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Wie Pia sich aufbäumte

Wie Pia sich aufbäumte

Wieder einmal nahte das Weihnachtsfest. Und wieder einmal wurde Pia von ihrem Vater gefragt: „Begleitest du mich, um den Tannenbaum auszusuchen?“

Zwei Jahre lang hatte Pia sich nicht getraut, sich unter das Volk zu mischen. Sie schämte sich. Aber nun war sie 12 Jahre alt und sie ermutigte sich selbst: „Diesmal gehe ich mit Papa mit! Ich schaffe das, denn ich bin ja schon groß!“

Wagemutig antwortete sie ihrem Vater: „Ich komme mit, aber nur wenn ich den Tannenbaum ganz allein aussuchen darf!“

Beide fuhren los. Aber schon im Auto fing Pias Herz wieder heftig an zu klopfen. Würde diese Reise in einem „Piasko“ enden, weil die Angst größer war als sie und sie vielleicht doch noch einen Rückzieher machte?

Am Ziel angekommen setzte schon die Dämmerung ein, was Pia allerdings nicht viel ausmachte. Denn so fiel sie in der Menge nicht ganz so auf, sodass sie Freude daran hatte, alle Bäume akribisch zu begutachten. Als Vater und Tochter … nach Stunden … fast den gesamten Stand abgesucht hatten, fing Pia an zu strahlen: „Den da in der Ecke — den nehmen wir!“, rief sie entschieden aus. 

Der Vater trug das Einzelexemplar ohne Widerwillen zum Verkäufer, der beide ungläubig ansah. „Wirklich? Ich dachte, dass ich auf der Krücke sitzenbleibe! Wollt ihr sie ernsthaft kaufen und sie euch ins Wohnzimmer stellen? Die ist doch nur auf der einen Seite schön. Da hat sie Äste, die gleichmäßig gewachsen sind. Auf der anderen Seite ist sie nur kahl und unansehnlich!“

Pia ging direkt auf den Verkäufer zu — etwas humpelnd, weil sie das linke Bein nachzog. Dann holte sie mit der rechten Hand ihren anderen Arm aus der Jackentasche, den sie seit ihrem Schlaganfall kaum selbst bewegen konnte. Sie zeigte sich dem Verkäufer, sah ihm direkt ins Gesicht und sagte bestimmt: „Genau dieser Baum soll in unserer Stube stehen und mit Lichtern verziert werden. Und in diesem Jahr werden wir den Makel nicht hinten vor der Wand verstecken; er wird für alle Besucher sichtbar sein und auch mit Kugeln und Lametta geschmückt werden, weil er es wert ist!“

Wie Pia sich aufbäumte

Jana Schumacher

Mein Name ist Jana Schumacher. Ich bin eine Autorin aus Rostock und schreibe feste: christliche Gedichte, Geschichten, Andachten, Wortspiele, Sprüche ... und Bücher. Ich liebe das Meer. Und ich liebe das Mehr, das "das Leben" mir schenkt!