EBBE
Wenn sich das Meer(h)r zurückzieht
Ebbe
Ebbe
Wenn die Kraft oder die Freude fehlen, beginnt das Warten.
Ebbe
Ebbe
Frühlingsherz im Winter
Ebbe
Ebbe
Gezeitenwende
Eine Flut bricht über dich herein —
von lauten Durchsagen,
von schlechten Nachrichten,
von negativen Ausdrücken.
Es gelingt dir nicht,
mit halbem Ohr hinzuhören,
dein Herz zu verschließen,
die Augen zuzumachen.
In deinem Herzen herrscht Ebbe.
Alles in dir zieht sich zurück.
Deine Seele sitzt auf dem Trockenen —
durch das Rauschen vom Mehr.
Doch — in der Ebbe gelingt es dir,
ganz Ohr zu sein,
dein Herz zu öffnen,
die Augen aufzumachen.
Und bald kehrt eine Flut zurück —
von stillen Aussagen,
von der guten Nachricht,
von positiven Eindrücken.
Dein Herz wird von Liebe durchflutet.
Die Fülle der Kraft kehrt zurück.
In der Stille wird die Seele erfrischt —
durch das Lauschen auf Gottes Mehr.
Ebbe
Die Träne
Die Träne kommt ins Laufen;
jetzt endlich will sie fort
von diesem Scherbenhaufen
am stillgelegten Ort.
Sie hat schon viel zu lange
das Elend angesehen.
Der Pfad auf ihrer Wange
geleitet sie beim Gehen.
Doch sie läuft nicht alleine;
die Trauer hält auch Schritt.
Und ungelebte Träume,
Enttäuschung nimmt sie mit.
So hilft sie einem Herzen;
sie steht ihm richtig bei.
Es weichen alle Schmerzen;
sie spült es wahrhaft frei.
Die Träne kommt ins Laufen
und ist jetzt selbst berührt.
Sie darf alsbald verschnaufen,
wo sie erwartet wird.
Gott nimmt sie in die Hände
und legt sie in den Krug.
Sie trägt ein Kleid — am Ende —
mit Perlenüberzug!
Ebbe
Aufgerichtet - Ausgerichtet
Anja hatte in der letzten Zeit so viele Schicksalsschläge, so viele Rückschläge erlitten, die sie nur noch umhauten. Jetzt lag sie am Boden und verspürte keine Kraft mehr. Sie wünschte sich so sehr, wieder aufgerichtet und ausgerichtet zu werden.
Da kam die Mutter zu ihr. „Kind, warum sitzt du da im Schmutz? Komm hoch – schüttele doch den Staub von den Füßen und gehe einfach weiter!“
„Ich kann nicht…“, flüsterte Anja ihrer Mutter zu, die sich bereits ein Stück von ihr entfernt hatte.
Der Pastor näherte sich Anja. Und als er sie am Boden liegen sah, erinnerte er sie daran: „Dein Gott hat dir nicht den Geist der Niedergeschlagenheit gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Lass dich neu füllen mit seinem Heiligen Geist und dann komm‘ und mache dich frisch ans Werk. In Gottes Reich gibt es viel, sehr viel zu tun!“ Anschließend ging er wieder seiner Arbeit nach.
Dann bekam Anja Besuch von ihrer Freundin. „Du bist hingefallen, ja! Das passiert jedem Menschen von Zeit zu Zeit. Aber — jetzt heißt es: Krone richten, sich erheben und weiter geht’s!“, riet sie ihr kurz, bevor sie Anja von ihren Problemen erzählte.
Ehrlich gesagt: Die vielen gut gemeinten Ratschläge erschlugen die Erschöpfte fast.
Dann … nach einiger Zeit … trat ein Mann in einem schneeweißen Gewand zu Anja. Zuerst bückte er sich. Dann kniete er nieder. Und zu guter Letzt setzte er sich zu ihr – in den Schmutz. Er ergriff Anjas Hände, umarmte sie – und schwieg.
Als Anja hörte, wie sein Herz schlug, wie sein großes Herz auch für sie schlug, fing sie an, ihm von ihren ganzen Tiefschlägen, von den Rückschlägen zu erzählen. Sie vertraute ihm alles an und spürte, wie leicht ihr ums Herz wurde. Seine Nähe und Zuwendung gaben ihr neue Kraft, sodass sie sich wieder aufgerichtet und ausgerichtet fühlte.
Erschöpfung
Ebbe
Wüstes Land
Herr, ich geh‘ durch wüstes Land —
schon glatte 40 Jahre.
Ich laufe zwar an deiner Hand,
wo ich auch oft erfahre,
dass du mir immer „Manna“ gibst
und Wunder sondergleichen.
Ich bin bedingungslos geliebt!
Und doch möchte ich weichen …
Herr, ich geh‘ durch wüstes Land
und spüre kaum noch Kraft,
weil mich der starke Wüstensand
ermattet und erschlafft.
Du machst mir Mut und tröstest mich
in dieser Trockenheit.
Und doch, mein Gott, erbitte ich:
„Beende doch das Leid!“
Herr, ich geh‘ durch wüstes Land
und seh’, was nun geschieht:
Du weist plötzlich am Wegesrand
auf fruchtbares Gebiet.
Die Wüstenzeit ist jetzt vorbei;
ich achte ganz bewusst,
gestärkt, erholt und völlig neu
nach Mangel den Genuss!
Ebbe
der Elefant
Er war noch klein — der Elefant,
ich hätt‘ ihn gern gerettet!
Denn dieser wurde kurzerhand
an einen Baum gekettet …
Er wehrte sich mit seinem Fuß,
doch er begann zu leiden.
Und nach dem zwölften Bluterguss
ließ er es einfach bleiben.
Der Elefant gab somit auf;
es starben seine Träume
von einem freien, guten Lauf;
ihm fehlten Lebensräume.
Er fühlte sich total allein,
sodass er manchmal murrte.
Ihn störte so der Klotz am Bein,
auch wenn er nicht mehr zurrte.
Die Jahre gingen in das Land;
die Not wurde gesehen.
Doch — unser alter Elefant
blieb trotzdem bei sich stehen,
weil ihm zu entgangen schien:
Ein Mensch trat längst herbei;
er beugte sich still bei ihm hin
und machte ihn einst frei!
Ebbe
Es reicht
„Es reicht!“, schreit meine Seele auf,
wenn ich gegen Windmühlen lauf,
weil mir der Sturm entgegensteht
und ich nicht weiß, wie‘s weitergeht.
Es ist genug, ich kann nicht mehr;
das Leben wird mir viel zu schwer.
Wie wird es denn ein wenig leicht?
Was mach‘ ich, wenn mir alles reicht?“
„Es reicht, wenn du dich jetzt umdrehst,
auf mich nur einen Schritt zugehst,
zu mir jetzt einmal kurz aufsiehst
und deine Seele nicht verschließt,
wenn du von hinten dich anschleichst
und mir den kleinen Finger reichst,
den „Senfkorn-Glauben“ dir aufsparst,
das Fünkchen Hoffnung auch bewahrst.
Aus diesem Wenig mach ich mehr!
Drum bitte ich: Komm zu mir her
und lebe ganz aus meiner Kraft,
die aus dem Nichts das Neue schafft
und Unerschöpfliches vollbringt,
weil sie der Quelle ganz entspringt.
So wird dein Leben wieder leicht;
ich sorg‘ dafür, dass alles reicht!
Auch die Ebbe
kennt die Flut.
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.