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Seit beinahe 40 Jahren

Seit beinahe 40 Jahren begleiten mich Schmerzen durch das Leben. Und es sind wirklich treue Weggefährten — ob ich es nun will oder nicht. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit 14 Jahren heftige Krämpfe in meinen Beinen bekam, sodass ich irgendwann nicht mehr laufen konnte und auf einen Rollstuhl angewiesen war. Später kamen noch Schmerzen in meinen Armen, in meinen Schultern, in meinem Rücken … dazu. Und bis heute wechseln sich die einzelnen Beschwerden kontinuierlich ab, sodass es eigentlich keinen Tag mehr gibt, an dem ich schmerzfrei durch mein Leben gehe beziehungsweise fahre. 

Mit jahrelangen Erfahrungen kann ich heute gestehen: An Schmerzen gewöhne ich mich nicht! Sie sind stetige Störfaktoren; sie schränken mich ein; sie rauben mir ein Stück Lebensqualität. Aus diesem Grund habe ich jetzt den Entschluss gefasst, mich ganz allmählich von meinen treuen Wegbegleitern zu trennen und eine Schmerztherapie zu beginnen. 

Während ich derzeit verschiedene Medikamente ausprobieren muss, um irgendwann an das gewünschte Ziel zu kommen, denke ich immer wieder einmal an einen Mann aus der Bibel: an den so genannten Kranken am Teich Betesda. Seit beinahe 40 Jahren hat er — zusammen mit vielen anderen Menschen — an diesem Ort gelegen und auf die Gelegenheit gewartet, dass sich das Wasser bewegen würde. Denn dann soll ein Engel vorbeikommen und den Ersten, der im Teich ist, gesund machen. Ich wüsste so gern den Namen des Mannes. Ich wüsste so gern, wie viele Anläufe er schon gestartet hat, um von seinen Leiden befreit zu werden. Ich wüsste so gern, wovon er geträumt hat, was in seinem Kopf und seinem Herzen vor sich geht oder was er aus seinem Leben gemacht hat, als Jesus Christus ausgerechnet auf ihn zugekommen ist und ihn auf die Beine gestellt hat. Im Himmel werde ich ihn einst kennenlernen. Und dann werde ich ihn garantiert löchern …

Aber bis es soweit ist, möchte ich mir immer wieder einmal die Frage Jesu gefallen lassen, die auch der Mann am Teich Betesda gehört hat: „Willst du gesund werden?“ (Johannes 5,6) Nein, in meinem speziellen Fall heißt das, glaube ich, nicht, dass ich durch Jesu Mitwirken bei der Schmerztherapie noch einmal laufen werde. Aber Heilung bedeutet auch viel mehr als das. Wenn man seit beinahe 40 Jahren an eine Situation gewöhnt und aus der Lage nicht herausgekommen ist, kann man sich schnell gehen lassen, auch ohne gehen zu können. Heilung bedeutet, das Leben in den gegebenen Umständen bestmöglich zu gestalten und trotzdem offen zu sein — für Neues. Heilung bedeutet aufzustehen und die Möglichkeiten zu ergreifen, die einem geboten werden. 

So wie ein Kranker recht gesund sein kann, kann auch ein Gesunder recht krank sein!

Demzufolge möchte ich mich ganz persönlich fragen lassen: Wie gestalte ich mein Leben, wenn … Jesus Christus … mich durch die Ärzte von ein paar Leiden befreien wird? Wofür stehe ich auf; wofür stehe ich ein? Schon heute habe ich unzählige Ideen in meinem Kopf und in meinem Herzen. Die Vorfreude, ohne meine treuen Wegbegleiter irgendwann weitergehen zu dürfen, beflügelt mich regelrecht, Dinge in die Hand zu nehmen, die ich bislang nicht gewagt habe. Ohne Frage möchte ich dann keinen blinden Aktionismus an den Tag legen. Ich wünsche mir, keineswegs taub zu sein — für Gottes leise Stimme, die in mir flüstert, in was ich meine neu gewonnene Energie investieren werde. Ja, ich kann es kaum erwarten, morgens aufzuwachen und mit ein bisschen mehr Leichtigkeit durch die Zeit zu gehen. Zwar werde ich auch dann noch lahm sein, aber keineswegs gelähmt …

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!