Jetzt
Den Augenblick auskosten
Jetzt
Jetzt
Zwischen gestern und morgen wartet dieser eine Augenblick auf dich.
Jetzt
Mee(h)r vom Leben
Wie das Meer – so ist das Leben.
Manchmal sitz‘ ich nur daneben.
Ich kann bloß den Wellen lauschen,
lass‘ mich von der Sicht berauschen.
Ich sehe zu, wie manche andern
vergnüglich an dem Strand lang wandern.
Einer will – mit seinen Füßen –
das frische, kühle Nass genießen.
Doch – wahres Leben fängt erst an,
wenn ich es nicht erwarten kann:
schwimmen lerne, baden gehe,
Wind und Wellen widerstehe.
Das „Festland“ nehme ich dafür
fest entschlossen ins Visier.
Ich spür’ die große Segensflut:
Das Wasser trägt! Und das macht Mut.
Jetzt
Jetzt
Gunst der Stunde
Ich nutz’ die Gunst der Stunde
und komme jetzt zu dir,
weil ich bei dir gesunde —
sprichst du ein Wort zu mir.
So setze ich mich nieder
und höre dir gern zu.
Das Herz erfreut sich wieder;
bei dir kommt es zur Ruh’.
Ich nutz’ die Gunst der Stunde —
von Liebe ganz erfasst.
Denn deine frohe Kunde
befreit von mancher Last.
Im Singen und beim Beten
seh‘ ich das neue Land.
Ich möchte es betreten —
an deiner starken Hand.
Ich nutz‘ die Gunst der Stunde
und gehe jetzt gestärkt
auf meiner großen Runde
ganz froh und frisch ans Werk.
Zu Menschen darf ich schreiten —
auch ohne Redekunst.
Ich will dein Wort verbreiten
von deiner Kraft und Gunst!
Jetzt
Nach einer anstrengenden Arbeitswoche setzte sich ein Mann am Wochenende müde, fast ein wenig lebensmüde auf die Bank in seinem Vorgarten und schlief ein. Sein Leben war so unermüdlich schwer…
Im Traum erschienen ihm drei Frauen. Die erste war sehr hager. Sie trug einen schwarzen Mantel und kam ihm fast vor wie „der Tod auf Latschen“. Ohne den Mann richtig anzuschauen, redete sie unermüdlich auf ihn ein: „Weißt du noch…? Damals – als Kind – hast du unermüdlich darunter gelitten, dass dein Vater mehr in seiner Firma war als zu Hause. Wie gern hättest du mit ihm an deiner Eisenbahn oder später am Motorrad gebastelt, aber er war immer gestresst … erschöpft … geschafft. Er hatte keine Zeit für dich … wollte Geld verdienen, damit er euch alles kaufen konnte, was ihr brauchtet. Wirklich gut meinte er es, bis der Schock kam … mit 56 … der Herzinfarkt. Wie wütend, wie traurig, wie erschrocken warst du, als ihr ihn viel zu früh zu Grabe tragen musstet. Natürlich zeigtest du niemanden deine Gefühle; du musstest ja stark sein – für den Rest der Familie… Dann übernahmst du die Firma. Du wolltest alles anders machen als dein Vater. Du hattest vieles umstrukturiert … erweitert … vergrößert, sodass du echt erfolgreich wurdest. Aber deine Kinder… Und – warst du auch für deine Partnerin da, bevor sie fortging?“
Die zweite Frau trat hervor. Sie war zwar groß, aber irgendwie schien sie auch klein zu sein … wie jemand, der noch gar nicht richtig entwickelt war. Auch sie schaute an dem Mann vorbei und sprach zu ihm: „Wenn du so weitermachst, dann… Du weißt ja nicht, was ich weiß. Aber an deiner Stelle würde ich mir Sorgen machen; ich würde Angst kriegen. Deine Tochter wird… Und deine Partnerin plant auch schon…“
Vehement schob die dritte Frau die zweite beiseite. Als einzige war sie hell gekleidet. Ihr langes blondes Haar wehte im Wind, und dadurch hatte sie etwas Lebendiges an sich. Mit sanfter Stimme ermutigte sie den Mann: „Sieh dich um … wie schön die Welt ist. Der Himmel ist blau. Die Blumen in deinem Vorgarten blühen. Und – du bist gesund…“ Die Frau setzte sich zu dem Mann auf die Bank, umarmte ihn – wie eine gute Freundin und sah ihn direkt an … für einen langen Augenblick. „Ich kann dir helfen, aufgeweckt durch dein Leben zu gehen … bewusst zu fühlen … anders zu denken … Dinge zu ändern. Du müsstest dich allerdings ganz auf mich einlassen…“
„Wer bist du denn?“, wollte der Mann – neugierig und von dem Liebreiz dieser Frau angezogen – wissen.
„Darf ich vorstellen?“, antwortete sie, während sie zunächst auf die anderen beiden verwies. „Das ist meine große Schwester: die Vergangenheit. Sie ist eigentlich schon längst von der Bildfläche verschwunden … lebt gar nicht mehr richtig. Und das ist meine kleine Schwester: die Zukunft. Im Grunde spielt sie überhaupt noch keine Rolle … ist nicht einmal geboren. Nur ich bin im Augenblick real. Ich lebe mit dir, für dich, durch dich. Mein Name ist Gegenwart.“
Der Mann wachte auf und erkannte, welche Hoffnung der Traum in ihm geweckt hatte. Denn während die Vergangenheit ihm bislang und gerade wieder nur vor Augen gehalten hatte, was in der Rückschau an Schmerzhaftem zu sehen war, nahm die Zukunft ausschließlich das Sorgenvolle und Ängstliche in den Blick. Doch die Gegenwart guckte – mit ihm zusammen – auf die Chancen im Heute, Hier und Jetzt. Sie legte es in seine Hand, das Leben zu umarmen … Rückschlüsse zu ziehen und vorausschauend Veränderungen vorzunehmen; sie hatte ihm vor Augen geführt, dass die Gegenwart gegen das Warten war. Und das war traumhaft!
Jetzt
ZEIT-WEISE
Zeit-weise will ich mich verhalten.
und jeden Tag auch so gestalten,
denn er vergeht wie ein Moment,
der nichts vom Wiederkehren kennt.
Der Tod — er kommt auf leisen Sohlen;
ich möchte ihn ins Leben holen
und langsam Freundschaft mit ihm schließen,
die Zeit, die bleibt, noch mehr genießen.
So hab ich mich dafür entschieden,
in Zukunft nichts mehr aufzuschieben.
Was war und kommt, leg ich beiseite.
Mit Achtsamkeit leb ich im Heute
und danke Gott für kleine Dinge,
die hier mein Herz zum Lachen bringen.
Ist es zufrieden, ruhig, beseelt,
so überlege ich, was auch noch zählt …
Ich will mit Menschen Zeit verbringen
und so die Einsamkeit bezwingen —
mit denen weinen, die sich grämen,
an ihren Nöten Anteil nehmen.
Und lacht ein Mensch aus reinem Herzen,
so will ich gerne mit ihm scherzen.
Zeit-weise sein und auch zu handeln,
wird viel in Ewigkeit verwandeln!
Jetzt
Jetzt
Glücksschwimmer
Das Leben hat mich eingeladen,
in der Sonne jetzt zu baden,
wieder in dem Glück zu schwimmen;
derzeit kann das Licht nichts dimmen.
Ich bin hier still, bin ganz entspannt —
am schönen, weiten Ostseestrand …
und tanke auf, fass’ neuen Mut;
die Wärme tut der Seele gut.
Auch die Haut wird neu erfrischt;
zu dem Weiß wird Braun gemischt.
Selbst auf meiner großen Narbe
zeigt sich diese schöne Farbe …
Somit lass’ ich mich durchdringen:
Ich will ins Mee(h)r der Liebe springen;
denn das verwandelt mich ganz krass.
Ich jauchze froh im kühlen Nass!
Jetzt
Fair-Sammeln
Es ist Mittag — die Mitte des Tages.
Ich gönne mir eine Pause und halte inne.
Während ich mich ausstrecke, frage ich mich:
„Was habe ich bis zu diesem Zeitpunkt aufgesammelt?“
Da sind viele Stimmen, viele Eindrücke, viele Worte …
Ich entdecke Ansichten, Erwartungen, Spannungen …
Es gibt auch Enttäuschungen, Hoffnungen, Reize …
Ich sehe Schwierigkeiten, Wunder, Sorgen …
Was ich außen aufsammle, sammelt sich innen rasch an.
Ich überlege, woran ich das merke:
Es herrscht in mir Lärm, aber keine Klarheit.
Ich spüre Schwere, aber kein Gewicht.
Aus Angesammeltem kann ich manches wieder einsammeln.
Ich sortiere, ich erspüre, ich reflektiere,
was jetzt friedvoll, was gehaltvoll, was sinnvoll ist.
Ich wähle keineswegs das Nichtige, sondern das Richtige.
Ich sammle nicht nur ein; ich sammle mich wieder
und finde Ganzheit, Standhaftigkeit, Zufriedenheit.
In der Mittagshitze habe ich meine Mitte gefunden —
durch dich, in dir!
Ich packe meinen Koffer
Das Leben beginnt nicht irgendwann, sondern immer wieder jetzt.
Jetzt
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.