Zweifel
Zweifel
Zweifel
Auch Menschen mit einem tiefen Glauben
kennen Fragen, Angst und Unsicherheit.
Du wirst geleitet und begleitet
Mein lieber Vater,
ich bin auf dem Weg, den du mich gebeten hast zu gehen. Alles erscheint mir so ungewiss. Ich zweifle, ob es wirklich deine Stimme gewesen ist, die ich in meinem Herzen vernommen habe und der ich jetzt folge. Und — ich weiß nicht, was auf mich zukommen wird! Deshalb habe ich große Angst, dass ich auf der Strecke bleiben könnte. Bist du da?
Mein liebes Kind,
sei dir gewiss: Ich bin mit dir; ich bin bei dir. Auch wenn du mich nicht sehen kannst und nur den steilen Pfad vor Augen hast, werde ich dich niemals verlassen. Ich gehe neben dir her!
Sei dir gewiss: Wenn du unterwegs ins Wanken kommst, werde ich dich auffangen. Musst du gegen den Sturm ankämpfen, gebe ich dir Rückenwind. Und wenn der Regen auf dich niederprasselt, werde ich dein Schirm sein.
Sei dir gewiss: Ich überfordere dich nicht. Und deshalb bitte ich dich, nur einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Achte anstatt auf die Gefahren lieber auf die kleinen Wunder, die ich dir sende: die Blumen auf den Wiesen, die Vögel in der Luft und die vielen Bäume, unter denen du Schatten und Zuflucht findest. Dort kannst du dich eine Weile ausruhen.
Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dich vor Herausforderungen stellen würde, die du gar nicht erfüllen könntest? Ich habe dich losgeschickt, damit du eigene Schritte gehst und so stärker und mutiger wirst. Der Weg hat das Ziel, dass deine Seele frei und gesünder wird. Mein Kind, du wirst von mir geleitet und begleitet, sodass du nicht nur bei dir, sondern auch bei mir ankommst!
Zweifel
Ein-Halt
Die Gräser kommen nicht zur Ruh’,
der Wind bläst durch sie — immerzu,
sodass sie sich heut zärtlich wiegen
und morgen nahezu verbiegen.
Bei diesem Treiben frag‘ ich mich:
„Warum zerbrechen Gräser nicht?
Sie sind sehr lang, empfindlich dünn —
weshalb weh’n sie nicht sonst wohin?“
Ein Halm erhebt dann seine Stimme.
Ich höre zu, das Herz hält inne:
„Wir sind mit Wurzeln doch versehen —
flach im Boden, leicht zu sehen.
Sie halten uns nun bei der Stange.
Und wanken wir auch oft sehr lange,
so werden sie gestärkt, genährt,
was dann Beweglichkeit gewährt.
Auf dich stürmt auch so viel herein —
der Gegenwind nach Sonnenschein.
Du bist im Handeln, Fühlen, Wissen
vom Grund her hin- und hergerissen.
Trotzdem musst du nicht verzagen;
du kannst ganz tiefe Wurzeln schlagen —
bei dem, der sich stets zu dir stellt
und dich zur Ruhe bringt und hält!“
Zweifel
Aufgebäumt
„Ob der Baum im Innern wettert?”,
frag’ ich in der Winterzeit.
„Denn der Sturm hat ihn entblättert.
Wo ist denn sein Sommerkleid?
In dem Frühling gab er Blüten
und nach Wochen reife Frucht.
Doch dann kam des Windes Wüten,
und das Laub ergriff die Flucht.“
„Nein, ich bin nicht aufgelöst
und schon gar nicht durch den Wind.
Hat der Herbst mich auch entblößt —
etwas Neues schon beginnt.
Jede Wurzel tief im Boden
nährt das Leben in mir drin.
Und die Krone zeigt nach oben;
ich streck’ mich zum Himmel hin.
Bald siehst du es an den Trieben:
Sommer wohnt in meinem Stamm.
Damit kenn’ ich kein Betrüben;
auf die Weitsicht kommt es an!“
Das erwiderte der Baum,
als ich damals mit ihm sprach.
Diese Worte gaben Raum,
gingen mir noch lange nach.
Auch mich umfängt der Winter.
Doch der Wind wird sich bald dreh’n.
Denn der Frühling steckt dahinter;
und ich werd’ den Sommer seh’n.
In mir brodelt auch das Leben;
ich hab’ Wurzeln tief und fest,
will mich nur dem Licht hingeben,
weil das Spuren hinterlässt!
Vielleicht wächst Vertrauen
manchmal mitten im Zweifel.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.
Zweifel