Innehalten
Wo die Seele zur Ruhe kommt
Innehalten
Innehalten
In der Stille hört das Herz wieder seine eigene Stimme.
Innehalten
Still-Gehalten
Du hast so viel um die Ohren,
dass du auf dich nicht mehr hörst,
fühlst dich müde, fast verloren,
denn der Nächste kommt zuerst.
Doch dann setzt du ein paar Grenzen,
sagst auch öfter einmal: „Nein!“,
willst vor keinem Menschen glänzen,
suchst nur deinen wahren Schein.
Du genießt jetzt schon die Ruhe,
selbst wenn es im Herz noch lärmt,
bringst zu Gott auch dein „Getue“
und was dich von ihm entfernt.
So wird es allmählich stille —
in deiner Seele, um dich her.
Du entdeckst nun Gottes Wille;
sein Gebot ist gar nicht schwer.
Gott will dich vor allem stärken;
aus ihm lebst du heut bewusst.
Das wird auch dein Umfeld merken,
denn es schwinden Zwang und Frust.
Du tust alles mit Vergnügen,
gibst jetzt nur, was du empfängst.
Und du musst dich nicht verbiegen,
weil du dich — in Gott — verschenkst!
Innehalten
die Weinbergschnecke
Die kleine süße Weinbergschnecke
schleicht eines Tages um die Ecke
und fragt mich ausgesprochen leise,
einfühlsam und richtig weise:
„Mensch, bist du in dir zu Hause?
Gönnst du dir öfter eine Pause?
Gehst du achtsam durch dein Leben?
Wer und was kann Kraft dir geben?
Streck’ heute deine Fühler aus
und krieche in dein Schneckenhaus.
Zieh‘ einmal bitte nur Zäsur:
Was bringt dir diese Eile nur?“
Die Schnecke schlich dann wieder fort,
und ich bedachte Wort für Wort.
Jetzt bin ich oft bei mir daheim
und leg‘ ein Schneckentempo ein!
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Hände falten
Ich will die Hände falten
und komme, wie ich bin.
Ich möchte innehalten,
leg’ alles vor Gott hin —
die Ängste und die Nöte
und was mein Herz beschwert.
Ich merke dann beim Beten,
wie Gott mir hilft, mich nährt.
Mein Latein ist jetzt am Ende;
mir kommt alles spanisch vor.
Wenn ich doch Hilfe fände;
vielleicht ein offnes Ohr …
Im Herzen wehen Winde;
sie toben stark und wild.
Wenn einer zu mir stünde,
der alle Stürme stillt …
Die Hoffnung liegt im Sterben;
sie ist zu Tod erschreckt.
Wenn es doch einen gäbe,
der sie jetzt auferweckt …
Die Angst sitzt mir im Nacken;
sie schultert sich so schwer.
Könnt‘ einer sie nur tragen;
versenkte sie im Meer …
Werd’ ich vor Gott ganz still,
so führt er mir vor Augen:
Er ist mein Fels und Ziel —
ich darf ihm gerne glauben.
Er macht die Berge eben
und Finsternis zum Licht.
Ins Tote bringt er Leben;
aus Angst wird Zuversicht!
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Mein Ruhestand
Ich gehe in den Ruhestand —
doch nicht als Pensionär.
Die Not leg ich in deine Hand;
das fällt mir noch recht schwer.
Es gibt kein Vor und kein Zurück;
ich kann nichts mehr erzwingen.
Doch du behältst den Überblick,
wirst Wunder bald vollbringen.
Ich gehe in den Ruhestand —
doch nicht als Pensionär.
Ich warte nun, bin ganz gespannt;
Du gibst mir so viel mehr.
Denn deine Macht ist riesengroß;
du hast die Möglichkeiten.
Das finde ich so grandios;
du selbst willst für mich streiten!
Wie der Tag und die Nacht
Als der Tag und die Nacht im Morgengrauen miteinander sprachen, hatte er an ihr eigentlich nur etwas auszusetzen:
„Ich bin viel besser als du…“, meinte er, „Bei mir strahlt die Sonne. Nur ich kenne die Wärme und die Fröhlichkeit der Menschen… In mir sind sie stark und laut. Sie gehen ihrer Arbeit nach und sind so richtig lebendig. Aber bei dir, du dunkle Nacht, haben sie Angst. Sie schützen sich und frieren… Du bist nichts wert!“
„Hast du eine Ahnung!“, erwiderte die Nacht. „Viele Menschen sind in dir ‚tolle Schauspieler‘. Sie tragen Masken, indem sie lachen, während sie bei mir weinen. Manche reden viel, aber im Grunde ihres Herzen sind sie schon lange sprachlos – durch das, was sie tagsüber erleben. Vielleicht haben sie in dir noch ihre Angst im Griff, doch nachts schreit die Seele auf…“, analysierte die Nacht. „Nein, lieber Tag, vielleicht lieben die Menschen dich mehr als mich – aber dafür bin ich ehrlicher als du!“
Der Tag wurde ein wenig kleinlaut. „Tja, es stimmt schon, was du sagst…“, gab er offen zu. „Du hast etwas, was ich nicht habe…“
„Aha,“, horchte die Nacht auf. „Was denn…?“
„In dir können die Menschen Ruhe finden, zur Ruhe kommen. Im Vertrauen können sie loslassen, sich fallenlassen.
Sie können hoffnungsvoll die Augen schließen, sich stärken, neue Kräfte sammeln – für mich. Nein, Nacht, du hast schon etwas ganz Besonderes an dir!“, erkannte der Tag.
„Ja, aber trotzdem bist du angesehener als ich…“, sagte die Nacht bedrückt.
„Das wird auch immer so bleiben. Denn in mir verbirgt sich ein Schleier der Traurigkeit, der viele Menschenseelen benetzt. Ruhelose Herzen suchen ihre Heimat. Bei mir klopfen sie an, aber nur du, lieber Tag, kannst ihnen Wege, Auswege, Heimwege zeigen. Solange Gott uns beide nicht abschafft, wird es das geben.“
Der Tag schlussfolgerte: „Und dieser Gott hat längst Licht ins Dunkel gebracht, indem er den Retter in diese Welt schickte. Er hat der Finsternis seine Macht genommen, damit es in den Menschenherzen hell werden kann!“
„Stimmt genau!“, strahlte die Nacht.
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Stille weckt das morgenrot
Der Schatten zieht durch deine Nacht;
todmüde hat er dich gemacht.
Der Sturm tobt wild und reißt dich fort;
du findest dich am fremden Ort.
Kaum etwas ist um dich zu hör’n;
doch tief in dir schreit jetzt der Lärm.
Du hältst ihn aus und hörst gut zu,
in seinem Ton liegt schon die Ruh‘.
Die Stille weckt das Morgenrot;
mehr Leben wächst aus jedem Tod.
Nun stehst du auf und gehst ins Licht;
die Schwere hat endlich Gewicht.
Du fühlst dich somit federleicht;
in deiner Armut wirst du reich,
denn in dem, was dich eingeengt,
hab ich die Weite dir geschenkt!
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Mein Herz
Mein Herz, ich will dich schützen,
von nun an immerfort,
für dein Wohl mich einsetzen;
du bist mein Ruheort.
Drum werde ich nicht fordern,
was du nicht geben kannst.
So kommst du nicht ins Stolpern
und findest die Balance.
Mein Herz, ich will dich sehen —
mit dem, was dich erquickt,
nach Jahren nun verstehen,
wie oft ich dich bedrückt.
Drum werde ich zuhören;
du sprichst zu mir ganz still.
Nun wird es mich berühren,
dass aus dir Leben quillt.
Mein Herz, es soll geschehen,
wofür wir zwei erdacht
und in dem Wohlergehen
vom Schöpfer einst gemacht.
Drum lass es uns ergründen,
was uns selbst Freude bringt
und Menschen auch empfinden,
wenn es nach außen dringt!
Ich höre auf (dich)
Ich höre auf, Gott, dich immer wieder verstehen zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass ich mich auf dich verlassen kann, ohne von dir verlassen zu werden.
Ich höre auf, Gott, alles kontrollieren zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass ich mich an dich verlieren kann, ohne selbst verloren zu gehen.
Ich höre auf, Gott, immer stark sein zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass du meine Stärke bist, ohne dass ich meine Stärken verleugnen muss.
Ich höre auf, Gott, ein unbeschwertes Leben von dir erwarten zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass du dich um mich kümmern wirst und dass meine Seele nicht verkümmern muss.
Wenn ich „auf-höre“ und mich darauf einlasse, loszulassen und mich deiner Liebe und Treue zu überlassen, kannst du endlich anfangen, zu handeln und mich zu verwandeln.
Wer still wird, hört oft das Wesentliche.
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