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Alle Jahre wieder

„Alle Jahre wieder…“, stöhnte Josef. „Alle Jahre wieder — dieselbe Prozedur. Es dauert nicht mehr lange… Bald stellen sie uns wieder zur Schau!“

   

„Von wegen — alle Jahre wieder … Vorletztes Jahr haben sie uns vergessen  —  und vor fünf Jahren auch… Aber – du hast recht: Es wird kühler. Obwohl ich dieses Kleid trage, friere ich ein bisschen!“, bemerkte seine Frau. „Hoffentlich erkältet sich das Kleine nicht. Es wurde zwar mit Stroh bedeckt … doch es trägt ja nur Windeln.“

   

An dem Heu, auf dem das Baby lag, knabberte gerade ein Schaf. „Hey, bring’ mir ein bisschen mit. Ich habe auch Hunger!“, rief der Ochse. „Ich komme dahinten nicht an…“ 

   

„Denen sollten wir vielleicht einmal eine Eselsbrücke bauen!“, schlug der Esel vor. „Dann holen sie uns auch öfters hier raus!“

 

„Ruhe im Karton!“, schimpfte einer der drei Weisen. „Ich will schlafen!“

  

„Schlafen…“, empörte sich sein Freund, der seinen Turban zurechtrückte. „Du solltest mit uns lieber in die Sterne gucken, ob sich noch ein Ereignis ankündigt…“

   

„Du bist ja witzig! Oder glaubst du etwa, dass unsere Lage hier unter einem guten Stern steht?“

   

Plötzlich wurde es mucksmäuschenstill. 

  

Alle hörten leise, dumpfe Schritte. „Jetzt ist es wieder höchste Zeit…“, sang Maria leise, aber ihre Stimme zitterte. Und dann erlebten die Insassen wieder ein Erdbeben sondergleichen. Sie wurden durchgeschüttelt, während sie vom Dachboden ins Erdgeschoss getragen wurden. „Hilfe!“, schrie ein Schäfchen voller Panik, bevor es sich am Turban eines Weisen festbiss. Das Baby begann, zu weinen.

   

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen. Ein Deckel wurde abgehoben. Die Hirten und Weisen, Maria und Josef hielten sich die Hände vor das Gesicht, weil sich ihre Augen erst einmal wieder an das Tageslicht gewöhnen mussten. Doch dann atmeten sie tief durch…

 

Große Finger stellten den Ochsen und den Esel in den beleuchteten Stall. Auch die Schafe gesellten sich dazu. Das Neugeborene, das sich wieder beruhigt hatte, wurde vorsichtig in seine Krippe gelegt. Seine Eltern bekamen jeweils links und rechts ihren Platz. Dazwischen wurden Stroh und Heu drapiert.

 

Da standen nun die Krippenfiguren und hörten zu, wie die Menschen sangen: „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all, zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall…“ Ein paarmal wurden sie von kleinen Kindern und großen Menschen bestaunt, bevor sie nach 14 Tagen wieder in den Karton gelegt und auf den Dachboden getragen wurden. 

   

„Stille Nacht…“, begann Josef noch einmal traurig anzustimmen. „Denn für den Rest des Jahres haben wir diese ab jetzt wieder!“

 

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht: Aber — seitdem ich erfahren habe, wie sich Krippenfiguren fühlen könnten, möchte ich dafür beten, dass viele Menschen ihre Herzenstür öffnen, wenn sie sich das Krippenspiel in der Kirche ansehen. Denn das Christkind wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es in unseren Herzen geboren wird, uns seine Liebe schenken und uns zeigen darf, wie er unser Leben mit Leben erfüllt — und das nicht nur alle Jahre wieder, sondern Tag für Tag!

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Wie Pia sich aufbäumte

Wieder einmal nahte das Weihnachtsfest. Und wieder einmal wurde Pia von ihrem Vater gefragt: „Begleitest du mich, um den Tannenbaum auszusuchen?“

 

Zwei Jahre lang hatte Pia sich nicht getraut, sich unter das Volk zu mischen. Sie schämte sich. Aber nun war sie 12 Jahre alt und sie ermutigte sich selbst: „Diesmal gehe ich mit Papa mit! Ich schaffe das, denn ich bin ja schon groß!“

 

Wagemutig antwortete sie ihrem Vater: „Ich komme mit, aber nur wenn ich den Tannenbaum ganz allein aussuchen darf!“

 

Beide fuhren los. Aber schon im Auto fing Pias Herz wieder heftig an zu klopfen. Würde diese Reise in einem „Piasko“ enden, weil die Angst größer war als sie und sie vielleicht doch noch einen Rückzieher machte?

 

Am Ziel angekommen setzte schon die Dämmerung ein, was Pia allerdings nicht viel ausmachte. Denn so fiel sie in der Menge nicht ganz so auf, sodass sie Freude daran hatte, alle Bäume akribisch zu begutachten. Als Vater und Tochter … nach Stunden … fast den gesamten Stand abgesucht hatten, fing Pia an zu strahlen: „Den da in der Ecke — den nehmen wir!“, rief sie entschieden aus. 

 

Der Vater trug das Einzelexemplar ohne Widerwillen zum Verkäufer, der beide ungläubig ansah. „Wirklich? Ich dachte, dass ich auf der Krücke sitzenbleibe! Wollt ihr sie ernsthaft kaufen und sie euch ins Wohnzimmer stellen? Die ist doch nur auf der einen Seite schön. Da hat sie Äste, die gleichmäßig gewachsen sind. Auf der anderen Seite ist sie nur kahl und unansehnlich!“

 

Pia ging direkt auf den Verkäufer zu — etwas humpelnd, weil sie das linke Bein nachzog. Dann holte sie mit der rechten Hand ihren anderen Arm aus der Jackentasche, den sie seit ihrem Schlaganfall kaum selbst bewegen konnte. Sie zeigte sich dem Verkäufer, sah ihm direkt ins Gesicht und sagte bestimmt: „Genau dieser Baum soll in unserer Stube stehen und mit Lichtern verziert werden. Und in diesem Jahr werden wir den Makel nicht hinten vor der Wand verstecken; er wird für alle Besucher sichtbar sein und auch mit Kugeln und Lametta geschmückt werden, weil er es wert ist!“

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Auf einem Kreuz-Fahrtschiff

Es geschah auf einem Kreuz-Fahrtschiff. 

Alle Passagiere freuten sich auf ihren wohlverdienten Urlaub. So lange hatten sie gespart, um sich ein paar Tage so richtig auf der weiten See entspannen zu können und sich den Luxus zu leisten, der ihnen auf einem Kreuz-Fahrtschiff nun einmal geboten wurde. Und natürlich waren sie  auch auf die Landausflüge neugierig.  

Als das Schiff schon einige Meilen unterwegs war, genossen die Menschen die Sonne, den Sommer und das große, viele Mee(h)r! Alle ließen die Seele baumeln; sie schwammen im Pool … nahmen ein Sonnenbad … lasen … hörten Musik … nutzten die Tanzfläche … oder gingen auch zu den Gottesdiensten, die ihnen in regelmäßigen Abständen angeboten wurden. 

Unter ihnen war auch ein kleines Mädchen, das ohne Mama und Papa oder die Großeltern an Bord zu sein schien. Während der gesamten Reise wurde es nur allein gesehen. Und dennoch hatte es offenbar seinen Spaß  und freute sich des Lebens.

Mitten auf dem weiten Ozean kam eines schönen Tages — wie aus heiterem Himmel — ein heftiger Sturm auf. Die Wellen warfen das Schiff hin und her. Es regnete in Strömen. Die Mitreisenden saßen alle im selben Boot, denn sie hatten Angst davor, dass sie bald Schiffbruch erleiden mussten. 

Nur das Mädchen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch in dieser Situation war es damit beschäftigt, ein wenig Farbe in das dicke Malbuch zu bringen. Es sah auch jetzt scheinbar keinen Grund darin, alles grau in grau zu malen.

Ein alter Herr, dem das Wasser bis zum Hals stand, sprach die Kleine daraufhin verblüfft an. „Wir alle zittern hier vor Angst, elendig ertrinken zu müssen … Und du? Fürchtest du dich denn gar nicht?”, wollte er von der Kleinen wissen.

Sie schüttelte vertrauensvoll den Kopf. Und dann sah sie kurz von ihrem Malbuch auf und entgegnete: „Warum sollte ich: Mein Vater ist doch der Kapitän!“

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Die alte, die altbekannte Frau


Es war einmal eine alte, eine altbekannte Frau, die schon einige Jahre auf dem Buckel hatte. Und dennoch war sie jung … so frisch wie der neue Tag, der gerade erwacht war. Zwar ging sie gebeugt an einem Stock, aber irgendwie wanderte sie auch leichten Schrittes durch die Welt. Sie hatte tiefe Falten im Gesicht, doch sie ließ sich – im Laufe der Jahre – noch kein einziges graues Haar wachsen. Auch trug sie eine Brille, aber ihre Augen blickten mit Weitsicht auf die Menschenkinder… Ja, mehr noch: Sie lebte in den Herzen der Menschenkinder, indem sie immer wieder ein Licht entzündete, wenn es in ihnen dunkel geworden war. Sie machte sie stark, wenn sie schwach wurden. Sie richtete sie auf, wenn die Not und das Leid sie in die Knie zwangen. Und sie hauchte ihnen neues Leben ein, wenn ihre Träume oder Wünsche wieder einmal starben. Bei alledem war sie irgendwie nicht totzukriegen…


An jenem besagten Morgen herrschte im Herzen des Menschenkindes Michael tiefe, dunkle Nacht. Er hatte sein einziges Kind verloren und war tiefbetrübt. All seine Zuversicht, dass es doch noch gesund werden würde, war mit in das kleine Grab gesunken. Wie viel Erwartungen hatte er in die Therapie und in das Gebet gelegt…?! Er vertraute darauf, dass alles gut werden könnte. Auf einen Lichtblick hatte er gewartet, aber nun war es finster in ihm. 


Die Welt stand für den Familienvater still; er konnte das Unglück nicht fassen. Eigentlich wollte er nur noch sterben … bei seinem Kind sein … Von niemanden wollte er sich trösten lassen. Auch die alte, die altbekannte Weise kam nicht mehr an ihn heran. Im Gegenteil: Sie zündete in ihm eine Kerze an – er blies sie bewusst aus. Sie wollte ihm die Tränen von den Wangen wischen – er stieß sie von sich. Sie begegnete ihm mit Güte und Milde – er reagierte mit Wut und Aggression.


Die alte, die altbekannte Frau wusste, dass das Trauern Zeit brauchte. Der Verlust musste verarbeitet werden – in bestimmten Phasen. Darum hielt sie es geduldig aus, wenn Michael zwischen Schockreaktionen, zwischen Anklage, zwischen Ärger oder berührenden Erinnerung an sein Kind schwankte. Es würde lange brauchen, bis sie ihm ihr Lieblingsutensil zeigen konnte… 


Doch irgendwann war es dann soweit: Die weitsichtige Frau ließ Michael durch ihr Fernrohr schauen, das bis hinüber in die andere Welt, bis in die Ewigkeit reichte. Und dort entdeckte er sein Kind. Es lebte; es lachte; es litt nicht mehr… An der Hand des himmlischen Vaters ging es im Garten Eden spazieren. Es bewunderte Bäume und Blumen in ihrer Pracht, die es noch niemals zuvor gesehen hatte.

 

Dann tobte das Kind zu einer Königskobra hin und spielte mit ihr – ganz ohne Gefahr. Ja, und einige Zeit später kletterte es auf den Baum des Lebens. An einem dicken Ast machte er Klimmzüge. So etwas wäre ihm hier auf Erden niemals möglich gewesen…


Das Herz von Michael weitete sich wieder. Durch die Sicht in das Fernrohr sah er die Situation mit anderen Augen. Irgendwie gewann er mehr Über-Blick. Obwohl er sein Kind ganz schrecklich vermisste und oft ganz traurig dreinschaute, glaubte er nun an ein Wiedersehen. Und das hielt ihn am Leben.


Das Menschenkind lud die junggebliebene Alte ein, bis zu seinem Lebensende bei ihm zu bleiben. Ihm war klar geworden, dass sie noch öfters in ihm ein Licht anzünden durfte, wenn ihn das Dunkel der Traurigkeit überfiel. Es hatte begriffen, dass er ein ermutigendes Wort von ihr brauchte,  sobald ihn der Verlust sprachlos machte. Und es sah ein, dass es immer wieder einmal an die himmlischen Aussichten erinnert werden musste. 


Es kam schließlich der Tag, an dem Michael tief in seinem Herzen wusste, wen er seit Jahren an seiner Seite schätzte: Denn die alte, die altbekannte Frau hieß „Hoffnung“!

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Das Buch der Dankbarkeit

Das ist die Geschichte von einer „sicht-weisen“ Frau, die das Buch der Dankbarkeit hatte…

 

Seit Jahren lebte sie in einem Heim. Sie konnte sich nicht allein versorgen und war auf die ständige Hilfe anderer Menschen angewiesen. Doch nun wurde ein Platz in dem Seniorenstift frei, dass ganz in der Nähe ihrer Kinder lag. 

 

Noch bevor die alte Dame dort einzog, wollte die eigene Tochter ihr Prospekte von dem neuen Domizil zeigen. Doch die Mutter hatte kein Interesse daran und sagte mit Gewissheit in der Stimme: „Kind, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt – so wird es mir auch dort gefallen!“

 

Die Tochter war verblüfft. „Wie kannst du dir da so sicher sein? Klar, wir sind in der Nähe… Und wir werden dich so oft wie möglich besuchen kommen; das ist ein Pluspunkt. Aber – wieso bist du so überzeugt davon, dass das neue Heim schön ist?“, wollte sie neugierig von ihr wissen.

 

Die alte Frau ergriff zärtlich die Hand ihrer Tochter. Sie holte tief Luft und erklärte ihr dann: „Weißt du, mein Kind, ob mir mein Zuhause gefällt, hängt doch nicht von der Lage oder der Innenausstattung ab, sondern von meiner Einstellung, von meiner Sichtweise. Schon vor langer Zeit habe ich die Entscheidung getroffen, glücklich zu sein. Und das habe ich niemals bereut!“

 

Die Tochter horchte auf. „Geht das denn? Kann man immer glücklich und zufrieden sein?“ Sie schaute auf den Rollstuhl ihrer Mutter und runzelte die Stirn.

 

Die alte Frau erklärte nun: „Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufmache, habe ich die Wahl, positiv oder negativ auf die Umstände zu sehen. Ich kann motzen, meckern, mosern, dass ich dies und jenes nicht mehr allein schaffe. Aber damit würde ich mir das Leben nur selber schwermachen. Oder – ich kann wiederum meine Aufmerksamkeit auf das richten, was mir noch möglich ist, was ich an Gutem erlebe, wofür ich dankbar sein kann.“ 

 

Nachdem die Dame das gesagt hatte, löste sie die Bremsen ihres Rollstuhls und fuhr zu ihrem Nachtschrank, um aus der obersten Schublade einen großen, dicken Wälzer herauszuholen und ihn ihrer Tochter zu zeigen. „Das ist mein Buch der Dankbarkeit…“, vertraute sie ihr an. „Seit vielen Jahren schreibe ich hier alles hinein, was mich glücklich macht. Die schönsten Erlebnisse habe ich hier festgehalten … alles, was mir Freude gebracht hat. Schau mal…“, forderte sie sie heraus, während sie den Schatz behutsam durchblätterte. „Hier sind so viele wunderbare Kapitel meines Lebens vermerkt: Wie ich deinen Vater kennengelernt habe … der erste Kuss … sein Heiratsantrag… Und hier – diesen Seiten habe ich den Titel ‚Meine geliebten Kinder‘ gegeben. Oh, ihr habt mich so oft zum Schmunzeln gebracht – mit eurer niedlichen Art… Was ich mit Freunden erlebt habe – darüber hätte ich Bände schreiben können… Erfolge auf der Arbeit, stehen … da … auf einem anderen Blatt. Die vielen großen Kleinigkeiten des Alltags, die überhaupt nicht selbstverständlich waren – ich habe ganz viel notiert … für schlechte Zeiten. Diese Zeilen haben mir so oft Kraft gegeben, wenn irgendetwas passierte…“ 

 

Die Frau schloss das Buch der Dankbarkeit und schlussfolgerte: „Ich durfte immer wieder erfahren, wie glücklich es mich macht, wenn ich das Gute im Blick behalte. Auch in dem anderen Heim werde ich bestimmt so manches entdecken, was ich schwarz auf weiß zu Papier bringen kann. Darum bin ich schon gespannt, wer und was mich dort erwartet…“, sagte sie mit leuchtenden Augen.

 

Wenige Wochen später war es dann soweit: Der Umzug stand ins Haus, bei dem die Töchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder kräftig anpackten. Und das erste, was „die Sicht-Weise“ in der neuen Heimat in ihrem Buch der Dankbarkeit schriftlich festhielt, war: „Ich bin reicher als jemals zuvor!“

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Vom verlorenen Vater...

Ein Mann hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: „Vater, gib mir den Anteil deiner Zeit, deiner Aufmerksamkeit, deiner Freundschaft und deines Rates, der mir zusteht.“ Und der Vater beteiligte ihn an seinem Einkommen, indem er dem Jungen viel Spielzeug kaufte, ihm eine Privatschule finanzierte, ihn auf eine besonders gute Universität schickte und sich mit dem Gedanken zu beruhigen versuchte, dass er damit vollauf seinen Vaterpflichten nachkäme. Indes sammelte der Vater all seine eigenen Interessen, Wünsche und ehrgeizigen Pläne zusammen und reiste in ein fernes Land – in ein Land der Aktien, der Wertanlagen und anderer Dinge, die einen Jungen nicht interessierten und verschleuderte hier die kostbare Gelegenheit, seinem Sohn ein guter Kamerad und Lebensgefährte zu sein. Ob er schon einmal etwas vom verlorenen Vater gehört hatte?

 

Als er nun die besten Jahre seines Lebens verbracht hatte, war er zwar finanziell reich. Aber innerlich machte sich eine große Leere in ihm breit. Es erhob sich ein großer Hunger in seinem Herzen. Und er begann, Mangel zu leiden – Mangel an Sympathie, Verständnis und echter Liebe. Da ging er hin und hängte sich an ein Mitglied der vielen Klubs jenes Landes, der ihn zum Vorsitzenden machte. Und er begehrte, sein Herz zu füllen … mit den Abfällen, die jener Mann aß, aber er blieb hungrig – und allein. 

 

Da ging er in sich und sprach: „Wie viele Männer aus meinem Bekanntenkreis haben Jungen, die sie verstehen und denen sie Verständnis entgegenbringen … die mit ihren Söhnen reden und Umgang mit ihnen haben … die in der Beziehung mit ihren Kindern glücklich sind, während ich hier innerlich verhungern muss! Ich will mich aufmachen und zu meinem Sohn gehen und zu ihm sagen: ‚Mein Sohn, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dass ich dein Vater heiße. Mache mich doch zu einem deiner Bekannten!“

 

Und er machte sich auf und kam zu seinem Sohn. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Sohn und war sehr verwirrt… Würde er ihm nun entgegenlaufen, ihm um den Hals fallen und küssen…? Gäbe es ein großes Versöhnungsfest mit einem Kalbsbraten? Reden wir – am Ende – vom verlorenen Vater? 

 

~ ~ ~

 

Wenn du die Bibel kennst, hast du es sicherlich schon erkannt, dass ich das Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ aus Lukas 15 einmal umgeschrieben habe. Die Geschichte ist so beschrieben, wie viele Menschen ihre Vater-Kind-Beziehung erleben… 

 

Ich berichte vom verlorenen Vater. Musstest du vielleicht ähnliche Erfahrungen mit deinem „alten Herrn“ machen? Und – wie würdest du reagieren, wenn er – in Reue – wieder auf dich zukäme?

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schmerzhaft es ist, als mich meine Eltern in meiner Kindheit übersahen… Irgendwann dachte und fühlte ich, dass ich überhaupt nicht sehenswert und liebenswürdig bin. Das verletzte meine kleine Seele tief.  Das Herz schmerzte

 

Doch ich ließ es zu, dass mein himmlischer Vater und auch Freunde mir die Tränen vom Gesicht wischten, mich mit ihrer Zuwendung trösteten und die Wunden verbanden. Demzufolge verstand ich mit der Zeit, dass ich mir am meisten damit half, wenn ich meine Enttäuschung und Wut aufgab … wenn ich zugab, dass auch ich nicht perfekt war … wenn ich meine Eltern freigab. Das änderte nichts an der Situation; das änderte nur mich. Denn mir wurde eine große Last von den Schultern, von meinem Herzen genommen. Im Laufe der Zeit habe ich somit erkannt: Es ist nicht vergebens, wenn ich meiner Mutter – und im speziellen Fall – meinem Vater vergebe!

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Der kleine Sohn Luis

In einem kleinen Häuschen lebte ein Ehepaar. Der kleine Sohn Luis wohnte natürlich auch dort. Die Familie ging sehr harmonisch miteinander um. Sie machten es sich gemütlich und nahmen alle Mahlzeiten zusammen ein – wenn es die Zeit erlaubte.

 

Es war eine Tradition geworden, dass die Mutter den Esstisch und das Wohnzimmer mit einem Blumenstrauß und Kerzen schmückte, während sie frühstückten oder zu Abend aßen.

 

Es war schon spät, als die Eltern ihren kleinen Sohn Luis einmal zu Bett brachten. Sie lasen ihm noch eine Geschichte vor, bevor der Vater zu ihm sprach: „Mama und ich – wir wollen gleich einen kurzen Spaziergang machen. Es dauert auch nicht so lange, bis wir wieder da sind!“

 

„ … ist gut!“, sagte der Kleine schon im Halbschlaf.

 

Die Eltern warteten, bis ihr Sohn eingeschlafen war. Dann gingen sie los. Doch leider hatten sie vergessen, die Kerze auf dem Sideboard im Wohnzimmer auszupusten… Und so kam es, wie es kommen musste: Durch das geöffnete Fenster huschte ein Luftzug. Die Gardine wehte und riss die Kerze um. Im Nu stand das ganze Zimmer in Flammen, breitete sich auf dem Flur aus und erreichte die Küche. Als ein riesengroßes Bücherregal laut krachend in sich zusammenbrach, erwachte Luis, der im Obergeschoss lag. „Mama, Papa, wo seid ihr?“, rief er. Dann bekam er Angst. „Papa, Papa!“, schrie er ganz laut, während ihm der Rauch in die Nase stieg.

 

Plötzlich hörte er die Stimmen seiner Eltern. „Luis, kannst du uns hören?“

 

„Ja!“, antwortete er weinend.

 

„Kannst du auf den Balkon kommen?“, schrie der Papa voller Panik.  

 

Luis öffnete die schwere Tür und rief: „Papa, ich bin jetzt dort. 

 

„Klettere schnell auf die Brüstung und spring herunter! Ich stehe da und fange dich auf!“

 

„Das geht nicht! Ich sehe dich nicht!“

 

„Aber ich sehe dich! Spring, ich fange dich auf!“, ermutigte ihn der Vater.

 

„Ich habe Angst!“

 

„Das weiß ich! Spring trotzdem! Du kannst dich immer auf mich verlassen! Komm’ in meine Arme!“

 

Auf einmal fasste Luis Mut! Er sprang und merkte wieder einmal, dass er – gut aufgehoben – in die starken Arme seines Vaters sinken konnte!

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Ein süßes Mädchen

Am Morgen eines kalten Tages wollte ich einen kühlen Kopf bewahren, obwohl ich einen Termin beim Zahnarzt hatte. Da ich früh dran war, setzte ich mich auf eine Bank hinter dem Ärztehaus und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Ich schaute mich um. Die Vögel zwitscherten im Schatten der Bäume fröhlich ihre Hoffnungslieder. Friedlich raunte der Wind seine Melodie dazu. Und vor mir war das Grün der bunten Blumenwiese eine echte Augenweide für mein Herz und für die Seele. Durch diese Idylle schlängelte sich ein schmaler Weg, auf dem ich plötzlich – in weiter Ferne – ein kleines Wesen laufen sah. Nach meiner Beobachtung meinte ich, dass es ein süßes Mädchen war. Es hatte blonde Zöpfe und trug ein rosa Kleid. Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht.

 

Ich erwartete nichts Böses. Und so schaute ich kurz den Wolken nach, die sich am weiten Himmelszelt vorwärtsbewegten. Dann richtete ich mein Augenmerk wieder auf das Kindchen. Aber als ich auf die Wiese blickte, erschrak ich. Anscheinend hatte ich mich getäuscht. Genau in meine Richtung rannte geradewegs ein Geschöpf auf mich zu, das doch nicht ein süßes Mädchen in einem rosafarbenen Kleid zu sein schien. Es war auch nicht klein. Im Gegenteil: Von Schritt zu Schritt vermochte es, größer zu werden – und unheimlicher. Irgendwie hatte sich das Rosa in ein Grau verwandelt. Die Zöpfe waren verschwunden und ich meinte, eine hässliche dunkle Mähne zu sehen. Ja, auch das Lächeln hatte sich in eine finstere, feindselige Miene verwandelt.

 

Noch war das Ungetüm vielleicht fünf oder sechs Meter von mir entfernt. Aber ich spürte mit einem Mal, wie sich meine Kehle zuschnürte. Auf meine Brust legte sich Enge. Mein Herz begann zu rasen. Mir wurde mulmig in der Magengegend.

 

„Was will dieses Monster von mir? Und wer oder was ist das überhaupt?“, fragte ich mich in Windeseile. „Werde ich allmählich verrückt?“

 

Was ich nicht wollte, traf ein. Sekunden später stand ein Riese vor mir – in einem pechschwarzen Umhang. Er riss die Arme hoch und bewegte sein dickes Hinterteil immer vor mir hin und her. Mit lauten Geräuschen und fletschenden Zähnen bäumte er sich vor mir auf. Da seine lange, dunkle, lockige, fettige Haarpracht in sein Gesicht fiel, hatte ich keine Ahnung, wer hier vor mir tobte, obwohl ich glaubte, ihn irgendwie zu kennen… Ich wusste nur, dass mir heiß und kalt wurde. Denn dieser Riese stellte meinen Platz in der Sonne mysteriös in den Schatten.

 

Eigentlich wollte es mir die Sprache verschlagen… Doch – dann fragte ich ihn zaghaft, zögerlich und zaudernd: „Was willst du von mir?“

 

„Ich will in deiner Nähe sein!“, antwortete der Riese mit einer tiefen Stimme. Anschließend riss er seinen Mund so weit auf, als ob er mich auffressen wollte. Mein Puls schien auf 180 zu sein. Am liebsten wäre ich weggelaufen. „Wollen wir Freunde werden?“, ergänzte er.

 

„Nee, nie im Leben…“, dachte ich nur, während ich schon die Flucht nach vorn antreten wollte. „Wer will schon solch einen Freund haben!“ Noch während ich in meinen Gedanken gefangen war, fesselten mich seine mitleidserregenden Augen. „Ein Typ, der sich so aufbäumen muss, hat vielleicht gar keine Freunde?“, ging mir durch den Kopf. 

 

Irgendwie musste ich das Risiko eingehen… Ich musste es wagen…

 

Also reichte ich diesem Riesen zuerst den kleinen Finger. Danach öffnete ich zitternd beide Hände, die kalt und schweißnass waren. Und zum Schluss breitete ich meine Arme aus: „K-k-ko-omm’…“, stotterte ich leise.

 

Tatsächlich überlegte das Ungeheuer nicht lange. Es machte einen Sprung, einen Freudensprung und fiel mir regelrecht um den Hals, ohne mir die Luft zum Atmen rauben zu wollen. „Hallo!“, meinte es auf einmal sanftmütig.

 

„Hallo…“, entgegnete ich irritiert, wobei ich meinen Gefühlen kaum traute. 

 

„Wer bist du?“, interessierte mich brennend. „Wie heißt du?“

 

„Erkennst du mich denn nicht?, fragte mein neuer Freund zurück. „Ich bin es: deine Angst…“

 

Ich wunderte mich über die Maßen. Und als ich das Wesen näher betrachtete, entdeckte ich wieder ein süßes Mädchen, das in mir steckte. Damals hatte es starke Zahnschmerzen. Die Ärztin musste bohren… Und diese bohrende Erfahrung löste immer noch angst-erfühlte Empfindungen in mir aus. Aber jetzt konnte ich mich ihnen stellen. Ich konnte mich zu ihnen  stellen, sie anschauen, sie umarmen und mich mit ihnen anfreunden. Als erwachsene Frau war es mir möglich, gerade der Angst von damals den Zahn zu ziehen…

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Der runde Geburtstag

Unglaublich: Nun war Markus ein halbes Jahrhundert alt. Ein großes Fest wurde für ihn ausgerichtet. Alle waren gekommen: die Familie, Freunde und Bekannte. Der runde Geburtstag wollte groß gefeiert werden…

 

Was keiner wusste, war, dass gleich drei Personen eine Rede vorbereitet hatten. Unabhängig voneinander wollten sie den Jubilar mit ein paar Sätzen würdigen, bevor das Büfett eröffnet und kräftig gefeiert wurde. 

 

Der Vater ergriff zuerst das Wort. „Ich bin so froh, dass es dich gibt…“, sagte er mit Tränen in den Augen. „Ich kenne dich nun schon dein Leben lang, habe deinen ersten Schrei gehört – mitgekriegt, wie du zur Schule gekommen bist. Das Radfahren habe ich dir beigebracht. Ich habe dir über den ersten Liebeskummer hinweggeholfen. Ja, und nun bist du ein gestandener Mann, der manche Herausforderung bezwungen hat. Du setzt dich für deine Mitmenschen ein und bist immer da, wenn man dich braucht. Ich bin so stolz auf dich! Hoch sollst du leben!“ Er erhob das Glas. „Dieser, der runde Geburtstag ist etwas Besonderes!“

 

Aber bevor alle auf Markus’ Wohl anstoßen konnten, stand sein Sohn auf. „Tja, Vater, ich kenne dich bloß halb so lange wie Opa. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass du der beste Vater bist, den man sich nur wünschen kann…“, improvisierte er. „Du hast mir das Radfahren beigebracht und meine Wunden verarztet, wenn ich hingefallen bin. Als ich lernte, Klavier zu spielen, hast du eine Engelsgeduld bewiesen. …und du warst immer für mich da, als mir die Mädels einen Korb gegeben haben. Noch heute kann ich dich Tag und Nacht anrufen, wenn ich einen Rat brauche. Wie gut, dass ich dich habe…! Hoch sollst du leben, Vater!“ Wieder wollten die Anwesenden auf ihn trinken…

 

„Moment mal…“, meinte der beste Freund. „Ich will auch noch etwas sagen, obwohl wir uns erst 13 Jahre kennen: Es war das Beste, was mir passieren konnte, als wir uns damals im Skiurlaub trafen und sofort merkten, dass die Chemie stimmt. Seitdem gingen wir durch dick und dünn. Über alles konnten wir reden. Du warst sogar in der schwersten Zeit meines Lebens für mich da, hast mich getröstet… 

 

Und dann haben wir vor acht Jahren gemeinsam die Kanzlei aufgemacht – eine gute Entscheidung. Das brachte Bewegung in unser Leben. Wir konnten inzwischen viele Menschen rechtlich vertreten, ihnen helfen. Und uns hat das schließlich auch geholfen… Markus, du bist der beste Freund, den ich finden konnte. Schön, dass es dich gibt. Hoch sollst du leben!“

 

Danach wurde nun wirklich das Glas erhoben und ein „Prosit“ ausgesprochen. Der runde Geburtstag von Markus wurde nun ganz groß gefeiert…

 

Übrigens: Ich war auch auf diesem Fest! Als ich mitbekam, wie drei Leute über eine Person aus unterschiedlichen Perspektiven sprachen, dachte ich: „Was für ein merk-würdiges Bild für Dreieinigkeit. Das gilt doch auch für Gott. Der Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist zeigen auch jeweils eine Seite von dem Großen, Ganzen. Sie sind eins, sich einig – in allem! Es lohnt sich, Gott – mit seinen Facetten – zu vertrauen.“

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Der Anfang nach dem Ende

Irmgard war immer noch todunglücklich. Seitdem ihr Mann vor vier Monaten gestorben war, spürte sie kein Leben mehr in sich. Mit ihm hatte sie auch ihre ganze Hoffnung und ihren Mut begraben. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie der Anfang nach dem Ende bald ganz neu beleben würde…

Täglich ging Irmgard auf den Friedhof. Sie zündete immer wieder neue Kerzen an, wobei ihr die Tränen über das Gesicht liefen, weil es in ihr so dunkel war. 

Auch an jenem Samstag im Oktober war sie hier. Und – wie jedes Mal machte sie sich irgendwann wieder auf den Heimweg. Schweren Schrittes kam sie nur langsam voran. Ihr Blick war – wie immer – gesenkt. Vor einer Ruhestätte, an der sie jeden Tag vorbeikam, sah sie heute etwas Merkwürdiges liegen. Es war klein und schwarz. Verloren sah es aus. Irmgard schaute sich verstohlen um. Dann bückte sie sich und entdeckte eine Brieftasche. Es war ihr unangenehm, einen Blick hineinzuwerfen. Sie sah ein paar Geldscheine, aber entscheidend war für sie, herauszubekommen, wem das kostbare Stück gehörte. Da der Personalausweis – Gott sei Dank – auch nicht fehlte, las sie, dass die Brieftasche einem Mann gehörte, der nur ein paar Straßen vom Friedhof entfernt wohnte. Und so entschied sie, diese sofort dort abzugeben.

Als Irmgard vor der Tür stand und geläutet hatte, öffnete ihr ein Mann im besten Alter. Er freute sich so sehr, dass das Verlorene wohlbehalten wieder zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgekehrt war und lud die ehrliche Finderin zu einer Tasse Kaffee ein.

Dann erzählte er seinem Gast, dass seine erste Ehe geschieden wurde und seine Verlobte nach nur wenigen Monaten des Kennenlernens an Krebs gestorben war. Die Kinder kamen nur selten bei ihm vorbei, und Freunde hatten sich – in der Trauer – von ihm zurückgezogen…

Irmgard wusste sich verstanden und gestand ihrem Gegenüber, dass sie sich auch allein fühlte, seitdem sie Witwe war.

An diesem Nachmittag stellten Irmgard und Erich fest, dass sie so vieles gemeinsam hatten: den Verlust ihrer Partner und auch die Hoffnungslosigkeit in der Einsamkeit… 

Sie verabredeten sich jetzt öfters und spazierten zusammen zum Friedhof. Dabei sprachen sie auch viel über das Erlebte, über ihre Enttäuschungen, über ihre Ängste. Das tat beiden offensichtlich gut, sodass sich die Leere allmählich mit Leben füllte. Im Laufe der Wochen kehrte eine neue Freude in ihre Herzen ein, und das Lachen kam auch zurück. Der Anfang nach dem Ende war gekommen…

Erich und Irmgard schmiedeten Zukunftspläne. Sie suchten sich eine gemeinsame Wohnung, eine Kirchgemeinde, in der sie ihren Glauben vertiefen konnten – und sie heirateten mit über 50 Jahren. Als Trauspruch kam für sie nur ein Vers aus Jesaja 43 infrage: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ (Vers 19) Denn beide erlebten – nach dem Sterben ihrer Ehepartner – wie auch in ihnen so manches erstorben war. Aber Gott hatte ihnen gemeinsam einen neuen Lebensraum geschenkt – Raum, um wieder lieben und lachen zu können.

Als Zeichen für die Wunden und das Wunder, das ihnen der Anfang nach dem Ende beschert wurde, schenkte Erich seiner Irmgard eine Yucca-Palme. Er erklärte ihr dazu: „Weißt du, wir beide sind wie ein Bäumchen, das an einer Stelle völlig gekappt wurde. Die Schicksalsschläge haben uns umgehauen. Und doch waren Wurzeln da, durch die Gott Neues wachsen lassen konnte.“

Irmgard freute sich über dieses Geschenk und die Präsenz von Erich. Beide hegten und pflegten das Pflänzchen genau so wie ihre Liebe – bis ins hohe Alter. Denn dass diese Liebe zueinander von Tag zu Tag gewachsen ist, kann ich bezeugen. Denn ich bin ihr Enkelkind!