Sport ist dort

Sport ist dort

In meiner ehemaligen Praxis für Physiotherapie stand am Eingang ganz groß das Zitat von Leonardo da Vinci: „Alles Leben ist Bewegung, Bewegung ist Leben.“ Irgendwie hatte mich diese Weisheit immer inspiriert, obwohl die Fachmänner und -frauen nach diesem Motto bei mir nicht vorgingen. Gerade weil mich jeden Tag starke Schmerzen quälten, meinten sie es gut und schonten mich. Sie massierten mich jedes Mal und bewegten mich durch, ohne dass ich etwas dabei tun musste. Sport ist dort also nicht zu finden gewesen! 

Dann wechselte ich die Praxis. Von nun an wollten sich nur noch Männer um mich kümmern, die selbst wie Bodybuilder aussahen und demnach vor Kraft richtig strotzten. „Das kann ja heiter werden!“, waren meine ersten Gedanken. Denn intuitiv spürte ich, dass hier ein anderer Wind wehte, der mir Luft verschaffen wollte — für meine Beschwerden.  

Als der Chef höchstpersönlich zum ersten Mal meine müden Knochen ansah, erklärte er mir, dass ich meinen Gesamtzustand selbst verbessern konnte, wenn ich fortan — unter Anleitung — meine Muskeln trainierte. „Sport ist dort angesagt!“, versprach er mir, während er auf die Liege zeigte. „Das wird gerade am Anfang nicht leicht für Sie werden, aber es lohnt sich!“

Und genau so kam es auch. Als wir unseren Übungsplan gemeinsam aufstellten, und ich erstmals meine Bewegungen an den Armen oder Beinen vornahm, stöhnte ich vor Anstrengung. Ich kam ins Schwitzen. Mein Herz raste, weil der Kreislauf in Schwung kommen musste. Und ich war ziemlich schnell mit meiner Kraft am Ende. Muskelkater kamen zu den „normalen“ Schmerzen noch hinzu. Manchmal gab es eine Zerrung oder sogar Blockaden der Rippen. In der Tat: Es war zunächst eine harte Zeit. Und so manches Mal war ich mittendrin drauf und dran aufzugeben 

Doch — je kontinuierlicher ich meine Übungen machte, desto mehr schaffte ich. Allmählich wurde ich stärker; ich wurde fiter; ich wurde ausgeglichener. Denn auch die Glückshormone wirkten sich auf mein Wohlbefinden aus. Heute — nach anderthalb Jahren — kann ich sagen, dass ich beweglicher geworden bin.  Zwar habe ich immer noch Schmerzen. Und dennoch werden sie irgendwie erträglicher.

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„Will ich eigentlich auch in meinem geistlichen Leben beweglich sein?“, frage ich mich zwischendurch immer wieder einmal. „Ja, ich will!“, lautet meine Antwort. Und das bedeutet auch für mich: Sport ist dort erforderlich. Ich darf festgefahrene Strukturen hinter mir lassen, indem ich neues einübe, auch wenn es mir zunächst Angst macht und anstrengend ist …

  • Vielleicht hinterfrage ich einmal, ob das, was ich seit Jahren angenommen habe, nicht längst schon überholt ist!
  • Vielleicht gehe ich erstmalig auf Menschen zu, die anders denken und glauben als ich, weil das meinen Horizont erweitern wird!
  • Vielleicht stelle ich mich einmal neuen Herausforderungen, damit meine engen Grenzen gesprengt werden können!

Zweifelsohne werde ich irgendwann erleben, wie sich — auch in meinem Glauben — Blockaden oder Muskelverhärtungen lösen, wie ich lockerer, kräftiger und durchtrainierter werde. Und auch das Gefühl von Glück kann eine Begleiterscheinung sein. Ich werde bewegt sein, weil Leonardo da Vinci wirklich recht hatte, wenn er sagte: „Alles Leben ist Bewegung, Bewegung ist Leben.“ 

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!