Loslassen

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Ich packe meinen Koffer

Mein lieber Vater,

ich bin fassungslos. Du weißt, was passiert ist. Was dieser Mensch mir angetan hat, ist so böse. Es macht mich traurig und zornig. Ich bin maßlos enttäuscht. Wie soll ich denn damit umgehen? Kannst du ihm nicht auch ein Unheil schicken? Hat er nicht auch eine solche Ungerechtigkeit verdient?

Mein liebes Kind,

jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, füllen sich meine Augen mit Tränen. Mein Herz blutet. Dein Unglück geht mir durch Mark und Bein. Denn du bist mein Augapfel, mein großer Schatz, mein Liebling. Ich sehe dich so ungern leiden.

Jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, hoffe ich, dass du ihn durchlebst. Ich setze mich auch zu dir und nehme dich in meine Arme, damit du meinen Trost spürst. Du kannst über deine Traurigkeit, Wut und Enttäuschung mit mir reden. Ich werde deine Tränen zählen; keine einzige geht verloren. Im Fühlen wächst Fülle — neue Fülle, die ich dir sehr gern schenke.

Jedes Mal, wenn dir Schmerz zugefügt wird, wünsche ich mir, dass du trotzdem bereit bist, demjenigen zu verzeihen, der dir so wehgetan hat. Verstehe mich bitte nicht falsch: Die Vergebung entschuldigt nichts. Doch — die bittere Wurzel, die in deinem Herzen zu wachsen beginnt, wird dadurch im Keim erstickt. Und du spürst allmählich wieder, wie es ist, frei zu sein.

Was wäre ich für ein Vater, wenn ich mich um dich nicht kümmern würde? Vertraue darauf, dass ich diesen Menschen, den ich auch geschaffen habe und sehr liebe, zur Verantwortung ziehen werde. Lege ihn schweren Herzens in meine Hände. In alle Ewigkeit handle ich gerecht — und gütig. So wird jeder von euch auf seine Weise erfahren: Ich richte nicht nur auf, sondern auch aus!

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Krafträuber

Manche Leute tun nicht gut:

 

Sie rauben Kraft und jeden Mut.

 

Wie sie wollen, soll ich springen,

 

und dabei wird mir nie gelingen,

 

die Erwartung zu erfüllen —

 

ihre Sehnsucht ganz zu stillen.

 

Stetig plagt mich das Gewissen,

 

noch mehr für sie tun zu müssen

 

Denn das reden sie mir ein:

 

Ich muss für sie verfügbar sein. 

 

Selbstverständlich will ich lieben 

 

und mich auch in Demut üben.

 

Doch – hab’ ich alles ausprobiert 

 

und die Herzen nicht berührt,

 

mache ich mich mächtig gerade, 

 

begebe mich auf neue Pfade.

 

Ich ziehe fortan Konsequenzen‚

 

setz‘ dem Gegenüber Grenzen

 

und merke, wie ich Kraft gewinne, 

 

weil ich mich auf mich besinne.

Gedichte von Jana Schumacher sind tiefe Texte zwischen Glaube und Zweifel. Es sind Worte, die berühren, begleiten und im Herzen nachklingen.

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Du bist für mich gestorben

„Du bist für mich gestorben!“,

 

das tat ich kund, als ich noch jünger war.

 

Ich sagte es laut, 

 

damit es dich trifft, 

 

damit ich dich aus dem Herzen verliere.

 

Schließlich hast du nicht so gehandelt,

 

wie ich es wollte.

 

„Du bist für mich gestorben!“,

 

das war mein Urteil.

 

Ich verstand nicht,

 

warum du dich in Schweigen hülltest, 

 

warum du mich warten ließest 

 

und warum du meine Wege und Pläne 

 

immer und immer wieder durchkreuzten musstest. 

 

Ich sah nur, was ich sah.

 

Ich tat, was ich für richtig hielt.

 

Ich suchte meine Freiheit.

 

                    ~ ~

 

„Du bist für mich gestorben!“,

 

das tue ich kund, seitdem ich ein Jünger bin.

 

Ich sage es laut, 

 

weil deine Liebe mich getroffen hat, 

 

weil du dein Herz an mich verloren hast. 

 

Schließlich hast du so gehandelt,

 

wie ich es niemals wollte.

 

„Du bist für mich gestorben!“, 

 

das ist mein Freispruch.

 

Heute bin ich dankbar dafür, 

 

dass du nicht geschwiegen hast, 

 

dass du jeden Tag auf mich wartest, 

 

dass du Wege gegangen bist,

 

die meine Pläne durchkreuzen.

 

Du siehst, was ich nicht sehe.

 

Du tust, was richtig ist.

 

Du willst, dass ich wirklich frei bin — 

 

und lebe!

Gedichte von Jana Schumacher sind tiefe Texte zwischen Glaube und Zweifel. Es sind Worte, die berühren, begleiten und im Herzen nachklingen.

Vielleicht beginnt Freiheit dort, wo wir nicht länger festhalten müssen.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.

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