Trotz-Gut
Wo Mut ein Trotzdem findet
Trotz-Gut
Trotz-Gut
Manchmal beginnt Mut dort, wo ich mich trotz allem auf den Weg mache.
Trotz-Gut
Angst
Als Kind konntest du es noch sagen: „Ich will noch ein Eis!“
„Nein“, sagte dein Vater.
„Trotzdem! Ich will es aber haben.“
Du hast gebettelt, gequengelt, geweint — mit dem Fuß auf dem Boden gestampft.
Manchmal warst du ein Trotzkopf!
Du wusstest eben, was du wolltest.
Doch manchmal wusste dein Vater besser, was gut für dich war:
Das zweite Eis hätte dir Bauchschmerzen bereitet.
Und du musstest lernen, ein Nein auszuhalten.
Heute bist du groß.
Du stampfst nicht mehr mit den Füßen.
Du hast gelernt, vernünftig zu sein.
Du hast gelernt, dich leise zurückzuziehen.
Du hast gelernt, ein Nein hinzunehmen,
auch wenn dein himmlischer Vater es gar nicht ausgesprochen hat.
Vielleicht darf das Eis brechen,
und du darfst deine Wünsche, deine Träume, deine Sehnsucht leben.
Der Weg erscheint dir zu schwer,
und Menschen sagen: „Lass es.“
Ja, und du sagst dir: „Das wird nichts.“
Das Aufbrechen bereitet dir Bauchschmerzen.
Vielleicht brauchst du manchmal wieder deinen Trotzkopf —
nicht um mit dem Kopf durch die Wand zu gehen …
nicht gegen deinen himmlischen Vater, sondern mit ihm,
um aufzustehen, um für dich einzustehen, um Schweres durchzustehen
und nicht beim ersten Widerstand stehenzubleiben.
Du darfst bitten, du darfst hoffen, du darfst es wagen
und dich an Gott festhalten, wenn das Leben sagt: „Gib auf!“
Du antwortest dann: „Ich wage es trotzdem —
trotz der Angst, trotz der Umwege, trotz der Widerstände … trotz allem!“
Denn vielleicht führt der Weg zu dem, wonach du dich sehnst,
nicht am Schweren vorbei, sondern mittendurch.
Ist Trotz wirklich etwas Schlechtes?
Vielleicht muss es dich nicht immer eiskalt erwischen.
Manches ist Trotz-Gut!
Angst
Angst
Als Kind wolltest du den Ball haben, doch dein Vater gab ihn dir nicht.
Du hast gebettelt, geweint, mit dem Fuß auf dem Boden gestampft — vergeblich.
Das war Trotz-Flut.
Heute bittest du wieder deinen Vater, deinen Vater im Himmel —
aber nicht um einen Ball.
Du betest um etwas, das dir wirklich wichtig ist.
Du bleibst am Ball — bittest, hoffst, wartest.
Doch nichts geschieht.
Irgendwann hältst du den Ball lieber flach.
Du erwartest nicht mehr so viel. Dann kannst du auch nicht so tief enttäuscht werden.
Aber vielleicht bedeutet Glaube nicht,
keine großen Bitten an deinen Vater zu richten.
Vielleicht darfst du den Ball aus der Hand geben,
ohne deine Hoffnung aufzugeben.
„Papa, jetzt bist du am Ball!“, betest du müde.
Du weißt nicht, ob der Vater im Himmel deine Bitte gehört hat,
ob er deine Bitte erhören wird.
Du weißt nicht, was demnächst geschieht.
Aber du hast ihm den Ball zugespielt.
Auch wenn die Fragen und Zweifel kommen wie eine Flut:
Du willst deinem Vater im Himmel weiterhin vertrauen.
Das ist Trotz-Flut.
Angst
Angst
Du bist stärker, als du denkst
Mein lieber Vater,
ich komme heute zu dir und vertraue dir etwas an, wofür ich mich furchtbar schäme: Ich habe große Angst — viele Ängste. Ich traue mich nicht, unter Leute zu gehen. Menschen können so böse sein. Ich traue mich nicht, etwas zu wagen. Mir könnte ja so viel passieren. Ich traue mir nicht zu, meine Gaben einzubringen. Vielleicht genüge ich ja nicht.
Es tut mir leid, dass ich so bin! Kannst du mir die Angst nicht nehmen?
Mein liebes Kind,
glaube bitte nicht, dass du allein bist. Ich sehe dich in deiner Angst. Ich bin bei dir und liebe dich — ganz gleich, wie du bist, was du tust oder unterlässt. Nichts und niemand kann dich jemals von meiner Liebe trennen. Du bist mein Augapfel, mein Schatz, meine Perle!
Glaube bitte nicht, dass Angst unnormal ist. In der Welt, in der du lebst, gehört sie dazu. Sie hat die Aufgabe, dich vor Gefahren zu warnen und gegebenenfalls vor ihnen zu schützen. Du darfst die Angst als eine Freundin betrachten, sie umarmen und sogar ein wenig lieb gewinnen.
Glaube bitte nicht, dass ich dich keineswegs verstehe, weil du dich oftmals fürchtest. Im Gegenteil: Ich kenne dieses starke Gefühl — aus eigenem Erleben … Fange doch ab heute an, bei jedem Schritt, den du gehst, zuerst mit deiner Angst über deinen großen Papa zu reden und danach mit deinem Papa über deine Angst. Das wird dir helfen, deine Gedanken neu auszurichten und nicht in der Angst zu verharren. Du wirst sehen, wie du täglich kleine Siege erringst, beweglicher wirst und der Angst ihren Schrecken nimmst!
Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dir nicht helfen würde, deine Angst zu bezwingen? Ich gebe dir den Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit mit auf deinen Lebensweg. Erinnere dich selbst daran, wenn ich dich bitte, Herausforderungen anzunehmen, dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen und deine Talente zu entfalten. Ich traue dir zu, dass du alles meisterst. Am Anfang wird es dir gewiss nicht leicht fallen. Doch Schritt für Schritt wirst du freier und durchatmend spüren: Du bist stärker, als du denkst!
Angst
Trotz-Gut
Gott gibt me(e)hr
Du schickst mich auf das weite Meer,
wo nur Zweifel an mir nagen,
weil ich spür’, dass ringsumher
meine Füße kaum noch tragen.
Ich bin von Wellen hier umgeben.
Auch der Wind bläst ins Gesicht.
Ich fürchte mächtig um mein Leben,
und es sinkt die Zuversicht.
Doch auf dem weiten, großen Meer
kann ich mich auf dich verlassen.
Da bist auch du, mein treuer Herr.
Ich will deine Hand erfassen,
die mich hält und weiterbringt.
Im Glauben darf ich auf dich sehen,
weil das Wagnis auch gelingt:
Ich kann — mit dir — auf Wellen gehen.
Trotz-Gut
Trotz-Gut
Es war einmal das Reiche Wunder-Land …
König Wundervoll und Königin Wunderbar regierten in dem Reiche Wunder-Land schon viele Jahre. Und sie machten ihre Sache wirklich gut. Denn ihren Untertanen fehlte es an nichts. Obwohl sie dem Königspaar Abgaben leisten mussten, hatten sie selbst genug, um sich wunderschöne Häuser zu bauen und wunderhübsche Kleider zu tragen. Aber trotzdem waren die Menschen in Wunder-Land ein wenig wunderlich. Anstatt sich über das zu freuen, was sie besaßen, verglichen sie einander. Dennoch gaben die Menschen in Wunderland vor, dass sie glücklich waren, ihre Mitmenschen liebten und in keinem anderen Wunderreich leben wollten. Denn an dem Ort, wo sie wohnten, schien alles so perfekt, so vollkommen, so wunderherrlich zu sein.
Eines Tages wurde dem König Wundervoll und der Königin Wunderbar im Reiche Wunder-Land ein Kind geboren. Es war ein echter Wunderknabe namens Wundersam… Doch – im Gegensatz zu allen anderen Mitbewohnern war das Wunderkind nicht so wunderschön wie sie. Es hatte nämlich ganz viele schwarze Wunderpunkte im Gesicht und an seinem ganzen Körper. Draußen huldigten die Untertanen ihrem Königspaar natürlich zu. Aber in ihren Häusern lachten sie über den Wunderknaben. Für sie stand fest, dass ein Kind mit schwarzen Wunderpunkten nicht ins Wunderland passte. Da waren sie sich – ausnahmsweise – einmal alle einig.
Der Wunderknabe wuchs heran zu einem Wundermann. Aber Wundersam fühlte sich klein. Und er litt unter seinem Aussehen. Denn die Wunderpunkte waren im Laufe der Jahre auch größer geworden. Obwohl er das Königskind war, spürte er, dass er von seinem Volk verachtet wurde. Deshalb beschloss er eines Nachts, heimlich, still und leise Wunderland zu verlassen. Er stieg auf sein Pferd und ritt davon … durch dunkle Wälder, tiefe Schluchten, weite Felder – bis zur Grenze des Landes.
Dort sah er schon von weitem eine kleine Hütte, in der noch Licht brannte. Da er und sein Pferd erschöpft von der langen Reise waren, überlegte Wundersam, ob er dort anklopfen sollte, um einkehren zu dürfen. Doch – welcher Wundermensch wollte mit einem Wundermann etwas zu tun haben, der von schwarzen Wunderpunkten gezeichnet war?
Noch bevor er die Hütte erreicht hatte, öffnete sich die knorrige Tür. Ein weiser Wundergreis begrüßte das Königskind freundlich und bat ihn, bei ihm einzukehren. „Sei willkommen, Jüngling! Ich heiße Wunder-Rat!“, stellte er sich Wundersam vor. „Mir ist wohlbekannt, dass du auf der Flucht bist – vor den Blicken der Leute und vor dir selbst!“
Wundersam empfand die Art des Wunder-Rats wunderlich. Denn dieser hatte bereits den Tisch für sie beide gedeckt und servierte nun die feinsten Köstlichkeiten. „Ich habe gewusst, dass du hier vorbeikommen wirst und schon einmal für uns vorgesorgt!“, machte er ihm klar. „Nun stärke dich, Königskind…“
Nachdem die Teller leer und die Mägen der beiden gefüllt waren, sprach Wunder-Rat: „Wundersam, du hast den falschen Weg eingeschlagen! Du bist geboren, um einst Wunderland zu regieren. Doch – du musst lernen, dich selbst zu führen, bevor du ein ganzes Volk führen kannst.“
„Wie meinst du das?“, wunderte sich Wundersam.
„Du leidest darunter, dass die Menschen im Reiche Wunder-Land dich mit deinen Wunderpunkten nicht ernst nehmen – dabei ist dir noch gar nicht in den Sinn gekommen, dass jeder von ihnen solche hat … vielleicht nicht so offensichtlich wie du. Doch jeder lebt mit Kratzern, Rissen, Flecken…“
„Bist du dir sicher?“, fragte Wundersam verwundert nach. „Hast du denn auch welche?“
Wunder-Rat schwieg. Dann zog er ganz langsam die Ärmel seines weißen Gewandes hoch und zeigte seinem Gegenüber die beiden Narben an seinen Handgelenken. „Dafür verbürge ich mich sogar. Ich habe alles dafür getan, damit die Menschen offen, offenherzig mit ihren wunden Punkten, mit den Wunderpunkten umgehen können. Aber weil ich bei ihnen kein Gehör finde, hast du einen riesengroßen Auftrag. Du darfst zu deinen Schönheitsfehlern stehen und deinem künftigen Volk vorleben, dass eine große Schwäche eine große Stärke sein kann!“, erklärte Wunder-Rat dem baldigen König von Wunderland. „Reite zurück auf dein Schloss und bereite dich auf die ehrenwerte Aufgabe vor.“
Wundersam nahm Abschied von Wunder-Rat. Auf dem schnellsten Weg galoppierte er zu seinem Vater Wundervoll und seiner Mutter Wunderbar ins Reiche Wunder-Land zurück. Jetzt wusste er, dass seine Wunderpunkte ein Schatz waren, durch die er noch vielen Menschen etwas zeigen durfte… Seitdem er nämlich bei Wunder-Rat gewesen war, wusste er, was er tun musste. Er veränderte seine Haltung zu seinen Wunderpunkten. Er musste sich dafür nicht mehr schämen; er stand dazu. Und genau dadurch änderten die Menschen in Wunderland ihr Verhalten dem Königssohn gegenüber. Sie bewunderten ihn.
Eines Tages war es dann soweit: Als König Wundervoll und Königin Wunderbar sehr alt geworden waren, übernahm Königssohn Wundersam die Herrschaft im Reiche Wunder-Land. Er lud seine Unteranen in den wunderschönen Palast ein. Jeder, der fortan zugeben konnte, dass er Wunderpunkte mit sich trug, wurde in den Adelsstand erhoben. Die Menschen kamen vorsichtig und mit Ehrfurcht zum neuen König Wundersam und zeigten ihm mit ein wenig Scham ihre Wunderflecken, ihre Wunderrisse, ihre Wundernarben. An einer großen Tafel mit köstlichen Dingen begannen sie sogar, miteinander darüber zu reden. Sie rückten wieder zusammen und wurden wahrhaftig glücklich.
König Wundersam regierte im Reiche Wunder-Land noch viele, viele Jahre. Und – wissen Sie, mit wem er es gemeinsam tat? Der alte, weise Wunder-Rat stand ihm mit Rat und Tat stets zur Seite…
Trotz-Gut
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Das Ja zum Nein
Du siehst nur die Verpflichtung,
was dich auch wirklich ehrt.
Sie hat für dich Gewichtung,
auch wenn sie dich beschwert —
und alle, die du lieb hast;
sie tragen lang schon mit.
Weil du das Ganze bejahst,
geht Leichtigkeit verschütt.
Mehr Leben kommt ins Leben,
sagst du auch einmal: „Nein!“
Du musst dich nicht aufgeben
und darfst auch bei dir sein.
Zu lieben heißt verteilen,
was dich an Grenzen bringt,
um wieder zu verweilen,
wo deine Seele singt.
Denn das verleiht dir Stärke,
schenkt dir fortan die Wahl,
was auch die Liebsten merken:
Das Tun wird nicht zur Qual.
Drum setz’ Prioritäten
und sei auch für dich da.
Dann kannst du viel vertreten
und sagst zum Nächsten: „Ja!“
Neuorientierung
Ich stehe am Steg und blicke auf das Wasser. Es ist so ruhig, dass sich der Himmel darin widerspiegelt. Doch in mir schlagen die Wellen hoch — die Wellen der Angst, der Unsicherheit, der Zweifel. Denn du hast mir den Auftrag gegeben: „Brich zu neuen Ufern auf und gehe mitten durch das Meer.“
Ich frage mich, warum du mir kein Boot zur Verfügung stellst, damit ich beruhigt die Segel setzen kann, unterwegs nicht ins Rudern komme und das Gefühl habe, dass du mit an Bord bist. Auch könntest du mir die Vollmacht geben, auf dem Wasser zu laufen. Dann käme ich viel schneller voran. Und hinterher könnte ich Menschen von dem Wunder erzählen …
Ich folge deinem Ruf und verlasse den festen Boden unter mir. Langsam und vorsichtig setze ich ein Bein vor das andere und spüre, wie ich immer mehr kalte Füße bekomme. „Ob ich mein Leben gleich in den Sand setze? Ob mir das Wasser bald bis zum Hals steht?“
Es ist merkwürdig: Der entscheidende Schritt ist getan und irgendwie kommt vieles in Gang. Die Angst wird kleiner. Der Mut wird größer. Und ich bin guter Hoffnung, dass ich nicht untergehe. Ja, ich komme irgendwie in die Gänge und wachse über mich hinaus, obwohl — oder gerade weil — ich Aufwind, Gegenwind, Rückenwind erlebe …
Nach etlichen Meilen ist Land in Sicht. Und bald betrete ich Neuland — das Fest-Land. Bevor ich die neue Umgebung erkunde, halte ich noch einmal inne. Ich schaue herunter und merke erst jetzt, dass ich vom Wasser nicht nur nass, sondern auch erfrischt worden bin. Es hat mich sogar an der einen oder anderen Stelle getragen. Den Sand unter den Fußsohlen und zwischen den Zehen nehme ich wahr, sodass ich intuitiv noch einmal zurückblicke. Und dann — dann sehe ich ihn: Den Weg, der für mich vorbereitet und den ich gegangen war. Die Spuren zeigen es, dass ich im Meer(h)r deiner Liebe eingetaucht bin.
Vielleicht musst Du nicht erst stärker werden – vielleicht wächst die Stärke mit jedem Schritt.
Trotz-Gut
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.