Ohrlaub

Wem ich mein Ohr leihe

Ohrlaub

Ohrlaub

Nicht alles, was mein Ohr erreicht, muss auch mein Herz erreichen.

Ohrlaub

Er-hört

Ich lag dir so oft in den Ohren

 

und ging vor dir auch auf die Knie.

 

„Ich fühle mich total verloren!

 

Hilf mir doch!“, hab‘ ich geschrien.

 

Doch du hast lange nicht gehandelt

 

und scheinbar auch nur zugeschaut.

 

Du hast für mich hier nichts verwandelt,

 

und ich hab‘ dir kaum noch vertraut.

 

Du hast mich unmerklich begleitet

 

und leidest immer mit mir mit.

 

Still hast du mich vorbereitet —

 

auf das, was nun spürbar geschieht.

 

So kann ich deine Gunst genießen;

 

du hast mein Beten längst erhört.

 

Mit Lob und Dank will ich begrüßen,

 

was ich erfleht und so begehrt!

Ohrlaub

Still-Gehalten

Du hast so viel um die Ohren,

 

dass du auf dich nicht mehr hörst,

 

fühlst dich müde, fast verloren,

 

denn der Nächste kommt zuerst.

 

Doch dann setzt du ein paar Grenzen,

 

sagst auch öfter einmal: „Nein!“,

 

willst vor keinem Menschen glänzen,

 

suchst nur deinen wahren Schein.

 

Du genießt jetzt schon die Ruhe,

 

selbst wenn es im Herz noch lärmt,

 

bringst zu Gott auch dein „Getue“ 

 

und was dich von ihm entfernt.

 

So wird es allmählich stille —

 

in deiner Seele, um dich her.

 

Du entdeckst nun Gottes Wille;

 

sein Gebot ist gar nicht schwer.

 

Gott will dich vor allem stärken;

 

aus ihm lebst du heut bewusst.

 

Das wird auch dein Umfeld merken,

 

denn es schwinden Zwang und Frust.

 

Du tust alles mit Vergnügen,

 

gibst jetzt nur, was du empfängst.

 

Und du musst dich nicht verbiegen,

 

weil du dich — in Gott — verschenkst!

Ein Königssohn und zwei Vögel

Ein Königssohn hatte sogar zwei Vögel. Ein kleiner Papagei saß auf seiner rechten Schulter. Dieser war ihm wohlgesonnen. Er machte ihm ständig Mut, indem er ihm ins Ohr flüsterte: „Das schaffst du schon. Du bist der Sohn des großen Königs!“

Der andere kleine Papagei hatte es sich auf der linken Schulter des Königssohns gemütlich gemacht. Jener entmutigte ihn immer wieder, weil er ihm ganz leise zu verstehen gab: „Das kriegst du nie hin. Du bist ja nicht der König!“

Egal, wo sich der heranwachsende Königssohn aufhielt: Die beiden Vögel wichen nicht von seiner Seite. In der Privatschule, wo er im Unterricht so manche königliche Herausforderung zu bestehen hatte, hörte er auf der einen Seite: „Das schaffst du schon. Du bist der Sohn des großen Königs!“ Und auf der anderen Seite vernahm er: „Das kriegst du nie hin. Du bist ja nicht der König!“

Als der Prinz das Reiten lernte, saß er fest im Sattel, wenn er sich die Sätze des „Mutmach-Tieres“ zu Herzen nahm. Er vergaloppierte sich allerdings, wenn ihm die Äußerungen des „Wutmach-Tieres“ an die Nieren gingen.

Dem Prinzen brachten die Minister natürlich auch bei, wie er in künftiger Zeit das Zepter zu schwingen hatte. Dabei wurde er jedesmal auf den Thron erhoben, wenn der rechte Papagei ausrief: „Das schaffst du schon. Du bist der Sohn des großen Königs!“ Doch ihm fiel immer wieder ein Zacken aus der Krone, wenn der linke Papagei behauptete: „Das kriegst du nie hin. Du bist ja nicht der König!“

Was sollte der junge Prinz nun tun? Welchem Vogel sollte er in seinem Leben mehr Gehör schenken? Er suchte Rat bei seinem Vater, der schon etliche Jahre in Amt und Würden stand. Nachdem er ihm anvertraut hatte, wie sehr ihn die Tiere verwirrten und durcheinanderbrachten, sprach der große König: „Ich verrate dir jetzt etwas, mein lieber Sohn… Im Laufe deines Lebens wirst du auf viele ‚komische Vögel“ treffen. Der eine wird dich herunterziehen, aufziehen; der andere brennt für dich und feuert dich an. Versuche es erst gar nicht, es allen recht machen zu wollen. Das kannst du nämlich nicht! Es ist wichtig, dass du weißt: ‚Du bist gekrönt! Du kannst einiges, aber nicht alles!’ Und – was du mit deinen Papageien machen sollst …?

Jedes Königskind trägt sie mit sich herum. Wenn du auf die Stimme deines Herzens hörst – wirst du die richtige Entscheidung treffen!“ 

Lange dachte der Prinz über die Worte seines Vaters nach. Und irgendwann war es schließlich soweit: Er tat, was er schon längst hätte machen sollen … Er entzog dem linken Vogel seine Aufmerksamkeit. Ganz bewusst wollte er nun nicht mehr auf seine Worte achten. Stattdessen schenkte er dem rechten Papagei mehr Aufmerksamkeit, indem er ihn sogar fortan streichelte, mit ihm sprach und sich von seiner Einschätzung bestärken ließ. Er hatte einfach das Gefühl, dass er von ihm geschätzt wurde. Und — dadurch wurde er schließlich irgendwann ein selbstbewusster, großer König, der es schaffte, sein kleines Reich würdevoll zu regieren!

Ohrlaub

Im Einklang sein

Wenn es im Leben nicht mehr klingt,

 

die Seele nur in Moll noch singt,

 

dein Herz jetzt aus dem Takt gerät,

 

dann ist es längst noch nicht zu spät,

 

um nun zu fühlen, was nicht stimmt,

 

was dir die Luft zum Singen nimmt.

 

Bei alledem – vergiss es nie:

 

Du hast die Lebensmelodie,

 

die in dir niemals mehr verstummt,

 

in deinem Innern leise summt.

 

So gib nicht auf, such’ doch und sieh’,

 

was deine Note dir verlieh, 

 

die schön und einzigartig ist,

 

durch die du was Besondres bist.

 

Die Seele tanzt dann endlich wieder.

 

Und du — du singst ganz neue Lieder!

Ohrlaub

Gezeitenwende

Eine Flut bricht über dich herein —

 

von lauten Durchsagen, 

 

von schlechten Nachrichten,

 

von negativen Ausdrücken.

 

Es gelingt dir nicht, 

 

mit halbem Ohr hinzuhören, 

 

dein Herz zu verschließen, 

 

die Augen zuzumachen.

 

In deinem Herzen herrscht Ebbe.

 

Alles in dir zieht sich zurück. 

 

Deine Seele sitzt auf dem Trockenen —

 

durch das Rauschen vom Mehr.

 

Doch — in der Ebbe gelingt es dir,

 

ganz Ohr zu sein,

 

dein Herz zu öffnen,

 

die Augen aufzumachen.

 

Und bald kehrt eine Flut zurück —

 

von stillen Aussagen,

 

von der guten Nachricht,

 

von positiven Eindrücken.

 

Dein Herz wird von Liebe durchflutet.

 

Die Fülle der Kraft kehrt zurück.

 

In der Stille wird die Seele erfrischt —

 

durch das Lauschen auf Gottes Mehr.

Ich höre auf (dich)

Ich höre auf, Gott, dich immer wieder verstehen zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass ich mich auf dich verlassen kann, ohne von dir verlassen zu werden.

Ich höre auf, Gott, alles kontrollieren zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass ich mich an dich verlieren kann, ohne selbst verloren zu gehen.

Ich höre auf, Gott, immer stark sein zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass du meine Stärke bist, ohne dass ich meine Stärken verleugnen muss.

Ich höre auf, Gott, ein unbeschwertes Leben von dir erwarten zu wollen. Denn ich höre auf dich, Gott, weil du mir versprichst, dass du dich um mich kümmern wirst und dass meine Seele nicht verkümmern muss.

Wenn ich „auf-höre“ und mich darauf einlasse, loszulassen und mich deiner Liebe und Treue zu überlassen, kannst du endlich anfangen, zu handeln und mich zu verwandeln.

Vielleicht beginnt Ohrlaub dort, wo ich aufhöre, auf alles zu hören.

Ohrlaub

Vielleicht findest Du auch hier ein Wort, das Dein Herz erfreut.

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.