller“ streben

 

und kann froh meine Tiefe weiten …

 

dank Gottes Hab-, Gabseligkeiten!

Reichtum

Reichtum

Ein Hoch auf dich, mein guter Gott;

 

du bist erfahrbar und nicht tot.

 

Ich weiß, du — mein Erlöser — lebst,

 

weil du durch schwere Zeiten trägst.

 

Du hast mir manches schon genommen,

 

was ich zuvor von dir bekommen.

 

Doch es gibt nichts, was uns hier trennt;

 

so dank‘ ich dir für das Präsent.

 

Die Wohltat hatte ich erschlossen

 

und diesen Reichtum sehr genossen.

 

Es war ja ein Geschenk auf Zeit;

 

und darum bin ich jetzt bereit,

 

vor dir den Groll hier abzulegen

 

und es auch wieder freizugeben —

 

in deine liebevollen Hände.

 

Mein Herz erlebt nun eine Wende.

 

Auch wenn ich noch mit Tränen säe

 

und deine Pläne nicht verstehe,

 

will ich mich dir ganz anvertrauen

 

und stets auf deine Güte schauen.

 

Ich möchte dich auf ewig preisen,

 

dir Ehrerbietung jetzt erweisen,

 

weil du das Beste für mich willst,

 

mein Leben auch mit Neuem füllst!

Reichtum

Zufriedenheit wächst dort, wo Dankbarkeit Wurzeln schlägt.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.

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