Grenzen
Wo ein Nein dem Ja Raum gibt
Gezeitenwechsel
Grenzen
Manchmal beginnt Freiheit dort, wo ich meine Grenzen achte.
Grenzen
Tiefer Glaube
Du kommst in mein Zimmer
und siehst an mir vorbei.
Dann sagst du wie immer,
dass es hoffnungslos sei.
„Was ich denn bloß wollte —
für mich käme kein Licht!“
Ich kann dir nicht folgen …
Und ich glaube dir nicht!
Ein jeder darf irren —
auch du, lieber Freund,
weil mit dem Verlieren
das Siegen sich eint.
Die Hoffnung lebt immer;
das weiß ich genau.
Sie ist hier im Zimmer,
weil ich Gott ganz vertrau.
Denn er ist der Größte,
der in Abgründe steigt.
Hier wird er mich trösten,
weil er sich zu mir beugt.
Und dieses Aufrichten —
das wird mich erheben.
Gott schenkt mir Aussichten,
die Zukunft, das Leben!
Begegnungen
Grenzen
Krafträuber
Manche Leute tun nicht gut:
Sie rauben Kraft und jeden Mut.
Wie sie wollen, soll ich springen,
und dabei wird mir nie gelingen,
die Erwartung zu erfüllen —
ihre Sehnsucht ganz zu stillen.
Stetig plagt mich das Gewissen,
noch mehr für sie tun zu müssen
Denn das reden sie mir ein:
Ich muss für sie verfügbar sein.
Selbstverständlich will ich lieben
und mich auch in Demut üben.
Doch – hab’ ich alles ausprobiert
und die Herzen nicht berührt,
mache ich mich mächtig gerade,
begebe mich auf neue Pfade.
Ich ziehe fortan Konsequenzen‚
setz‘ dem Gegenüber Grenzen
und merke, wie ich Kraft gewinne,
weil ich mich auf mich besinne.
Begegnungen
Grenzen
Zu Recht: Rücken
Wir haben Rücken.
Oft reden wir, ohne uns zu verstehen.
Zu viele schweigen aus Angst oder Enttäuschung.
Missverständnisse wachsen.
Und manches ist schwer geworden.
Deshalb rücken wir ab
von argwöhnischen Blicken,
vom schnellen Urteilen,
von der Angewohnheit,
immer nur das Trennende zu sehen.
Deshalb rücken wir beiseite,
was zwischen uns steht:
Berge der Erwartungen,
Scherbenhaufen des Misstrauens,
Mauern in unseren Köpfen.
Deshalb rücken wir entgegen,
mit offenen Herzen,
mit ausgestreckten Armen,
mit der Bereitschaft zuzuhören,
auch wenn wir nicht alles teilen.
Deshalb rücken wir zusammen,
weil wir uns nur im Miteinander tragen,
Schließlich merken wir,
dass niemand allein weiterkommt.
Einigkeit macht stark.
Deshalb rücken wir gerade,
was schiefgegangen und ver-rückt ist:
Achtung, Respekt oder Liebe.
Wir können rücken —
mit Gottes Hilfe.
Begegnungen
Grenzen
Das Entgegenkommen
Ich laufe an die Brücke;
am Ende — da stehst du.
Und weil ich dich erblicke,
geh ich auch auf dich zu.
Ich möchte dir begegnen,
verstehen, wer du bist.
Die Wege sind geebnet,
damit auch du mich siehst.
Nun kommst du mir entgegen;
ich bin sehr aufgeregt.
Kann ein Gespräch bewegen,
das uns auch weiterträgt?
Wir haben uns gestritten
vor einer langen Zeit.
Gibt es nun eine Mitte;
kommt es zur Einigkeit?
Wir stehn uns gegenüber,
sind offen und konkret.
Dann lachen wir bald wieder;
es ist noch nicht zu spät.
Es gibt kein Falsch, kein Richtig;
das haben wir erkannt.
Drum bleiben wir uns wichtig
und herzlich zugewandt!
Begegnungen
Es war einmal das Land der tausend Ausrufezeichen. Hier gab es zwar das Blau des Himmels, das Mee(h)r der Liebe, das Tor zur Freiheit, aber kein Ausrufezeichen hatte es bisher entdeckt, weil sie in einem Raum zusammenlebten, wo es nur das Recht und die Ordnung jedes einzelnen Ausrufezeichens gab.
Alle Ausrufezeichen standen für sich … nach einem Vor-Satz, nach einem An-Satz, nach einem Nach-Satz. Und sie waren geradlinig, weil sie dem anderen gegenüber betonten, was — scheinbar — geradeheraus gesagt werden musste. „Ich liege mit meiner Meinung richtig! Was du sagst und tust, ist grundlegend falsch! Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben! Du bist ungenügend! Mit dir stimmt etwas nicht! Ändere dich!“
Die tausend Ausrufezeichen verkrümmten sich — in ihrem Streit und Neid, aus Gram und Scham, in ihrer Klarheit und Starrheit. Allmählich standen sie da wie Fragezeichen, die unsicher geworden waren, ob sie sich immer auf dem Ab-Satz umdrehten wollten, wenn ihr Gegenüber anders war als sie selbst. Denn so machten sie sich keine Freunde. Und — nach echten, nach innigen Beziehungen sehnte sich ein jeder im Land der tausend Ausrufezeichen.
Als der springende Punkt das hörte, eilte er den Ausrufezeichen sofort zur Hilfe. „Warum lasst ihr euch so verbiegen?“, rückte er die Ausrufezeichen gerade. „Überall auf der Welt wird geschimpft. Jeder hat an dem anderen etwas auszusetzen. Aber solltet ihr es nicht besser wissen? Schließlich hat das große Wort die Buchstaben über der Welt ausgeschüttet und euch zur Bekräftigung an die Seite gestellt, damit ihr Aussagen der Hoffnung, der Ermutigung, der Liebe formuliert. Warum fangt ihr nicht an, das Gute im anderen zu entdecken? Denn ein jeder von euch wurde mit Schönheit geschaffen. Eure Vielzahl zeugt von Vielfalt. Denkt einmal darüber nach!“ Danach machte der springende Punkt einen Punkt und hüpfte davon.
Im Land der tausend Ausrufezeichen wurde nachgedacht. Die gebeugten Ausrufezeichen mussten auf einmal zueinander aufschauen, und sie taten es mit Einsicht, mit Vorsicht, mit Weitsicht. Auf einmal erkannten sie sich, was sie waren: richtig und wichtig. Sie entdeckten sich auch als Geschöpfe, die erschöpften Worten Kraft geben konnten.
Jedes Mal, wenn sich die tausend Ausrufezeichen in ihrem Land gegenseitig aufrichteten, richteten sie sich unmerklich selbst ein Stück wieder auf. Und irgendwann waren sie — wie früher — gerade, weil sie jetzt öfter vernommen hatten: „Du bist schön!“ oder „Das finde ich toll!!“ oder „Deine Sache machst du wirklich gut!“ Dadurch hatten sie nicht nur Zuversicht gewonnen; ihre Aussicht war auch größer geworden. Sie verließen ihren kleinen Raum und nahmen das Himmelblau wahr — das Mee(h)r der Liebe und das Tor zur Freiheit. Und das war für die tausend Ausrufezeichen noch lange nicht der Schlusspunkt. Denn sie gewannen einander lieb und wurden richtige Freunde, was wie ein Gedankenstrich auf den Zeilen ihrer Geschichte war …
Wo ich bei mir bleiben darf, kann ich dir wirklich Raum geben.
Grenzen
Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.
Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.