Trotz-kraft
Trotz-Kraft
(Teil 1)
Als Kind konntest du es noch sagen: „Ich will noch ein Eis!“
„Nein“, sagte dein Vater.
„Trotzdem! Ich will es aber haben.“
Du hast gebettelt, gequengelt, geweint — mit dem Fuß auf dem Boden gestampft.
Manchmal warst du ein Trotzkopf!
Du wusstest eben, was du wolltest.
Doch manchmal wusste dein Vater besser, was gut für dich war:
Das zweite Eis hätte dir Bauchschmerzen bereitet.
Und du musstest lernen, ein Nein auszuhalten.
Heute bist du groß.
Du stampfst nicht mehr mit den Füßen.
Du hast gelernt, vernünftig zu sein.
Du hast gelernt, dich leise zurückzuziehen.
Du hast gelernt, ein Nein hinzunehmen,
auch wenn dein himmlischer Vater es gar nicht ausgesprochen hat.
Vielleicht darf das Eis brechen,
und du darfst deine Wünsche, deine Träume, deine Sehnsucht leben.
Der Weg erscheint dir zu schwer,
und Menschen sagen: „Lass es.“
Ja, und du sagst dir: „Das wird nichts.“
Das Aufbrechen bereitet dir Bauchschmerzen.
Vielleicht brauchst du manchmal wieder deinen Trotzkopf —
nicht um mit dem Kopf durch die Wand zu gehen …
nicht gegen deinen himmlischen Vater, sondern mit ihm,
um aufzustehen, um für dich einzustehen, um Schweres durchzustehen
und nicht beim ersten Widerstand stehenzubleiben.
Du darfst bitten, du darfst hoffen, du darfst es wagen
und dich an Gott festhalten, wenn das Leben sagt: „Gib auf!“
Du antwortest dann: „Ich wage es trotzdem —
trotz der Angst, trotz der Umwege, trotz der Widerstände … trotz allem!“
Denn vielleicht führt der Weg zu dem, wonach du dich sehnst,
nicht am Schweren vorbei, sondern mittendurch.
Ist Trotz wirklich etwas Schlechtes? Nein, nicht immer …
Manches ist Trotz-Kraft!
(Teil 2)
Als Kind wolltest du den Ball haben, doch dein Vater gab ihn dir nicht.
Du hast gebettelt, geweint, mit dem Fuß auf dem Boden gestampft — vergeblich.
Das war Trotz-Kraft.
Heute bittest du wieder deinen Vater, deinen Vater im Himmel —
aber nicht um einen Ball.
Du betest um etwas, das dir wirklich wichtig ist.
Du bleibst am Ball — bittest, hoffst, wartest.
Doch nichts geschieht.
Irgendwann hältst du den Ball lieber flach.
Du erwartest nicht mehr so viel. Dann kannst du auch nicht so tief enttäuscht werden.
Aber vielleicht bedeutet Glaube nicht,
keine großen Bitten an deinen Vater zu richten.
Vielleicht darfst du den Ball aus der Hand geben,
ohne deine Hoffnung aufzugeben.
„Papa, jetzt bist du am Ball!“, betest du müde.
Du weißt nicht, ob der Vater im Himmel deine Bitte gehört hat,
ob er deine Bitte erhören wird.
Du weißt nicht, was demnächst geschieht.
Aber du hast ihm den Ball zugespielt.
Auch wenn die Fragen und Zweifel kommen wie eine Flut:
Du willst deinem Vater im Himmel weiterhin vertrauen.
Das ist Trotz-Kraft.
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.