Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Natur-Gedichte

Die Natur spricht leise; die Worte hören hin - ganz natürlich!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Das Lebensschiff

Ich steige in mein Schiff 

 

und verlasse den Steg.

 

Ich hab’ alles im Griff,

 

als ich mich beweg’.

 

Die Segel gesetzt —

 

das Steuer in der Hand.

 

Ich bin nicht gehetzt, 

 

bin aufs Ziel gespannt. 

 

Ich schmecke die Weite 

 

auf dem offenen Meer.

 

Ich leb’ ganz im Heute; 

 

das befreit mich so sehr. 

 

Ich hab’ das Vertrauen:

 

Du bist mit an Bord.

 

Du willst mich erbauen 

 

an dem herrlichen Ort.

 

Doch bald will es winden; 

 

es regnet in Strömen. 

 

Ich kann dich nicht finden; 

 

was willst du mir nehmen?

 

Das Schiff kommt ins Wanken; 

 

es droht fast zu sinken.

 

Ich fang an zu bangen — 

 

soll ich hier ertrinken?

 

Das Leben ist grässlich —

 

bei diesem Unwetter.

 

Du bist nicht verlässlich 

 

und doch nicht mein Retter.

 

Denn ich hab’ gedacht

 

Vor allen Gefahren 

 

willst du mich mit Macht 

 

für immer bewahren.

 

Es hat lang gedauert, 

 

bis der Wind sich gelegt.

 

Und dass es geschauert,  

 

hab’ ich auch überlebt. 

 

Das Schiff ging nicht unter; 

 

ich sitz’ schon am Strand.

 

Ich bin ziemlich munter, 

 

weil ich eines erkannt:

 

Du bist es, der rettet, 

 

weil du mich so liebst.

 

Du wirst Wogen glätten, 

 

weil du Schutz mir gibst.

 

Doch vor Leid und Krisen

 

bleib’ ich nicht verschont.

 

Du hilfst mir in diesen.

 

Denn das hast du betont!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Durch-Tragen

Die Spuren im Sand,

 

die Schritte im Schnee:

 

Ich bin recht entspannt,

 

weil ich durch sie seh’,

 

— dreh’ ich mich nur um —

 

der Eine geht mit. 

 

Ganz treu, froh und stumm 

 

hält er mit mir Schritt.

 

Er ist auch bei mir

 

in schweren Tagen.

 

Und falle ich hier,

 

so wird er mich tragen.

 

Er sagt das jetzt zu;

 

es gilt das Versprechen.

 

Mein Herz findet Ruh’,

 

es wird nicht zerbrechen!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Das Blümelein

Das Blümlein hat noch nie gefragt:

 

„Was bringt mir das Bemühen?“

 

Mit Freude hat es zugesagt:

 

„Na klar, ich will hier blühen! 

 

Es ist eine Natürlichkeit, 

 

mich für euch hinzugeben, 

 

damit ihr euch an mir erfreut;

 

dafür bin ich am Leben!“

 

„Ich sage es dir, Blümelein:

 

Auf mich wirkst du so weise!

 

Du willst für mich ein Vorbild sein — 

 

auf meiner Lebensreise!

 

Drum tue ich es dir gern gleich

 

und lass mich nicht mehr blenden.

 

Ich mache meine Umwelt reich, 

 

kann Liebe auch verschwenden.“

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Eine Weide

Ich sehe eine Weide;

 

im Herbst spricht sie mich an:

 

„Erkennst du, wie ich leide?

 

Ich bin ja so arm dran!

 

Denn gestern kamen Leute;

 

sie nahmen mein Geäst.

 

Ich fühl‘ mich ausgebeutet,

 

durch Schmerzen sehr gestresst!“

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Winter schweigt sie still.

 

Ich hatte durch das Schneiden 

 

ganz großes Mitgefühl.

 

Doch — nun muss sie nichts tun,

 

sie ist noch so geschafft.

 

Jetzt darf sie in sich ruh’n;

 

das gibt ihr neue Kraft.

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Frühling jubelt sie:

 

„Siehst du die jungen Zweige?

 

Sie grünen wie noch nie!

 

Ich wachse von tief innen;

 

auf Wurzeln kommt es an.

 

Ich lebe nur aus ihnen;

 

das hab’ ich nicht geahnt!“

 

Ich sehe eine Weide;

 

im Sommer zeigt sie schier:

 

Aus ihr entspringt nur Freude;

 

die Hoffnung wohnt in ihr,

 

dass auch nach dem Beschneiden

 

viel Neues aus ihr sprießt

 

und sie zu manchen Zeiten

 

die Augen-Weide ist!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Der Goldfisch

Der Goldfisch ist total erbost; 

 

sein Herz bricht fast entzwei.

 

„Ich habe solch ein schweres Los; 

 

denn ich bin ja kein Hai!

 

Den Sinn dahinter seh‘ ich nicht; 

 

was hat sich Gott gedacht,

 

als er mich — kleinen, armen Wicht —

 

vorzeiten so gemacht?

 

Ein Hai schwimmt in dem Ozean 

 

und wird an Jahren reich.

 

Doch — ich zieh‘ eine kurze Bahn 

 

in diesem blöden Teich.“

 

Gott hat den Goldfisch längst im Blick 

 

und hört auch seine Klage.

 

Er hat sich dann zu ihm gebückt 

 

und stellt ihm ein paar Fragen:

 

„Kennst du den Hai denn umfangreich? 

 

Was soll denn dieser Neid?

 

Und warum ziehst du den Vergleich 

 

und schaffst dadurch bloß Leid?

 

Du selbst bist doch ein Unikat! 

 

Ich liebe dich entschieden!“

 

Seit das der Fisch vernommen hat, 

 

schwimmt er im Teich … zufrieden!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Raupe "Nimmersatt"

Da ist die Raupe „Nimmersatt“;

 

sie findet alles schwierig,

 

weil sie scheinbar zu wenig hat.

 

Drum ist sie ziemlich gierig.

 

An einem Tag frisst sie so viel;

 

ihr wird ganz flau und übel.

 

Dann ändert sie den Lebensstil;

 

zum Glück bleibt sie flexibel.

 

Die kleine Raupe „Nimmersatt“

 

wird achtsam und auch weise.

 

Sie kriecht auf einem neuen Pfad

 

und dankt für jede Speise.

 

Sie füllt den Magen mit Genuss

 

und will nicht alles kriegen.

 

Sie lebt allmählich ganz bewusst

 

und hat so ihr Vergnügen.

 

Die alte Raupe „Nimmersatt“

 

hat ihren Blick erhoben.

 

Und weil nun die Verwandlung naht,

 

will sie etwas erproben.

 

Mit allen Kräften dreht sie sich;

 

es reißt nun der Kokon.

 

So fliegt sie mit viel Zuversicht

 

als Schmetterling davon!

 

Wir gleichen Raupe „Nimmersatt“

 

und sind wir auch verschieden.

 

Gier und Geiz sind unsere Saat;

 

die Ernte ist Unfrieden.

 

Doch schauen wir genauer hin.

 

Und wenn wir uns begnügen,

 

erwartet uns ein Neubeginn;

 

wir können wieder fliegen!

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Selbstwert mit Gefühl

Du lässt dich heute treiben … 

 

im Meer, das dich bewegt.

 

Du kannst es kaum beschreiben, 

 

wie dich das Wasser trägt.

 

Das willst du nur erspüren, 

 

bewahrst jetzt ruhig Blut.

 

Es gibt nichts zu verlieren.

 

Mit dir ist alles gut!

 

Du hast dich abgestrampelt — 

 

vielleicht dein Leben lang, 

 

in dir auch viel zertrampelt; 

 

das war kein schöner Gang.

 

Du wurdest immer müder,

 

bewahrtest deinen Schein.

 

Doch heute bist du klüger; 

 

es geht nur um dein Sein. 

 

Du hast doch eine Ehre, 

 

ein Selbstwert mit Gefühl.

 

Du bist befreit von Schwere, 

 

willst nicht mehr viel zu viel.

 

Du bist nicht mehr getrieben — 

 

im Meer, das Leben heißt 

 

und kannst dich selber lieben, 

 

was Frieden dir verheißt! 

Natur-Gedichte von Jana Schumacher sind leise Wahrnehmungen – Worte über Tiere und Pflanzen, das Meer, die Weite und stille Augenblicke. 

Vielleicht blühen wir dort auf, wo Stille in uns wächst!

Wenn Dich diese Worte begleiten haben, dürfen sie gern weitergehen.