Watt?
Was bleibt, wenn Fragen Wellen schlagen
Küstlich
Watt?
Fragen können Türen öffnen,
und manchmal schließen sie sich bei vorschnellen Antworten.
Watt?
Wenn Schicksalsschläge oder Rückschläge mich erreichen, wenn Hiobsbotschaften bei mir eintreffen, dann frage ich meistens: „Warum? Warum hast du das zugelassen? Warum hast du das nicht verhindert?
Bist du überhaupt allmächtig? Willst du nicht eingreifen? Oder — kannst du es nicht?
Wo warst du, als das Unheil geschah? Wo bist du, wenn ich traurig und enttäuscht bin?
Hast du nicht versprochen, mich niemals zu verlassen? Hast du mir je eine Antwort auf mein Warum gegeben?“
Nein. Ich verstehe dich nicht!
Wie viele meiner Pläne hast du bereits durchkreuzt?
Aber: Deine Gedanken sind auch nicht meine Gedanken, und deine Wege sind auch nicht meine Wege.
Du siehst tiefer — höher — weiter!
Du wolltest nicht nur meine vordergründigen Nöte beseitigen, sondern das Grundproblem. Denn zwischen dir und mir gibt es einen Graben, den du durch dein Sterben und Auferstehen begraben hast.
Dafür hast du alles hingegeben! Dafür hast du alles aufgegeben! Dafür bist du der heruntergekommene Gott geworden, der vollkommen Mensch geworden ist.
Du warst kein Wunschkind. Du wurdest unehelich geboren. Du wurdest ein Flüchtling. Du lebtest obdachlos auf dieser Erde. Du wurdest von deinem Volk missverstanden, ausgegrenzt, angefeindet. Du wurdest von deinen engsten Freunden verlassen, verraten und verkauft. Du wurdest unschuldig verhaftet, geschlagen, misshandelt. Du wurdest langsam qualvoll getötet und im Sterben noch verhöhnt.
Du hast das alles in Kauf genommen und für meine Schuld bezahlt.
Warum?!
Die Liebe trieb dich zu mir. Du hast eine Brücke zwischen Himmel und Erde gebaut. Du wolltest auf ewig bei mir sein, um mich zu trösten, um mich zu ermutigen, um mich aufzurichten, um dich mit mir zu solidarisieren.
Nun darf ich mich vertrauensvoll an dich wenden. Nun kommst du mir so nahe. Nun kannst du mich verstehen.
Ich bin niemals allein.
Danke, dass du einen anderen Weg gewählt hast, als ich es mir vorgestellt habe: Ich habe mir so oft den Himmel auf Erden gewünscht, doch du schenkst mir ein Zuhause bei dir — auf Erden und im Himmel!
Danke, mein Gott!
Watt?
Watt?
Angenommen
Angenommen — ich wäre hier
und ich sehnte mich nach dir,
weil ich dich wollte und erdachte
und dich wunderbar auch machte …
würdest du mir das denn glauben?
Sähst du mich mit andren Augen?
Angenommen — ich wäre gut
und opferte für dich mein Blut,
weil ich hier alles überschaute
und die Brücke für dich baute …
würdest du dich dann bewegen?
Kämst du mir denn auch entgegen?
Angenommen — ich wär‘ für dich
und ließe dich niemals im Stich,
ganz egal, was du auch tätest,
ob du Schuld und Sorgen hättest …
würdest du die Hand mir geben
und aus meiner Gnade leben?
~ ~
Nun habe ich dich angenommen,
bin zu dir, mein Gott, gekommen,
weil du mich vorbehaltlos liebst
und mir aus heit‘rem Himmel gibst,
was meine Seele nie bekommen;
das hat sie einst nicht „angenommen“!
Watt?
Watt?
Liebe-Voll
Was hat Wert, ist wichtig
und was bleibt hier bestehen?
Was ist null und nichtig
und was wird einst vergehen?
Ich will mich entscheiden,
genauer hinzuschauen?
Was wird einmal bleiben;
worauf kann ich vertrauen?
Es sind nicht die Karriere
und nicht „das liebe Geld“,
die Macht, der Ruhm, die Ehre,
was letzten Endes zählt.
Nur eins ist zu erstreben
und was auf Erden gilt,
wenn wir die Liebe leben,
mit der uns Gott erfüllt.
Sie ist das Allergrößte,
was uns verändern wird —
das Schönste und das Beste,
weil sie das Herz berührt.
Mit Wurzeln und mit Flügeln
gibt sie uns hier Substanz,
sodass wir weitersegeln —
mit Mut und Toleranz!
Wir landen bei dem Nächsten,
der noch nach Liebe lechzt.
Wir richten auf und trösten,
damit er nicht mehr ächzt.
So sind wir halt verbunden —
mit einem starken Band.
Es heilen manche Wunden,
weil uns die Liebe fand!
Watt?
Watt?
Wert-Reich
Wer bin ich ohne jeden Titel,
wenn ich hier keine Rolle spiel’?
Wer bin ich ohne Arbeitskittel
wenn keiner etwas von mir will?
Wer bin ich ohne jede Mittel —
nehm‘ ich von anderen nur viel?
Die Fragen haben mich gequält …
Doch ich erspürte, was hier zählt:
Gott schuf mich als sein Ebenbild.
Und weil es mir in dieser Welt
an seiner Gnade niemals fehlt,
ist er es, der mich trägt und hält.
Mit Liebreiz hat mich er erdacht;
am Kreuz trug er auch meine Schmach.
Drum hält er nicht darüber Wacht,
wie viel ich leiste, schon vollbracht.
Er zieht mein Sein mehr in Betracht;
mein Wert bleibt ewig ausgemacht!
Watt?
Watt?
Er-wartet
Von außen sieht man meine Kraft,
das Lächeln und die Leidenschaft.
Die Menschen halten mich für schlau,
weil ich noch träume, mich viel trau‘.
Sie sehen, wo ich vorgedrungen
und was mir schon ganz gut gelungen!
Tief innen fühl’ ich mich kaum groß;
ich bin oft ängstlich, hoffnungslos.
Die Freiheit zeigt sich dann als Haft;
mir fehlt der Mut, ich bin erschlafft
und hab‘ die Zweifel nur im Blick —
auch jedes kleine Missgeschick.
Wie will ich sein? Wer bin ich nun?
Was soll ich mit dem Wissen tun?
Wohin kann ich tatsächlich gehen;
wer will mich hier umfassend sehen?
Ich bin so froh, dass Gott mich kennt
und sich von mir nie wieder trennt!
Mit meinen ganzen Differenzen
und allen Siegen, Turbulenzen
darf ich immer zu ihm kommen;
er hat mich längst angenommen!
Täglich füllt er Herz und Hände,
führt mich durch die Widerstände.
Auf ewig richtet er mich auf,
begleitet meinen Lebenslauf.
Er ist die Zuflucht, mein Da-Heim.
Ich bin und bleibe ewig sein!
Watt?
Eine Menge
Der bayerische Komiker Karl Valentin soll einmal gesagt haben: „Heute Abend besuch ich mich. Ich hoffe, ich bin daheim!“ Der Satz klingt so verrückt, dass er vieles verrückt. Denn manchmal bin ich tatsächlich nicht bei mir.
Da ist eine Menge, die mich beschäftigt. Da ist eine Menge, die erledigt werden muss. Da ist eine Menge, die mich belastet. Da ist eine Menge, die andere von mir erwarten. Und irgendwann stehe ich vor lauter Menge neben mir.
Zachäus kennt das. Er möchte Jesus sehen. Doch in der Bibel heißt es: „… und konnte es nicht wegen der Menge.“ (Lukas 19,3) Natürlich ist damit zunächst die Menschenmenge gemeint. Zachäus ist klein, die anderen versperren ihm die Sicht. Also steigt er auf einen Baum. Aber vielleicht steht ihm noch eine ganz andere Menge im Weg — eine Menge Geld zum Beispiel … eine Menge Ansehen, das er verspielt hat … eine Menge Schuld. Vielleicht ist es auch eine Menge von dem, was er längst gern losgeworden wäre.
Zachäus möchte Jesus eigentlich nur sehen. Doch dann sieht Jesus ihn. Er bleibt stehen; er schaut zu ihm hinauf; er nennt ihn beim Namen. Und ausgerechnet in das Haus dieses Mannes will Jesus: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ (Lukas 19,5)
Nicht irgendwann will Jesus bei ihm sein. Nicht erst, wenn Zachäus sein Leben sortiert hat, möchte er kommen. Nicht, wenn alles aufgeräumt ist, nimmt er ihn in Liebe an. Nein, heute, hier und jetzt tut er es.
Jesus kommt zu Zachäus, wie er ist. Und vielleicht geschieht deshalb etwas Erstaunliches: Erst nachdem Jesus bei Zachäus eingekehrt ist, beginnt Zachäus sein Leben zu ordnen. Er gibt Schuld zu; gibt zurück, was er unrechtmäßig angehäuft hat; er gibt ab. Zachäus bringt in Ordnung, was in Unordnung geraten ist.
Die Menge wird weniger. Vielleicht ist er an diesem Abend zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich daheim — nicht nur in seinem Haus, sondern bei sich und bei Gott.
Vielleicht wird im Leben nicht jede Frage beantwortet,
und dennoch klärt irgendwann über dir der Himmel auf.
Watt?
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.