Angst
Angst
Auch wenn du Angst hast - du wirst furchtbar geliebt.
Angst
Vogel(un)frei
Angst
Angst-erfühlt
Am Morgen eines kalten Tages wollte ich einen kühlen Kopf bewahren, obwohl ich einen Termin beim Zahnarzt hatte. Da ich früh dran war, setzte ich mich auf eine Bank hinter dem Ärztehaus und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Ich schaute mich um. Die Vögel zwitscherten im Schatten der Bäume fröhlich ihre Hoffnungslieder. Friedlich raunte der Wind seine Melodie dazu. Und vor mir war das Grün der bunten Blumenwiese eine echte Augenweide für mein Herz und für die Seele. Durch diese Idylle schlängelte sich ein schmaler Weg, auf dem ich plötzlich – in weiter Ferne – ein kleines Wesen laufen sah. Nach meiner Beobachtung meinte ich, dass es ein süßes Mädchen war. Es hatte blonde Zöpfe und trug ein rosa Kleid. Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht.
Ich erwartete nichts Böses. Und so schaute ich kurz den Wolken nach, die sich am weiten Himmelszelt vorwärtsbewegten. Dann richtete ich mein Augenmerk wieder auf das Kindchen. Aber als ich auf die Wiese blickte, erschrak ich. Anscheinend hatte ich mich getäuscht. Genau in meine Richtung rannte geradewegs ein Geschöpf auf mich zu, das doch nicht ein süßes Mädchen in einem rosafarbenen Kleid zu sein schien. Es war auch nicht klein. Im Gegenteil: Von Schritt zu Schritt vermochte es, größer zu werden – und unheimlicher. Irgendwie hatte sich das Rosa in ein Grau verwandelt. Die Zöpfe waren verschwunden und ich meinte, eine hässliche dunkle Mähne zu sehen. Ja, auch das Lächeln hatte sich in eine finstere, feindselige Miene verwandelt.
Noch war das Ungetüm vielleicht fünf oder sechs Meter von mir entfernt. Aber ich spürte mit einem Mal, wie sich meine Kehle zuschnürte. Auf meine Brust legte sich Enge. Mein Herz begann zu rasen. Mir wurde mulmig in der Magengegend.
„Was will dieses Monster von mir? Und wer oder was ist das überhaupt?“, fragte ich mich in Windeseile. „Werde ich allmählich verrückt?“
Was ich nicht wollte, traf ein. Sekunden später stand ein Riese vor mir – in einem pechschwarzen Umhang. Er riss die Arme hoch und bewegte sein dickes Hinterteil immer vor mir hin und her. Mit lauten Geräuschen und fletschenden Zähnen bäumte er sich vor mir auf. Da seine lange, dunkle, lockige, fettige Haarpracht in sein Gesicht fiel, hatte ich keine Ahnung, wer hier vor mir tobte, obwohl ich glaubte, ihn irgendwie zu kennen… Ich wusste nur, dass mir heiß und kalt wurde. Denn dieser Riese stellte meinen Platz in der Sonne mysteriös in den Schatten.
Eigentlich wollte es mir die Sprache verschlagen… Doch – dann fragte ich ihn zaghaft, zögerlich und zaudernd: „Was willst du von mir?“
„Ich will in deiner Nähe sein!“, antwortete der Riese mit einer tiefen Stimme. Anschließend riss er seinen Mund so weit auf, als ob er mich auffressen wollte. Mein Puls schien auf 180 zu sein. Am liebsten wäre ich weggelaufen. „Wollen wir Freunde werden?“, ergänzte er.
„Nee, nie im Leben…“, dachte ich nur, während ich schon die Flucht nach vorn antreten wollte. „Wer will schon solch einen Freund haben!“ Noch während ich in meinen Gedanken gefangen war, fesselten mich seine mitleidserregenden Augen. „Ein Typ, der sich so aufbäumen muss, hat vielleicht gar keine Freunde?“, ging mir durch den Kopf.
Irgendwie musste ich das Risiko eingehen … Ich musste es wagen …
Also reichte ich diesem Riesen zuerst den kleinen Finger. Danach öffnete ich zitternd beide Hände, die kalt und schweißnass waren. Und zum Schluss breitete ich meine Arme aus: „K-k-ko-omm’…“, stotterte ich leise.
Tatsächlich überlegte das Ungeheuer nicht lange. Es machte einen Sprung, einen Freudensprung und fiel mir regelrecht um den Hals, ohne mir die Luft zum Atmen rauben zu wollen. „Hallo!“, meinte es auf einmal sanftmütig.
„Hallo…“, entgegnete ich irritiert, wobei ich meinen Gefühlen kaum traute.
„Wer bist du?“, interessierte mich brennend. „Wie heißt du?“
„Erkennst du mich denn nicht?, fragte mein neuer Freund zurück. „Ich bin es: deine Angst…“
Ich wunderte mich über die Maßen. Und als ich das Wesen näher betrachtete, entdeckte ich wieder ein süßes Mädchen, das in mir steckte. Damals hatte es starke Zahnschmerzen. Die Ärztin musste bohren… Und diese bohrende Erfahrung löste immer noch angsterfüllte Empfindungen in mir aus. Aber jetzt konnte ich mich ihnen stellen. Ich konnte mich zu ihnen stellen, sie anschauen, sie umarmen und mich mit ihnen anfreunden. Als erwachsene Frau war es mir möglich, gerade der Angst von damals den Zahn zu ziehen…
Angst
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit steht manchmal die Angst.
Du bist stärker, als du denkst
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Mein lieber Vater,
ich komme heute zu dir und vertraue dir etwas an, wofür ich mich furchtbar schäme: Ich habe große Angst — viele Ängste. Ich traue mich nicht, unter Leute zu gehen. Menschen können so böse sein. Ich traue mich nicht, etwas zu wagen. Mir könnte ja so viel passieren. Ich traue mir nicht zu, meine Gaben einzubringen. Vielleicht genüge ich ja nicht.
Es tut mir leid, dass ich so bin! Kannst du mir die Angst nicht nehmen?
Mein liebes Kind,
glaube bitte nicht, dass du allein bist. Ich sehe dich in deiner Angst. Ich bin bei dir und liebe dich — ganz gleich, wie du bist, was du tust oder unterlässt. Nichts und niemand kann dich jemals von meiner Liebe trennen. Du bist mein Augapfel, mein Schatz, meine Perle!
Glaube bitte nicht, dass Angst unnormal ist. In der Welt, in der du lebst, gehört sie dazu. Sie hat die Aufgabe, dich vor Gefahren zu warnen und gegebenenfalls vor ihnen zu schützen. Du darfst die Angst als eine Freundin betrachten, sie umarmen und sogar ein wenig lieb gewinnen.
Glaube bitte nicht, dass ich dich keineswegs verstehe, weil du dich oftmals fürchtest. Im Gegenteil: Ich kenne dieses starke Gefühl — aus eigenem Erleben … Fange doch ab heute an, bei jedem Schritt, den du gehst, zuerst mit deiner Angst über deinen großen Papa zu reden und danach mit deinem Papa über deine Angst. Das wird dir helfen, deine Gedanken neu auszurichten und nicht in der Angst zu verharren. Du wirst sehen, wie du täglich kleine Siege erringst, beweglicher wirst und der Angst ihren Schrecken nimmst!
Was wäre ich für ein Vater, wenn ich dir nicht helfen würde, deine Angst zu bezwingen? Ich gebe dir den Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit mit auf deinen Lebensweg. Erinnere dich selbst daran, wenn ich dich bitte, Herausforderungen anzunehmen, dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen und deine Talente zu entfalten. Ich traue dir zu, dass du alles meisterst. Am Anfang wird es dir gewiss nicht leicht fallen. Doch Schritt für Schritt wirst du freier und durchatmend spüren: Du bist stärker, als du denkst!
Denn Gott traut uns fürchterlich viel zu.
Angst