Vergebung

Wenn Vergangenes nicht länger bindet

Chance

Vergebung

Nicht das Vergessen heilt, sondern die Vergebung.

Vergebung

Tragen

Ich liebe dieses Kleidungsstück

 

und trage es tagtäglich.

 

Es abzulegen ist zum Glück 

 

seit jeher auch unmöglich. 

 

Es ist so schön — ein edles Teil;

 

ich dreh‘ mich vor dem Spiegel.

 

Es gibt den ganz besond’ren Style; 

 

ich fühl’ mich wie geschniegelt.

 

Die Farbe passt zu allem gut,

 

was ich im Schrank auch finde:

 

die schwarze Hose und der Hut 

 

mit einer weißen Binde.

 

Doch plötzlich krieg‘ ich einen Schreck,

 

als ich mich so bestaune.

 

Am Kragen ist ein großer Fleck;

 

jetzt hab‘ ich schlechte Laune.

 

Und sehe ich genauer hin,

 

entdeck’ ich noch mehr Flecken.

 

Weil ich gar nicht so sauber bin,

 

kann ich das nicht verstecken.

 

Es tut so weh, doch seh’ ich ein —

 

und das ist wohl das Beste:

 

Ich trage fortan ohne Schein 

 

die nicht so weiße Weste.

Begegnungen 

Begegnungen 

Mein lieber Vater,

so viele Jahre gehe ich dir nun schon nach. Und ich folge dir wirklich gern, weil ich immer wieder erfahre, dass du die Liebe in Person bist. Manches, was du vorlebst, habe ich auch umsetzen können. Doch — es gibt so unendlich viele Situationen, in denen ich versage. Ich werde dir untreu. Oder ich verletze meine Mitmenschen. Das tut mir aufrichtig leid. Und du weißt ja auch, dass ich mich stets dafür entschuldige. Ich arbeite so hart an mir und habe mich trotzdem manchmal nicht im Griff. Das macht mich so traurig. Wann hört das denn auf? Warum hilfst du mir nicht? Wie werde ich endlich gerecht?

Mein liebes Kind,

sei gewiss: Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich dich sehe. Mein Herz macht Freudensprünge! Du bist mir wirklich gut gelungen. Ein Meisterwerk bist du in deiner Einzigartigkeit — ohne Wenn und Aber.

Sei gewiss: Ich bin der Allwissende, dem nichts verborgen bleibt. Doch in einer Hinsicht bin ich vollkommen vergesslich. Die Vergehen, die du ehrlich bereut und vor mir bekannt hast, verschwinden sofort aus meinem Gedächtnis. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, was du meinst, wenn du über Vergehen von gestern sprichst.

Sei gewiss: In meinen Augen bist du längst gerecht. Ich habe mich selbst darum gekümmert. Und deshalb wünsche ich mir so sehr, dass du künftig erhobenen Hauptes in den Spiegel schaust und dich selbst anlachen kannst. Staune über die Würde, die ich dir verleihe.

Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dir nicht mit Güte und Liebe begegnen würde? Tauche ein in das Mehr meiner Barmherzigkeit. Komm und bade täglich in meiner Gnade. So fällt allmählich die Last ab, die du mit dir herumträgst, nicht zu genügen. Du wandelst dich. Und aus deiner Verzweiflung wird Freude, weil du erkennst, dass du selbst die reine Freude bist.

Vergebung

Vergeben - Erheben

Komm‘ schon und steh‘ wieder auf;

 

nimm das Scheitern ruhig in Kauf.

 

Aus Fehlern wird man immer klug;

 

darum ist einer nicht genug!

 

Du wirst viele noch begehen

 

und erst im Nachhinein verstehen,

 

dass du — selbst als treuer Christ —

 

an ihnen reifst und wachsen wirst.

 

Komm‘ schon und steh‘ wieder auf,

 

denn Perspektiven gibt’s zuhauf,

 

wenn du dir endlich selbst verzeihst 

 

und dich an meiner Gnade freust.

 

Ich bin von dir doch nicht ernüchtert 

 

und bleibe stets dein Auf-Richter.

 

Du darfst dich aus dem Staub erheben,

 

gut aufgehoben weiterleben!

Vergebung

(V)Ergeben

Ganz entsetzt steh‘ ich vor dir;

 

schwere Schuld liegt hier auf mir.

 

Ich fühle mich so sehr verloren,

 

hab‘ dir Treue doch geschworen.

 

Doch — was gelten meine Worte,

 

die ich in dem Herzen horte?

 

Gott, jetzt müsstest du mich hassen,

 

auf der Stelle mich verlassen,

 

mich zum Teufel sofort jagen

 

und mir das Gericht antragen,

 

über mich das Urteil sprechen,

 

den Kontakt zu mir abbrechen.

 

Doch du zeigst mir deine Güte,

 

noch bevor ich darum bitte.

 

Ausgestreckt ist deine Hand.

 

Als ich dir die Schuld bekannt,

 

spür‘ ich deine Nähe wieder:

 

Auf der Welt hab‘ ich nichts lieber.

 

Das barmherzige Erleben 

 

will ich fortan weitergeben.

 

Wenn ein Mitmensch mich entsetzt,

 

mich enttäuscht und sehr verletzt, 

 

möchte ich ihm auch verzeihen, 

 

ihn und mich dadurch befreien.

Mein lieber Vater, 

ich bin fassungslos. Du weißt, was passiert ist. Was dieser Mensch mir angetan hat, ist so böse. Es macht mich traurig und zornig. Ich bin maßlos enttäuscht. Wie soll ich denn damit umgehen? Kannst du ihm nicht auch ein Unheil schicken? Hat er nicht auch eine solche Ungerechtigkeit verdient? 

Mein liebes Kind, 

jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, füllen sich meine Augen mit Tränen. Mein Herz blutet. Dein Unglück geht mir durch Mark und Bein. Denn du bist mein Augapfel, mein großer Schatz, mein Liebling. Ich sehe dich so ungern leiden. 

Jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, hoffe ich, dass du ihn durchlebst. Ich setze mich auch zu dir und nehme dich in meine Arme, damit du meinen Trost spürst. Du kannst über deine Traurigkeit, Wut und Enttäuschung mit mir reden. Ich werde deine Tränen zählen; keine einzige geht verloren. Im Fühlen wächst Fülle — neue Fülle, die ich dir sehr gern schenke. 

Jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, wünsche ich mir, dass du trotzdem bereit bist, demjenigen zu verzeihen, der dir so wehgetan hat. Verstehe mich bitte nicht falsch: Die Vergebung entschuldigt nichts. Doch — die bittere Wurzel, die in deinem Herzen zu wachsen beginnt, wird dadurch im Keim erstickt. Und du spürst allmählich wieder, wie es ist, frei zu sein. 

Was wäre ich für ein Vater, wenn ich mich um dich nicht kümmern würde? Vertraue darauf, dass ich diesen Menschen, den ich auch geschaffen habe und sehr liebe, zur Verantwortung ziehen werde. Lege ihn schweren Herzens in meine Hände. In alle Ewigkeit handle ich gerecht — und gütig. So wird jeder von euch auf seine Weise erfahren: Ich richte euch nicht nur auf, sondern auch aus! 

Vergebung

Das Herz ging heute baden

Das Herz ging heute baden

 

im großen, weiten Meer.

 

Es wurde eingeladen,

 

hier wartete der Herr.

 

Und bald kam es ins Schwimmen,

 

sodass es fast schon sank.

 

Doch Gott erhob die Stimme,

 

damit es nicht ertrank.

 

Das Herz ging heute baden 

 

im großen, weiten Meer.

 

Es spürte noch den Schaden 

 

und trug am Leid auch schwer.

 

Und dann kam eine Welle,

 

die sich ganz sanft verhielt.

 

Sie hatte nicht die Delle, 

 

doch Ballast weggespült.

 

Das Herz ging heute baden

 

im großen, weiten Meer 

 

der Liebe und der Gnade;

 

es schwimmt darin umher

 

und lässt sich langsam treiben,

 

weil alles wieder fließt.

 

Es will für immer bleiben,

 

wo Hoffnung sich ergießt.

Vergebung verändert nicht die Vergangenheit, sondern deine Zukunft.

Vergebung

Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.