Begegnungen

Wir-Gedichte

Begegnungen 

Das große Ja

Es war stets da: Das große Ja, 

 

was auch mir gilt und mich erfüllt.

 

Es lädt mich ein, ich selbst zu sein, 

 

mit meinen Werken und meinen Stärken, 

 

mit allen Fehlern, in dunklen Tälern.

 

Ich bin geschätzt und darf ab jetzt 

 

befreiter leben, mir auch vergeben.

 

Nicht frei von Schuld, doch mit Geduld 

 

nehm’ ich mich an — ganz ohne Scham.

 

Denn ich begreife, dass ich noch reife, 

 

wachsen werde auf der Erde, 

 

um zu sehen und zu verstehen, 

 

dass der Nächste, ja, der Schwächste 

 

auf mancher Flucht sich selber sucht. 

 

Er scheint allein mit sich zu sein —

 

mit allen Pleiten, dunklen Seiten,

 

mit den Schwächen und Gebrechen.

 

Ich nehm’ ihn an und bleibe dran,

 

weil er erlaucht mein Ja auch braucht!

Gedichte von Jana Schumacher sind tiefe Texte zwischen Glaube und Zweifel. Es sind Worte, die berühren, begleiten und im Herzen nachklingen.

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Bei mir ist noch ein Plätzchen frei

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Zwei Herzen

Zwei Herzen begegnen sich im Park. Das eine ist ein Herz aus Gold … Es erscheint strahlend und rosig; es wirkt nach außen rosarot und schlägt im Dreivierteltakt. Seine Schritte tanzen nach der Melodie, die — Ton für Ton — in seiner Seele gerade im Entstehen ist.

„Komm, tanze mit mir!“, fordert das Herz ein anderes Herz auf, das erschöpft auf einer Bank sitzt — blutet und weint. 

„Ich habe einfach keine Kraft mehr!“, machte es dem fremden Herzen klar. „Ach, stelle dich doch nicht so an!“, meinte das Herz aus Gold.

„Es geht einfach nicht!“, erwiderte das schwere Herz, das total dunkelrot wirkte. Die Narben waren deutlich zu erkennen. „Ich bin gebrochen — innerlich zerrissen —, bei dem, was ich schon erleben musste. Ich wurde belogen und betrogen — verraten und verkauft — unbesehen übersehen, obwohl ich so viele Menschen ins Herz geschlossen hatte; obwohl sie mir förmlich ans Herz gewachsen waren … Ich bin zutiefst verletzt, sodass ich nicht mehr in meinem Takt schlage. Ich habe Probleme mit dem Rhythmus. In mir zieht sich alles zusammen … Ich glaube, ich sterbe bald am offenen Herzen!“ 

Das Herz aus Gold hatte dem schweren Herzen kaum zugehört. Dabei hatte es ihm seine Not auf dem Silbertablett präsentiert; es hatte ihm sein Herz ausgeschüttet. Aber — irgendwie lebte, schwebte es in seiner eigenen hellen Farbenwelt, weil es das Dunkle nicht so nah an sich herankommen lassen wollte. „Komm, tanze doch endlich mit mir!“, sagte es wieder zu seinem Gegenüber. 

„Ich kann das nicht!“, wiederholte das schwere Herz traurig. „Warum willst du das denn nicht verstehen?“

Da meldete sich ein drittes Herz zu Wort, das sich bislang im Schatten eines großen Baumes ausgeruht und die Unterhaltung der zwei Herzen — notgedrungen — gehört hatte. „Warum geht ihr denn nicht herzlich miteinander um?“, fragte es beide. „Liebes Herz aus Gold, du glänzt zwar mit deiner Fröhlichkeit, aber wir wissen doch alle, dass in dieser Welt nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch du darfst getrost zugeben, dass das Leben nicht immer so einfach ist, wie du gerade vorgibst … Dich hat doch auch schon so manches Leid bis ins Herz getroffen — ob du es zugeben willst oder nicht!“  Es machte eine kurze Pause und sprach dann weiter: „Und du, liebes schwere Herz, ich weiß, dass es dir schlecht geht. Wenn du mir vertraust, dann komm zu mir und mache deinem Herzen einmal richtig Luft; erzähle mir, was dich so bedrückt — niederdrückt. Anschließend kannst du wieder durchatmen.“

Schweren Herzens erhob sich das schwere Herz von der Bank. Es ging los und erzählte dem großen, weiten Herzen in allen Einzelheiten, was sich in seinem Leben zugetragen hatte. Tja, und währenddessen setzte sich das Herz aus Gold an diesen Platz. Die ehrlichen Worte hatten es so sehr bewegt, dass es die Füße stillhielt und ins Nachdenken kam. Die Augen wurden trübe. Es kullerten sogar manche Träne die Herzklappen herunter, wodurch ein wenig Gold abblätterte und die Wunde zum Vorschein kam.

Nach dem Gespräch war dem schweren Herzen leichter ums Herz. Und das Herz aus Gold glänzte ausgerechnet jetzt durch seine Verletzlichkeit um so mehr. Die zwei Herzen standen auf; sie standen zu sich und bewegten sich aufeinander zu. Denn sie fühlten wieder, wie ähnlich sie sich waren — von Zeit zu Zeit traurig, von Zeit zu Zeit heiter; von Zeit zu Zeit stark, von Zeit zu Zeit schwach. Sie drückten sich; sie herzten sich und teilten fortan alles … von Herz zu Herz!

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Das Entgegenkommen

Ich laufe an die Brücke;

 

am Ende — da stehst du.

 

Und weil ich dich erblicke,

 

geh ich auch auf dich zu.

 

Ich möchte dir begegnen,

 

verstehen, wer du bist.

 

Die Wege sind geebnet,

 

damit auch du mich siehst.

 

Nun kommst du mir entgegen;

 

ich bin sehr aufgeregt.

 

Kann ein Gespräch bewegen,

 

das uns auch weiterträgt?

 

Wir haben uns gestritten

 

vor einer langen Zeit.

 

Gibt es nun eine Mitte;

 

kommt es zur Einigkeit?

 

Wir stehn uns gegenüber,

 

sind offen und konkret.

 

Dann lachen wir bald wieder;

 

es ist noch nicht zu spät.

 

Es gibt kein Falsch, kein Richtig;

 

das haben wir erkannt.

 

Drum bleiben wir uns wichtig

 

und herzlich zugewandt!

Gedichte von Jana Schumacher sind tiefe Texte zwischen Glaube und Zweifel. Es sind Worte, die berühren, begleiten und im Herzen nachklingen.

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Mein Du

Ruhe ich, bist du die Bank.

 

Singe ich, gibst du den Klang.

 

Lache ich, bist du mein Glück.

 

Schaue ich, gibst du den Blick.

 

Gehe ich, bist du die Meile.

 

Schreibe ich, wirst du zur Zeile.

 

Rede ich, bist du mein Wort.

 

Fliehe ich, schenkst du den Ort.

 

Weine ich, wirst du zur Träne.

 

Träume ich, hast du die Pläne. 

 

Scheiter ich, bist du mein Heil.

 

Suche ich, bist du mein Teil.

 

Gebe ich, zeigst du Gewinn.

 

Leide ich, gibst du noch Sinn.

 

Schweige ich, bist du das Reden.

 

Sterbe ich, bist du das Leben.

Gedichte von Jana Schumacher sind tiefe Texte zwischen Glaube und Zweifel. Es sind Worte, die berühren, begleiten und im Herzen nachklingen.

Begegnungen 

Gott, Du bist mein Ewig-Vater, wenn ich mich mutterseelenallein fühle.

Gott, Du bist mein Friede-Fürst, wenn ich mit mir selbst auf Kriegsfuß stehe.

Gott, Du bist mein Gott-Held, wenn ich auf verlorenem Posten fühle.

Gott, Du bist mein Wunder-Rat, wenn ich nicht mehr weiterweiß.

Gott, Du bist mein Morgenstern, wenn ich den rechten Weg nicht sehe.

Gott, Du bist mein A und O, wenn Menschen mir ein X für ein U vormachen.

Gott, Du bist mein Heiland, wenn ich heillos überfordert bin.

Gott, Du bist meine Auferstehung, wenn ich die Hoffnung begraben habe.

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Begegnungen 

Aus Worten der Wertschätzung wächst zwischen Ich und Du manchmal ein Wir.

Begegnungen 

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.