Küstlich
Wenn Worte überraschend mehr erzählen
Küstlich
Küstlich
Manche Gedanken brauchen ungewöhnliche Worte,
damit sie mit einem Satz in unser Herz springen.
Küstlich
Das Wort trägt derzeit ein Gewand —
es ist schon recht verschlissen.
Vom Hoffnungs- oder Liebesband
will es hier nichts mehr wissen.
Es hat sich irgendwie verstrickt;
nun laufen schon die Maschen.
So hat es nun ein Kleidungsstück
mit Löchern in den Taschen.
Dem Wort ist dieses Kleid zu alt;
es will nichts mehr verschleiern
und möchte sich — in der Gestalt —
nun ganz und gar erneuern.
Es kleidet sich ansprechend ein
und schätzt nun das Gewand.
In aller Munde will es sein —
so hübsch und wortgewandt!
Küstlich
Küstlich
Tragen
Ich liebe dieses Kleidungsstück
und trage es tagtäglich.
Es abzulegen ist zum Glück
seit jeher auch unmöglich.
Es ist so schön — ein edles Teil;
ich dreh‘ mich vor dem Spiegel.
Es gibt den ganz besond’ren Style;
ich fühl’ mich wie geschniegelt.
Die Farbe passt zu allem gut,
was ich im Schrank auch finde:
die schwarze Hose und der Hut
mit einer weißen Binde.
Doch plötzlich krieg‘ ich einen Schreck,
als ich mich so bestaune.
Am Kragen ist ein großer Fleck;
jetzt hab‘ ich schlechte Laune.
Und sehe ich genauer hin,
entdeck’ ich noch mehr Flecken.
Weil ich gar nicht so sauber bin,
kann ich das nicht verstecken.
Es tut so weh, doch seh’ ich ein —
und das ist wohl das Beste:
Ich trage fortan ohne Schein
die nicht so weiße Weste.
Küstlich
Küstlich
Der Goldfisch
Der Goldfisch ist total erbost;
sein Herz bricht fast entzwei.
„Ich habe solch ein schweres Los;
denn ich bin ja kein Hai!
Den Sinn dahinter seh‘ ich nicht;
was hat sich Gott gedacht,
als er mich — kleinen, armen Wicht —
vorzeiten so gemacht?
Ein Hai schwimmt in dem Ozean
und wird an Jahren reich.
Doch — ich zieh‘ eine kurze Bahn
in diesem blöden Teich.“
Gott hat den Goldfisch längst im Blick
und hört auch seine Klage.
Er hat sich dann zu ihm gebückt
und stellt ihm ein paar Fragen:
„Kennst du den Hai denn umfangreich?
Was soll denn dieser Neid?
Und warum ziehst du den Vergleich
und schaffst dadurch bloß Leid?
Du selbst bist doch ein Unikat!
Ich liebe dich entschieden!“
Seit das der Fisch vernommen hat,
schwimmt er im Teich … zufrieden!
Küstlich
Küstlich
öder Köder
Stundenlang sitzt er beim Angeln,
doch kein Fisch hat angebissen.
Langsam spürt er einen Mangel;
ist nun hin- und hergerissen.
Hungrig blickt er auf das Wasser,
hat sich viel vom Fang versprochen.
Die Hoffnung wird nun immer blasser;
den Braten hat er schon gerochen.
Ein kleiner Fisch im großen Teich
sieht längst diesen Leckerbissen,
sagt sich dennoch: „Ich bin reich!“
Nichts will er vom Köder wissen.
Er sieht sich um — so ganz entspannt
und weiß genau: „Hier werd’ ich satt!“
Vor Jahren hat er schon erkannt,
dass „Mehr“ oft einen Haken hat.
Küstlich
Das kleine In
Es war einmal ein kleines In, das im großen In-Land wohnte. Eigentlich war es ganz zufrieden mit seinem Leben. In seinem Häuschen machte es wenig Aufhebens um sich. Es kam mit den zwei Buchstaben gut zurecht.
Nur eines störte das kleine In: Es war allein. „Wie schön wäre es, jemanden an meiner Seite zu wissen, mit dem ich mich für immer verbinden könnte!“, dachte es manchmal. Es träumte heimlich von seiner besseren Hälfte.
Nun war das kleine In ziemlich in; es war sehr beliebt im großen In-Land. Viele Bewerber wären gern mit ihm den ewigen Bund eingegangen. Darunter waren zum Beispiel der Takt, der Stand, das Ständig oder der Sekt. Aber das kleine In schwärmte nur für zwei Kandidaten.
Da war zum einen die Formation. Immer wieder stand sie vor der Tür des kleinen In, um ihre Hofwartung zu machen. Stets hatte sie alles bei sich geordnet. Sie wusste, wo ihr Platz war. Und so sagte sie eines Tages zum kleinen In: „Wenn du dich mit mir verbindest, werden wir gemeinsam eine Menge zu sagen haben.“ Das imponierte dem kleinen In sehr.
Zum anderen hatte das kleine In genauso viel Interesse an dem Halt wie umgekehrt. Nur einmal klopfte er höflich an die Tür des kleinen In — mit einem Blumenstrauß, den er überreichte. Er drängelte nicht. Er versprach nichts Großartiges. Er stand einfach da.
„Und was wird aus uns beiden?“, fragte das kleine In.
Der Halt lächelte.
„Das müssen wir wohl gemeinsam herausfinden, wenn du mich wählst.“
Das gefiel dem kleinen In. Nun wägte es ab. „Will ich in meinem Leben viele Aussagen, viele Ansagen, viele Zusagen machen, die ich dann auch erfüllen muss oder möchte ich lieber entdecken, was in mir steckt?“ Es machte sich die Entscheidung nicht leicht, aber letztlich fühlte es sich zum Halt mehr hingezogen. An ihn wollte es sich binden.
Zur Vermählung luden sie natürlich auch einige der anderen Bewerber ein. Der Takt sorgte für die Musik. Die Formation brachte die Gäste in die richtige Ordnung. Der Stand kümmerte sich darum, dass Tische und Bänke sicher standen. Und der Sekt sorgte dafür, dass niemand auf dem Trockenen saß.
Es wurde ein wunderschönes Fest im großen In-Land.
Während sie den Hochzeitswalzer tanzten, mussten beide ständig lächeln. Sie waren glücklich und verstanden auf einmal, warum sich diese Verbindung so richtig anfühlte. Aus In und Halt war der Inhalt geworden.
Deine Wohltaten
Mein lieber Vater,
ich danke dir dafür, dass du für alle meine Geschwister und mich so viel Gutes tust:
Wenn du fängst, fängst du an.
Wenn du sprichst, sprichst du frei.
Wenn du siehst, siehst du weit.
Wenn du führst, führst du hinaus.
Wenn du richtest, richtest du her.
Wenn du bindest, bindest du los.
Wenn du gehst, gehst du mit.
Wenn du machst, machst du heil.
Wenn du stehst, stehst du bei.
Wenn du hältst, hältst du aus.
Wenn du stellst, stellst du her.
Wenn du trägst, trägst du durch.
Wenn du hebst, hebst du auf.
Wenn du bleibst, bleibst du ewig.
Wenn du bringst, bringst du heim.
Wenn du liebst, liebst du bedingungslos.
Dafür möchte ich mich vor dir heute einmal verneigen und sagen, dass ich dich sehr liebe!
Vielleicht steckt in einem Wort manchmal mehr,
als auf den ersten Blick steht.
Küstlich
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.