Neuorientierung

Wenn das Leben eine neue Richtung nimmt

Neuorientierung 

Neuorientierung 

Manchmal führt uns das Leben anders als gedacht, und gerade darin kann ein neuer Weg entstehen.

Alles muss sich verändern, damit alles bleibt, wie es ist.


Schon früh lernt ein Kind zu laufen.


Es macht erste Schritte, 


bevor es irgendwann eigene Wege geht


und immer mehr zu sich selbst findet.


Vielleicht kann sich das Verhältnis zwischen den Familienangehörigen entwickeln,


weil sie sich von Zeit zu Zeit ent-wickeln.


Wer sich nur an das Gestern klammert,


hat morgen nichts mehr festzuhalten.


~ ~


Alles muss sich verändern, damit alles bleibt, wie es ist.


Aus einem Du und einem Du wird nur ein Wir,


wenn jeder so sein darf, wie er ist.


Im Laufe der Jahre verändern sich beide … auch durch unterschiedliche Erfahrungen. 


Und wenn sie sich darüber austauschen, ergänzen und bereichern sie sich.


Vielleicht kann sich das Miteinander zwischen zwei Menschen entwickeln,


weil sie sich von Zeit zu Zeit ent-wickeln.


Wer festhält, was gehen will,


wird verlieren, was bleiben könnte.


~ ~


Alles muss sich verändern, damit alles bleibt, wie es ist.


Und ich? Ich darf immer wieder neue Wege gehen.


Ich darf dazulernen, Neues ausprobieren und meinen Horizont erweitern.


Ich komme voran und kann auch einmal einen Schritt zurück gehen.


Neue Seiten von mir darf ich entdecken.


Vielleicht kann ich mich nur deshalb entwickeln,


weil ich mich von Zeit zu Zeit ent-wickle.


Wer immer derselbe bleiben will, 


wird irgendwann nicht mehr er selbst sein.


~ ~


Alles muss sich verändern, damit alles bleibt, wie es ist.


Ich werde immer das Kind meiner Eltern bleiben — und Gottes Kind.


Mein Glaube zu ihm kann sich vertiefen, 


wenn ich meine Vorstellungen von ihm oder mir oder meinem Leben loslasse 


und es trotzdem wage, meinen Halt bei ihm zu suchen.


Vielleicht kann sich die Beziehung zwischen Gott und mir nur deshalb entwickeln,


weil ich mich immer wieder von Zeit zu Zeit ent-wickle.


Wer sich selbst hingibt, verliert nichts, 


sondern empfängt, was ihm sonst verborgen bliebe.


Alles muss sich verändern, damit alles bleibt, wie es ist.

Ehepaar Mut war fast 25 Jahre verheiratet. Jan war Rechtsanwalt, während Ina als Architektin großmütig tätig war.

Mit 45 Jahren wurde Ina krank. Unmut machte sich in ihrem Herzen breit. Denn unmittelbar nach der unheilbaren Diagnose stand fest, dass sie sich eine Wohnung im Erdgeschoss suchen mussten, was das Pärchen wehmütig und kleinmütig machte. Mit viel Unmut im Gepäck zogen sie um.

Ben — der Sohn — half natürlich mit recht viel Gleichmut beim Einrichten des neuen Heims mit. Und während er die Möbel aufstellte oder die Kartons auspackte, redete er Ina ganz bewusst ständig mit „Miss Mut“ an. „Steht der Schrank so gut, ‚Miss Mut‘? „Wo soll ich das Geschirr einräumen, ‚Miss Mut‘? „Hängt das Bild gerade, ‚Miss Mut‘?“

Irgendwann bekam Ina Wut. „Auch wenn ich jetzt nicht mehr alles allein machen kann — ich bin immer noch deine Mutter! Vergiss das bitte nicht!“, fauchte sie ihren Sohn an.

„Und du vergiss bitte nicht, dass du nicht umsonst ‚Frau Mut‘ bist!“, gab Ben zurück. „Dass du Trauer empfindest, weil viele deiner Lebensträume geplatzt sind, kann ich verstehen. Das ist auch normal. Aber traue dich, in eine neue Richtung zu denken und dich anders einzurichten — dennoch!“

Ina horchte auf. Sie hinterfragte sich: „Bin ich wirklich als ‚Miss Mut’ in den letzten Wochen voller Missmut durch das Leben gegangen? Das will ich nicht! Auch wenn ich nicht mehr die Freiheit habe, meine Umstände zu ändern — so bleibt mir doch die Freiheit, meine Einstellung zu den Umständen zu ändern!

Nach der Trauerphase wurde Ina wagemutig. Sie suchte Möglichkeiten, die ihr geschenkt wurden, um noch einmal neu anzufangen und etwas anderes aufzubauen als Häuser. Sie trotzte den vielen Herausforderungen und der inneren Armut, die sie eine Zeit lang empfunden hatte. Und genau das schenkte „Frau Mut“ neuen Lebensmut.

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Eine Weide

Ich sehe eine Weide;

 

im Herbst spricht sie mich an:

 

„Erkennst du, wie ich leide?

 

Ich bin ja so arm dran!

 

Denn gestern kamen Leute;

 

sie nahmen mein Geäst.

 

Ich fühl‘ mich ausgebeutet,

 

durch Schmerzen sehr gestresst!“

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Winter schweigt sie still.

 

Ich hatte durch das Schneiden 

 

ganz großes Mitgefühl.

 

Doch — nun muss sie nichts tun,

 

sie ist noch so geschafft.

 

Jetzt darf sie in sich ruh’n;

 

das gibt ihr neue Kraft.

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Frühling jubelt sie:

 

„Siehst du die jungen Zweige?

 

Sie grünen wie noch nie!

 

Ich wachse von tief innen;

 

auf Wurzeln kommt es an.

 

Ich lebe nur aus ihnen;

 

das hab’ ich nicht geahnt!“

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Sommer zeigt sie schier:

 

Aus ihr entspringt nur Freude;

 

die Hoffnung wohnt in ihr,

 

dass auch nach dem Beschneiden

 

viel Neues aus ihr sprießt

 

und sie zu manchen Zeiten

 

die Augen-Weide ist!

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Raupe "Nimmersatt"

Da ist die Raupe „Nimmersatt“;

 

sie findet alles schwierig,

 

weil sie scheinbar zu wenig hat.

 

Drum ist sie ziemlich gierig.

 

An einem Tag frisst sie so viel;

 

ihr wird ganz flau und übel.

 

Dann ändert sie den Lebensstil;

 

zum Glück bleibt sie flexibel.

 

Die kleine Raupe „Nimmersatt“

 

wird achtsam und auch weise.

 

Sie kriecht auf einem neuen Pfad

 

und dankt für jede Speise.

 

Sie füllt den Magen mit Genuss

 

und will nicht alles kriegen.

 

Sie lebt allmählich ganz bewusst

 

und hat so ihr Vergnügen.

 

Die alte Raupe „Nimmersatt“

 

hat ihren Blick erhoben.

 

Und weil nun die Verwandlung naht,

 

will sie etwas erproben.

 

Mit allen Kräften dreht sie sich;

 

es reißt nun der Kokon.

 

So fliegt sie mit viel Zuversicht

 

als Schmetterling davon!

 

Wir gleichen Raupe „Nimmersatt“

 

und sind wir auch verschieden.

 

Gier und Geiz sind unsere Saat;

 

die Ernte ist Unfrieden.

 

Doch schauen wir genauer hin.

 

Und wenn wir uns begnügen,

 

erwartet uns ein Neubeginn;

 

wir können wieder fliegen!

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Mein lieber Vater,

ich bin auf dem Weg, den du mich gebeten hast zu gehen. Alles erscheint mir so ungewiss. Ich zweifle, ob es wirklich deine Stimme gewesen ist, die ich in meinem Herzen vernommen habe und der ich jetzt folge. Und — ich weiß nicht, was auf mich zukommen wird! Deshalb habe ich große Angst, dass ich auf der Strecke bleiben könnte. Bist du da?  

Mein liebes Kind,

sei dir gewiss: Ich bin mit dir; ich bin bei dir. Auch wenn du mich nicht sehen kannst und nur den steilen Pfad vor Augen hast, werde ich dich niemals verlassen. Ich gehe neben dir her!

Sei dir gewiss: Wenn du unterwegs ins Wanken kommst, werde ich dich auffangen. Musst du gegen den Sturm ankämpfen, gebe ich dir Rückenwind. Und wenn der Regen auf dich niederprasselt, werde ich dein Schirm sein.

Sei dir gewiss: Ich überfordere dich nicht. Und deshalb bitte ich dich, nur einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Achte anstatt auf die Gefahren lieber auf die kleinen Wunder, die ich dir sende: die Blumen auf den Wiesen, die Vögel in der Luft und die vielen Bäume, unter denen du Schatten und Zuflucht findest. Dort kannst du dich eine Weile ausruhen.

Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dich vor Herausforderungen stellen würde, die du gar nicht erfüllen könntest? Ich habe dich losgeschickt, damit du eigene Schritte gehst und so stärker und mutiger wirst. Der Weg hat das Ziel, dass deine Seele frei und gesünder wird. Mein Kind, du wirst von mir geleitet und begleitet, sodass du nicht nur bei dir, sondern auch bei mir ankommst!

Vielleicht weißt du noch nicht, wohin dein Weg führt, aber wer dich auf den richtigen Weg führt.

Neuorientierung 

Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.