Das Mee(h)r der Liebe

Das Mee(h)r der Liebe

Ich stehe am Steg und blicke auf das Wasser. Es ist so ruhig, dass sich der Himmel darin widerspiegelt. Doch in mir schlagen die Wellen hoch — die Wellen der Angst, der Unsicherheit, der Zweifel. Denn du hast mir den Auftrag gegeben: „Brich zu neuen Ufern auf und gehe mitten durch das Meer.“

Ich frage mich, warum du mir kein Boot zur Verfügung stellst, damit ich beruhigt die Segel setzen kann, unterwegs nicht ins Rudern komme und das Gefühl habe, dass du mit an Bord bist. Auch könntest du mir die Vollmacht geben, auf dem Wasser zu laufen. Dann käme ich viel schneller voran. Und hinterher könnte ich Menschen von dem Wunder erzählen …

Ich folge deinem Ruf und verlasse den festen Boden unter mir. Langsam und vorsichtig setze ich ein Bein vor das andere und spüre, wie ich immer mehr kalte Füße bekomme. „Ob ich mein Leben gleich in den Sand setze? Ob mir das Wasser bald bis zum Hals steht?“

Es ist merkwürdig: Der entscheidende Schritt ist getan und irgendwie kommt vieles in Gang. Die Angst wird kleiner. Der Mut wird größer. Und ich bin guter Hoffnung, dass ich nicht untergehe. Ja, ich komme irgendwie in die Gänge und wachse über mich hinaus, obwohl — oder gerade weil — ich Aufwind, Gegenwind, Rückenwind erlebe …

Nach etlichen Meilen ist Land in Sicht. Und bald betrete ich Neuland — das Fest-Land. Bevor ich die neue Umgebung erkunde, halte ich noch einmal inne. Ich schaue herunter und merke erst jetzt, dass ich vom Wasser nicht nur nass, sondern auch erfrischt worden bin. Es hat mich sogar an der einen oder anderen Stelle getragen. Den Sand unter den Fußsohlen und zwischen den Zehen nehme ich wahr, sodass ich intuitiv noch einmal zurückblicke. Und dann — dann sehe ich ihn: Den Weg, der für mich vorbereitet und den ich gegangen war. Die Spuren zeigen es, dass ich im Meer(h)r deiner Liebe eingetaucht bin.

Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.